Ferrari F355 Spider

Ferrari bietet mit dem neuen Spider eine der schönsten Möglichkeiten, sich bei Kaiserwetter auf den Weg zu machen. Kleine Mängel übertönt der offene F 355 mit schierer Fahrfreude.

Mit dem Zündschlüssel in der Hand auf einen neuen Ferrari zumarschieren: Das ist die Verwandlung des Testers in die Figur des Howard Carter am 26. November 1922, als der Brite im Tal der Könige auf ein steinernes Portal zuschritt und erstmals jene sagenhafte Kultstätte öffnete, die den altägyptischen Pharao Tutenchamun nach 3300 Jahren einer staunenden Öffentlichkeit in schier unfaßbarem Prunk vor die ungläubigen Augen führte. Welch unermeßliche Schätze, begehrt das Herz im vorliegenden Fall zu wissen, hat Ferrari dem F 355 Spider wohl in die schlanke Silhouette mit hineinkonstruiert? Oder wirkt in ihm etwa ein Fluch der Pharaonen, an den zwar niemand glaubt, den aber alle fürchten? Ferrari hatte dieser emotionalen Ausnahme-Situation kühl Rechnung getragen und die erste Präsentation des neuen Spiders in den nordafrikanischen Wüstensand verlegt (siehe Fahrbericht in Heft 10/ 1995). Doch was würde vom Wonneschauer des Spiderfahrens unter tunesischem Sternenhimmel in der sachlichen deutschen Straßenrealität übrigbleiben?

Kühn tasten die Finger nach dem im Schatten des ansetzenden Lufteinlasses verborgenen Türgriff, das weite Portal schwenkt auf, und ein eleganter Ausfallschritt liftet den Fahrer über den in stabiler Breite vor die Bestuhlung gezogenen Seitenschweller. Erst einmal hinter dem Lederlenkrad postiert, reist man im F 355 Spider bequem. Der Sitz rutscht elektrisch auch für lange Beine weit genug nach hinten, und seine Lehne läßt sich problemlos in jener steilen Stellung fixieren, die bei zügiger Kurvenfahrt bestes Abstützen des Oberkörpers gewährleistet.

Das Öffnen des Himmels gerät zum Duett für Hand und Hydraulik. Die Choreographie der dazu nötigen Bewegungsmuster: Dach entriegeln und per Hand zurückschieben, bis ein Piepton signalisiert, daß die Hydraulik übernehmen kann. Der Druck auf den Schalter senkt die Seitenscheiben und setzt die Sitze nach vorn in Bewegung, um dem Gestänge Platz zu machen. Sobald sich das Dach im Nacken des Fahrers zusammengefaltet hat, schnurrt das Gestühl wieder in die Ausgangsposition.

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Malte Jürgens

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