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Ford Scorpio 2.0i 16V im Test

Besinnung auf amerikanische Tugenden

Der neue Ford Scorpio 2.0i 16V besinnt sich auf die uramerikanische Autotugenden. Die Verpackung muss stimmen, dann wird auch der Inhalt gekauft.

02.04.1995 1 Kommentar

Das Facelifting über der verfeinerten Technik fiel denn auch deutlich aus, vor allem am Bug.

Aufregende Nasen und wilde Augen sind nicht neu in der Firmengeschichte. Der Kenner erinnert sich noch mit wohligem Schaudern an das aufdringliche Gesicht des barocken amerikanischen Straßenkreuzers Edsel aus den Fünfzigern, benannt nach einem Sohn Henry Fords dem Ersten. Edsel war ein Reinfall, der deutsche Taunus der siebziger Jahre mit seinem ebenfalls gewöhnungsbedürftig geformten Grill. Im Fachjargon als Knudsen-Nase in Anlehnung an den einstigen Boss Semon Emil Knudsen bekannt, kam er auf die erwarteten Stückzahlen und erfüllte die Erwartungen. Nun hat es nasenmäßig den Ford Scorpio 2.0i 16V erwischt. Er erfüllte die Erwartungen schon lange nicht mehr, und so tat die stilistische Auffrischung nach stattlichen zehn Jahren Bauzeit mehr als not.

"Einer wie keiner", verspricht man in der Werbung, und dem kann man nur beipflichten. Alle drehen sich um nach der neuen Nase des Ford Scorpio 2.0i 16V. Ob es aus Entzücken, Erstaunen oder Erschrecken geschieht, läßt sich nicht immer zuverlässig unterscheiden. Wie es scheint, spaltet das Scorpio-Design die Automobilisten in zwei Lager. Es zauberte aus der alten Stufenheckkarosse mit dosierten, aber gezielten formalen optischen Modifikationen ein total verändertes Erscheinungsbild. Entweder es gefällt, oder es wird abgelehnt – dazwischen ist nicht viel.

Zur neuen Nase mit dem Chromgrill und den etwas ratlos schauenden Scheinwerfer-Augen gesellen die mutigen Stylisten eine amerikanisierte Heckpartie. Sie wirkt mit ihrer gekonnten Rundlichkeit und dem integrierten Leuchtenband weniger bewegend als die Front, aber sie sichert zusammen mit dem neuen Bug doch jene totale optische Auffrischung, um die es dem Hersteller ging. Eine ganz neue Karosse hat der neue Scorpio nicht, auch wenn er in der Länge von 4,74 Meter auf nunmehr 4,82 Meter wuchs. Ob Länge läuft, muß sich noch zeigen – auf alle Fälle ist der neue Ford Scorpio 2.0i 16V gerade auch von seinen Abmessungen her ein Auto, das die klassischen Werte vertritt. Größe gehört dazu, auch wenn sie im Verkehr heute meist mehr Probleme als Vergnügen bereitet. Immerhin sorgt sie hier für stattliche Proportionen und einen nicht minder stattlichen Innenraum.

Wie schon sein altbackener Vorgänger läßt sich auch der aktuelle Ford Scorpio 2.0i 16V vor allem im Fond von keinem Konkurrenten etwas vormachen. Man kann mit übereinandergeschlagenen Beinen sitzen, genießt ein Höchstmaß an Kopf und Ellenbogenfreiheit, weiß hinter sich einen Kofferraum mit stolzen 465 Liter Volumen und hat das gar nicht so häufige Vergnügen, auf erstklassigem Mobiliar zu reisen.

Die neu entwickelten Sitze verschaffen auch vorne großes Wohlbefinden, geben guten Seitenhalt und zeichnen sich schon in der Basisversion durch einen angenehmen Bezug aus. Man sitzt also bequem, und was das Auge erblickt, ist auch nicht schlecht. Green Wood nennen die Amerikaner jene täuschend echt wirkende Wurzelholzimitation, die Teile des Armaturenbretts und der Türverkleidung umschließt. Ein Hauch von großer Autowelt hält da zusammen mit den wohlgeformten Armaturen Einzug ins Scorpio-Interieur, zumal alles einen soliden Eindruck macht.

Dennoch, der Ford Scorpio 2.0i 16V ist mit einem Einstandspreis von rund 19.000 EUR kein Luxusauto, sondern solide Hausmannskost, routiniert verarbeitet, ansehnlich im Ambiente und, wie die Begegnung schon nach kurzer Zeit lehrt, von hoher Funktionalität. Schalter und Hebel liegen gut im Griff und zeigen beim Einsatz jene Knackigkeit, die man ganz gern im Finger verspürt. Ein ehrlicher Reisewagen ist also hier entstanden, wie gehabt in der sogenannten Standardbauweise, also mit angetriebenen Hinterrädern. Eine Antriebsschlupfregelung ist für die 136 PS-Version gegen Aufpreis erhältlich, aber der Testwagen zeigte, daß die Bodenhaftung nur bei sehr forcierter Fahrweise in engen Kurven zu wünschen übrig läßt. Die Hinterachse ist eine Schräglenkerkonstruktion. Sie wurde überarbeitet und die Vorderachse, eine Federbeinkonstruktion, wurde komplett neu entwickelt.

