Fiat Coupé 20V Turbo im Test:

Neue Turbokraft verleiht dem Fiat Coupé das Flair eines kleinen Ferrari. Der Fünfzylindermotor bringt es auf 220 PS und verhilft dem von Pininfarina entworfenen Fronttriebler zu den Fahrleistungen eines reinrassigen Sportwagens.

Der Beiname Pinin (der Kleine) war beim Vater des heutigen Pininfarina-Chefs als Ehrentitel gedacht. Auch das Fiat-Coupé in seiner neuesten Form hat ihn sich redlich verdient. Denn Fiat bietet mit diesem Modell ein Maß an sportlichem Fahrvergnügen, wie es bei einem Coupé dieser Preisklasse keineswegs selbstverständlich ist. Daß gerade das Fiat Coupé zu den gelungenen Entwürfen zählt, auch wenn sich dies zumindest in den bundesdeutschen Zulassungszahlen nicht so recht niederschlagen will, stand schon bei den bisher lieferbaren Versionen mit Vierzylindermotoren außer Zweifel.

Aber jetzt haben die Turiner Techniker noch ordentlich eins draufgelegt – in Form eines zwei Liter großen Fünfzylinders, dem ein amerikanischer Garrett-Turbolader mit einem maximalen Ladedruck von 1,2 bar gehörig einheizt. Die geballte Ladung – der Arbeitsdruck der Abgasturbine liegt um 50 Prozent höher als bei einem Porsche Turbo – steigert die Leistung dieses Triebwerks, das es als Sauger im Fiat Bravo nur auf 147 PS bringt, auf stattliche 220 PS. Exzessive Drehzahlen sind dafür nicht notwendig. Die Höchstleistung liegt bereits bei 5750 Umdrehungen pro Minute an. Typisch für Turbomotoren auch das gewaltige Drehmoment schon im unteren Drehzahlbereich: 2500/min genügen dem Fünfzylinder, um 310 Newtonmeter auf seine Kurbelwelle zu stemmen – fast soviel, wie der 3,5 Liter-V8 von BMW bei 3300/min schafft (320 Newtonmeter). Solche Vergleiche zwischen Turbos und Saugern haben allerdings einen Haken. Leistung und Drehmoment werden auf dem Prüfstand bei konstanten Drehzahlen ermittelt – und auch der bestabgestimmte Turbo benötigt eine gewisse Ansprechzeit, die das subjektive Leistungsempfinden des Fahrers beeinträchtigen kann. Ziel der Turboentwicklung ist deshalb generell, dieses sogenannte Turboloch auf ein Minimum zu reduzieren.

Mittlerweile kann von drei verschiedenen Turbogenerationen gesprochen werden. Die erste war bei niedrigen Drehzahlen schlapp und bei hohen bärenstark. Die zweite bemühte sich mit Erfolg, in der Leistungsentfaltung wie ein weit hubraumgrößerer Sauger zu wirken. Und die dritte? Die tritt schon untenrum kräftig an und legt beim Erreichen des vollen Ladedrucks noch einmal gewaltig zu. Zu dieser Sorte gehört der neue Fiat-Motor. Er läßt niemals einen Zweifel daran aufkommen, daß er künstlich beatmet wird. Unter Druck schiebt er das Coupé wie eine unsichtbare Riesenfaust voran, wenn es sein muß bis zu der schon nach kurzer Zeit erreichten Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h.

Aber auch die Durchzugskraft bei geringen Drehzahlen ist gut, sie verblaßt nur gegenüber dem, was geboten wird, wenn die Nadel des Drehzahlmessers einmal die 3000/min- Marke überschritten hat. Ein typischer Turbo also immer noch, was man in diesem Fall allerdings nicht als Nachteil, sondern als willkommenen Beitrag zur Steigerung des Leistungsvergnügens sehen sollte, zumal das eng gestufe und exakt schaltbare Fünfganggetriebe es leicht macht, den Fünfzylinder immer im kraftvollsten Drehzahlbereich zu halten. Der Verbrauch schnellt dann freilich auch in die Höhe, womit der Fiat wieder einmal beweist, daß Sparwunder von einem aufgeladenen Triebwerk nicht erwartet werden dürfen.

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Götz Leyrer

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