Ford Grand C-Max 2.0 TDCi im Praxistest

Konkurrenz für VW Touran & Co?

Ford Grand C-Max

Beim großen Praxistest rücken wir dem Ford Grand C-Max aufs Blech: Jeder Knopf wird 20 Mal gedrückt, jedes Staufach zehn Mal gefüllt, jeder Sitz fünf Mal umgeklappt. Es wird sich zeigen, wie praktisch der neueste Ford-Van wirklich ist.

Irgendwann zwischen Haus bauen, Kind kriegen und Baum pflanzen kippt die Beziehung zum geliebten Coupé - zu klein, zu sportlich, zu unpraktisch. Die Familie sehnt sich nach einem luftigen Auto vom Typus quadratisch, praktisch, unzerstörbar.

Unwiderstehlich sind in solchen Jahren Pampers-Bomber mit hinteren Schiebetüren, wandelbaren Rücksitzreihen und riesigen Kofferräumen. Ford hat gleich vier dieser Schweizer Taschenmesser auf Rädern im Programm, aber nur einen mit seitlichen Schiebepforten. Daher bitten wir den Grand C-Max 2.0 TDCi zum großen Praxistest.

Ford Grand C-Max mehr Ladevolumen als Focus Turnier

Klemmbrett schnappen, Koffer packen, Heckklappe auf - bevor der Riese auch nur einen Meter auf die Teststrecke rollen darf, muss er seine Qualitäten als Packesel unter Beweis stellen. Dafür füttern wir ihn mit unserem Standard-Kofferset. Überraschung: Ford baut mittlerweile eine elektrische Heckklappenbetätigung ein. Auf Knopfdruck schwingt die große Klappe des Ford Grand C-Max 2.0 TDCi hoch, was nicht nur Kinder belustigt, sondern auch äußerst hilfreich ist.

Vorausgesetzt, der Trick funktioniert per Funkfernbedienung. Aufatmen! Ford hat mitgedacht. Widmen wir uns daher lieber der Frage: Wer schafft mehr Gepäck - Kombi oder Van? Der Van, wenn man ihn dachhoch vollstopft. Wird nur bis zum Gepäckrollo geladen, verträgt der Ford Grand C-Max 2.0 TDCi nur zwei Taschen mehr als der Focus Turnier. Wer den Ford-Van als Siebensitzer bestellt (700 Euro Aufpreis), verliert diesen Vorteil durch den höheren Ladeboden. Was beim Beladen noch auffällt, sind die vorbildlich niedrige Ladekante und das Fach unter dem billig wirkenden Kofferraumboden. Für 60 Euro füllt ein Notrad den Platz aus.

Einen Meter weiter vorn hat sich Ford etwas Besonderes einfallen lassen. Unter dem Marketingnamen "Fold Flat System" besitzt jeder fünfsitzige Grand C-Max 2.0 TDCi in der zweiten Reihe zwei vollwertige, breite Reisestühle und dazwischen eine Art Klapphocker, der sich schnell zusammenfalten lässt und noch schneller unter dem rechten Sitzpolster verschwindet. Der Vorteil: So können lange Gegenstände wie Leitern oder Ski leicht eingeladen werden, ohne die beiden vollwertigen Fondplätze zu opfern.

Mehrere Unebenheiten im Laderaum des Ford Grand C-Max 2.0 TDCi

Etwas näher zusammenrücken lassen sich die äußeren Rücksitze jedoch nicht, nur längs verschieben. Freunde durchgängig ebener Ladeböden werden enttäuscht - nach dem Umklappen der Fondreihe offenbaren sich beim Fünfsitzer mehrere Unebenheiten. Die Ford Grand C-Max-Version mit sieben Sitzen hat für diesen Zweck stabile Matten an Bord.

Bevor der Motor uns endlich aus der Tiefgarage zieht, machen wir es uns bequem. Hinten steigt man dank Schiebetüren so entspannt ein, wie man vorn sitzt - das Gestühl in Reihe eins ist einfach bequemer als das im Fond. Außerdem finden Fahrer & Co. schnell die optimale Position.

Eine Lendenwirbelstütze für den Piloten gibt es ab der mittleren der drei Ausstattungen Ambiente, Trend und Titanium serienmäßig. Hinten rutschen Mitfahrer ab 1,85 Meter Größe hin und her - aufrecht sitzend lernen sie den Fahrzeughimmel näher kennen. Kinder fühlen sich im Ford Grand C-Max 2.0 TDCi dagegen sofort wohl. Mit Klapptischen vor der Nase (Titanium) und Rollos vor den Seitenfenstern (Family-Paket) können sie sich ihr eigenes Spielzimmer bauen. Drei moderne, vollwertige Kindersitze passen zwar nicht nebeneinander - zwei und eine Sitzschale schon.