Zusammem mit der bei allen Modellen serienmäßigen Servolenkung, die im Fall des 2,9 Liter-Spitzenmodells als Servotronic-Aggregat ausgelegt ist, sollte so ein guter Kompromiß zwischen gutem Federungskomfort und sicheren Fahreigenschaften erreicht werden. Letztere besitzt der Ford Scorpio 2.0i 16V tatsächlich. Er untersteuert auch in sehr schnell gefahrenen Kurven nur mäßig, zeigt praktisch keine Lastwechselreaktionen, erweist sich aber in der Handlichkeit nur als durchschnittlich.

Der Grund ist nicht allein in dem beträchtlichen Wagenformat zu sehen, sondern mehr noch in der vergleichsweise schwergängigen, um die Mittellage teigig und unpräzise ansprechenden Servolenkung. Sie schmälert das Fahrvergnügen, das im übrigen auch im Komfortbereich nicht in allen Kriterien Bestnoten verdient. Auf kurze Unebenheiten spricht die Federung steif an, Querrillen mag sie nicht, lange Wellen werden dagegen mit Anstand geschluckt. Insgesamt ist der Komfort im Ford Scorpio 2.0i 16V befriedigend – nicht zuletzt auch durch die Tatsache, daß die Windgeräusche auch bei sehr hohem Tempo moderat bleiben. Der Vierventiler-Vierzylinder, zwei Liter groß und 136 PS stark, ist akustisch nicht von solcher Zurückhaltung geprägt und insofern ein sehr typisches Beispiel der Mehrventiltechnik.

Das mit einem variablen Ansaugsystem versehene Zweinockenwellen- Aggregat schlägt jenseits von 4000 Touren unter voller Last recht kernige Töne an und läßt, ähnlich wie alte Sportmotoren, eine Art zweiten Wind erkennen. Das Naturell der Ford-Maschine wird klar, wenn man weiß, daß die Nennleistung erst bei 6300 Touren erreicht wird. Mit einer Beschleunigungszeit von null auf 100 km/h in nur 11,2 Sekunden gibt sich der Kölner Kernige erstaunlich lebendig. Die Elastizitätswerte (80 auf 100 km/h im fünften Gang in 18,6 s) sind durchschnittlich; der Vierzylinder braucht Drehzahlen, um sein Temperament zu entfachen. Ein Komforttriebwerk ist der drehfreudige Vierzylinder also nicht, und obwohl er seine Sache in dem rund l,4 Tonnen schweren neuen Ford-Flaggschiff gut macht, entsteht doch Appetit auf Sechszylinderkomfort.

Das alte 2,4 Liter-Aggregat gibt es nicht mehr, der einzige Sechszylinder im aktuellen Angebot bleibt der 2,9 Liter- V6, der ebenfalls mit Vierventiltechnik angeboten wird und so doch eine recht große Lücke vor allem im Hubraum zwischen den beiden Otto-Vierzylindern hinterläßt. Er wird mehr verbrauchen als der 136 PS-Motor, der sich im Test 11,5 Liter/100 km genehmigte – in Relation zu Fahrleistungen und Gewicht ein angemessener Wert. Angemessen wie das ganze Auto. Der Ford Scorpio 2.0i 16V ist besser geworden, und für seinen Erfolg wird das mitentscheiden. Doch auch die neue Nase entscheidet. Wehe, sie gefällt nicht.

Technische Daten
Ford Scorpio 2.0i 16V
Grundpreis21.295 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4825 x 1760 x 1402 mm
KofferraumvolumenVDA465 bis 833 L
Hubraum / Motor1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung100 kW / 136 PS (175 Nm)
Höchstgeschwindigkeit207 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,1 s
Testverbrauch11,5 L/100 km
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    Holzreifen von Pirelli, dazu niedrige Temperaturen, da seh ich schwarz für Ferrari. Bei einem normalen Rennverlauf wird es den üblichen Mercedes Doppelsieg geben und Ferrari auf 3 und 4 landen. Viel mehr kann Marchionne nicht verlangen. Vielleicht erwischt man einen besseren Start und man kommt gleich vorbei, dann könnte es spannend werden. Liegen beide Mercedes-Fahrer nach der ersten Runde auf Platz 1 und 2 ist das Rennen gelaufen.

    MaikT 11. Mai 2016, 14:30 Uhr
    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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