Ford Focus RS im Test: Sport-Ford mit Turbo-Fünfzylinder und 305 PS

Ford Focus RS

Mit dem 305 PS starken Ford Focus RS ist jeden Tag Karneval: Er ist ungehemmt, laut, trinkfest und bietet höllischen Fahrspaß. Test.

Auf dem Wendehammer einer Wohnsiedlung: Neben seinem schmächtigen Bruder – Ford Focus 1.6, außen silber, innen grau - wirkt der neongrüne RS so testosterongeladen wie Hugh Jackman bei der Morgentoilette.

Der Ford Focus RS schnaubt mit dem Lader

Den meisten Damen wäre der muskulöse Hollywood-Star wohl lieber als der Sport-Ford , dessen Optik mit Spoilern, Lufteinlässen und ausgestellten Schwellern eher Kenner anspricht. Zum Beispiel solche, die mit 18 am liebsten ihre humanistische Bildung drangegeben und eine Lehre gestartet hätten, nur um hinters Steuer einer dieser hochmotorisierten Kompakten zu kommen. GTI, GTE oder XR3i - Hauptsache mehr als 100 PS. Wenn VW heute seinen 210-PS-GTI spaßeshalber mit dem Prädikat "Ab 21" bewirbt, schnaubt der Ford Focus RS bloß müde mit seinem großen Lader. Sobald er mit maximal 1,4 bar anbläst, zerren bis zu 305 PS und 440 Newtonmeter an den Vorderrädern - und Junggebliebene in ihren Bann.

Schmutzig brodelt der modifizierte Fünfzylinder aus dem freizügigeren Ansaug- und Abgastrakt, fordernd zischelt der Turbo, gierig zwitschert das Abblasventil - und schwer würgt die StVO das Gewissen. Ginge es nach dem Ford Focus RS, wäre das ganze Leben eine Sonderprüfung. Vom Start weg.

Mit dem Ford Focus in sechs Sekunden auf 100 km/h

Fest verpackt in die serienmäßigen Recaros (Höhenverstellung stilecht per Werkzeug als Samstagnachmittags-Aufgabe), den Blick auf den Drehzahlmesser, komplette Konzentration auf Gas- und Kupplungsfuß. Wer die Schlupfgrenze trifft, die weiche Motoraufhängung überlistet und den zweiten Gang bis zum Schluss drin lässt, lupft den Ford Focus RS in sechs Sekunden auf Tempo 100. Ohne dass der Vorwärtsdrang dann wesentlich nachließe. Nach jedem Gangwechsel der ausreichend präzisen Sechsgangbox spannt sich das Bungeeband erneut. Progressiv, bullig, nackenstretchend.

Die Regelungselektronik ist kaum gefragt

Schnelles Fahren erfordert dennoch Gewöhnung. Trotz der speziellen Vorderradführung, die Störkräfte durch einen kürzeren Hebelarm verringert, schmuggeln sich Antriebseinflüsse in die Lenkung. Unter Volllast folgt der 1.472 Kilogramm schwere Ford Focus RS Längsrillen, die Lenkung verhärtet, und die Vorderachse poltert über Unebenheiten.Wer das Gas indes gekonnt dosiert, der wird mit überraschend guter Traktion und hohen Kurvengeschwindigkeiten belohnt. Selbst auf feuchter Piste folgt der mit einem mechanischen Sperrdifferenzial (35 Prozent), breiterer Spur sowie härteren Federn und Stabilisatoren versehene Ford RS sauber der gewünschten Linie. Die Regelelektronik ist kaum gefragt, zumal die Entwickler der Versuchung widerstanden, das weitgehend neutrale Handling durch Lastwechselreaktionen zu überwürzen.

Der Ford Focus RS reagiert unkritisch

Es bleibt scharf, aber bekömmlich, das Heck lenkt wunschgemäß mit, der Ford Focus RS reagiert selbst auf extreme Manöver - etwa das Anbremsen aus hohem Tempo - unkritisch. Je flüssiger es vorwärtsgeht, desto harmonischer erscheint das Package. Bei langsamer Fahrt noch ruppig und hölzern ansprechend, arbeiten die konventionellen Dämpfer bei standesgemäßem Tempo souverän.

Gewichtseinsparung durch weißen Lack

Ebenso wie die Bremsanlage mit 336er-Scheiben vorn und 302ern hinten. Etwas mehr Präzision könnte die in der Unterstützung verstellbare elektrohydraulische Servolenkung vertragen. In Normalposition akzeptabel, erscheint sie in Komfort zu rückmeldungsarm, in Sport künstlich schwergängig. Leider nicht verstellbar ist der Wendekreis von 13,1 Metern, Folge der breiten Räder. Doch diese Kritikpunkte dürften RS-Fans genauso wenig bremsen wie die teils einfache Anmutung und der hohe Benzinverbrauch. Die deutschen Exemplare sind praktisch ausverkauft. Dennoch ein Tipp: Uniweiß statt Grünmetallic nehmen. Das spart 1.230 Euro Aufpreis sowie fünf bis sechs Kilo Gewicht.

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Jörn Thomas

Autor:

auto motor und sport, Heft 12 / 2009

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