Bedienbarkeit im Cockpit ist im VW Sharan einfacher

Beim Blick auf den Armaturenträger ist das Staunen groß, denn die Knöpfe auf der Mittelkonsole sind ziemlich klein. Auch nach tagelangem Training nerven vor allem die vier Tasten, deren Funktion je nach Navigationsmenü wechselt – das geht besser! Deutlich macht das der gleichzeitig durchgeführte Bedientest in einem VW Sharan, bei dem wir Klimaanlage, Radio und Navigationssystem bedienen und die Zeiten stoppen. Ergebnis: Im Ford Grand C-Max 2.0 TDCi dauert alles etwas länger.

Jetzt wird endlich gefahren. Per Startknopf (Titanium) erwacht ein Zweiliter-Diesel. Nein, nicht der mit 140 PS. Ford bietet den Motor auch mit 115 PS an. Nein, wir verwechseln den jetzt nicht mit dem 1,6-Liter-Diesel, den es ebenfalls mit 115 PS gibt. Sie sind verwirrt? Wir auch. Zumal es unseren Testwagen nur in Kombination mit dem Doppelkupplungsgetriebe gibt. Die gleichstarke Version mit 1,6 Liter Hubraum arbeitet dagegen immer mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe zusammen und besitzt serienmäßig Start-Stopp. Verstehe einer diese Logik ...

Wenig zu verstehen gibt es bei der Leistungsentfaltung: Der Zweiliter-Diesel startet ohne Anfahrschwäche durch, dreht falls gewünscht auch mal etwas höher und schafft locker 180 km/h. Dass er zu keiner Zeit wirklich spritzig davonzieht, verlangt auch keiner. Er steckt in einem Van, nicht in einem Sportwagen. Das bestätigt auch die Nullhundert-Messung, die er nach 12,5 Sekunden beendet.

Doppelkupplungsgetriebe im Ford Grand C-Max nicht auf Zack

Die Version mit 140 PS ist auch nur zwei Sekunden schneller. Beim Getriebe ist die Anforderung eine andere. Es arbeitet mit zwei Kupplungen und steht normalerweise für besonders zackige Schaltwechsel - im Ford fühlt es sich aber eher wie ein besserer Wandler an, der den perfekten Moment des Runterschaltens manchmal verpennt.

Schwächen wie diese gibt es weder beim Fahrwerk noch bei der Lenkung. Beide sind sehr gut aufeinander abgestimmt, was die gute Laune auch auf schlechten Wegen nicht trübt und sogar schnelle Kurvenfahrten erlaubt. Wenn es Papi beim Brötchenholen übertreibt, spürt er, wie sein Ford Grand C-Max gutmütig über die Vorderachse schiebt.

Ebenso erfreulich ist, dass der Grand C-Max bei ökonomischer Fahrweise nur 6,1 Liter auf 100 Kilometer braucht. Je mehr Gepäck und Eile im Spiel sind, desto größer ist freilich der Durst. Im gesamten Test kam der Ford durchschnittlich auf 8,3 Liter. Bei 60 Liter Tankinhalt ergibt das eine Reichweite von 723 Kilometern.

Gute Bremswerte, verbesserungswürdige Assistenten

Beruhigend lesen sich auch die erzielten Bremswerte: Um aus Tempo 100 zum Stillstand zu kommen, brauchen die vier kalten Scheibenbremsen 36,7 Meter. Ein vergleichbarer VW Touran kann das nicht besser. Im Gegensatz zum Volkswagen bietet der Ford einen Toter-Winkel-Warner (600 Euro für Titanium). Das System erkennt Autos, die in den unübersichtlichen Bereichen hinter den C-Säulen fahren und warnt über LED-Lichter in den Außenspiegeln. Allerdings sind diese Lämpchen sehr klein und leuchten nur dauerhaft, anstatt zu flackern, wenn der Fahrer trotzdem blinkt und zum Überholen ansetzt.

Wünschenswert wäre außerdem ein Notbremsassistent, der drohende Auffahrunfälle erkennt und im schlimmsten Fall die Bremsen selbstständig aktiviert (City-Safety). Ford setzt solch ein System bereits beim Focus ein, der sich die Plattform mit dem Grand C-Max 2.0 TDCi teilt.

Aufteilen sollte Ford jedoch seine Ausstattungspakete - es gibt kaum ein sinnvolles Zubehör einzeln zu kaufen. Das mag zwar betriebswirtschaftlich verlockend sein, verprellt aber Kunden. Wer will zu hinteren Parkpiepsern schon gern einen Tempomat kaufen?

Punkten kann der Ford Grand C-Max 2.0 TDCi gegenüber einem vergleichbar bestückten VW Touran hingegen mit seinem Preisvorteil, der gut 2.300 Euro beträgt. Dafür gibt es rund 5.000 Windeln.

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Dani Heyne

Autor:

auto motor und sport, Heft 15 / 2011

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