Wenn es eine Marktnische gibt, die für Ford maßgeschneidert ist, dann die Nische der preiswerten Coupés. Schließlich erfand dieses Unternehmen einst den Ford Capri. Als Trendsetter, Longseller (1969 bis 1987) und Meister seines Fachs schrieb das Volkscoupé Automobilgeschichte. Danach war aber Schluß mit lustig. Ford konzentrierte sich auf freudlose Hausmannskost. Der Versuch, den darbenden Capri-Fans ersatzweise die aus den USA eingeschifften Ford Probe unterzujubeln, stieß auf wenig Gegenliebe. Dem neuen Ford Puma darf man da bessere Chancen einräumen. Schon aus Preisgründen: Der schnittige Flitzer kostet 31 490 Mark, womit er an die Erfolgsstrategie des Capri anknüpft – ein sportliches Coupé zum Preis einer Mittelklasselimousine. Daswar’s dann aber auch.
Ansonsten gleichen sich Capri und Puma wie Hund und Katze. Der eine wurde als eigenständiges Modell geboren, der andere als Kleinwagen im Sonntagsstaat. Unter dem Puma verbirgt sich der Fiesta. Radstand und die entscheidenden Fixpunkte der Rohkarosserie gehören ebenso zur Erbmasse wie das Fahrwerk. Das drückt natürlich die Kosten, verstärkt aber auch den Zwang zu Kompromissen. Die Leidtragenden sind vor allem die Stilisten. Sie müssen aus Hauskatzen Tigras oder Pumas zaubern, harmlose Kleinwagen in wilde Kreaturen verwandeln (Puma-Werbung: „Können Sie ihn zähmen?“) und den Eintritt in die große weite Welt der Sportwagen suggerieren. Kein Wunder, daß sich die Resultate derartiger Verkleidungskünste häufig am Rand der Lächerlichkeit bewegen. Was den Ford betrifft, so hätte es schlimmer kommen können. Von vorn betrachtet wirkt der Puma hinreichend angriffslustig, was er in erster Linie seinen markanten Schein- werfern mit je drei Leuchtkörpern (Blinker, Fernlicht, Abblendlicht) verdankt. Für eine Raubkatze trägt er allerdings etwas viel Speck um die Hüften, und auch das pummelige Hinterteil ist nicht gerade artgemäß.
Reichlich Luft in den hinteren Radhäusern läßt dagegen das Gangwerk etwas kümmerlich erscheinen, was aber nichts daran ändert, daß der Puma doch erheblich erwachsener aussieht als sein wichtigster Konkurrent, der Opel Tigra. Im Innenraum vermag er seine Abstammung dann nicht mehr zu verheimlichen. Das Armaturenbrett stammt unübersehbar vom Fiesta. Weiß unterlegte Instrumente und hübsche Aluminiumblenden sorgen aber für einen Hauch von Exclusivität. Klar, daß es im Coupé beengt zugeht. Die hinteren Plätze taugen aber noch gut als Kinder- oder Notsitze. Vordersitze, die beim Umklappen der Lehnen nach vorn rutschen, erleichtern den Einstieg. Als Reise-Coupé für zwei ist das nur 3,98 Meter lange Sportauto indessen ohne weiteres zu gebrauchen. Die Rücksitzlehne läßt sich dann nach vorn klappen, was den Laderaum von 240 Liter auf 725 Liter vergrößert, sofern man ihn bis unter das Dach ausnutzt.






