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Hummer H2 im Test

Hammer hart und mächtig durstig

Foto: Hans-Dieter Seufert

Der Hummer H2 ist der beste Freund der Mineralöl-Industrie. Selbst der großzügig dimensionierte 120-Liter-Tank verhindert nicht, dass er alle 500 Kilometer an der Zapfsäule auftaucht. Was er noch kann, außer Durst zu haben, klärt der Einzeltest.

19.03.2004

Sammeln Sie auch? Die Bonuspunkte, die an Tankstellen verteilt und wie früher Rabattmarken in ein Heftchen geklebt werden? Und mit denen man sich dann beispielsweise einen putzigen Teddy abholen kann? Ja? Vielleicht sollten Sie einmal über den Hummer H2 nachdenken. Denn der sorgt in kürzester Zeit für eine Bärensammlung, die Ihren gesamten Freundeskreis vor Neid gelb einfärben dürfte. Der H2, Produkt des General Motors-Konzerns und seines Zeichens amerikanischer Macho-Truck, ist nämlich der beste Freund der Mineralöl-Industrie.

Selbst sein grosszügig dimensionierter 120-Liter-Tank verhindert nicht, dass er spätestens alle 500 Kilometer als gern gesehener Gast an der Zapfsäule auftaucht. Die Rechnung, die der Kassencomputer ausspuckt, fällt nicht selten so deftig aus, dass ein Telefonat zur Verifizierung der Kreditkarte nötig wird. Da hilft auch kein Gasfuß, der so leicht ist wie eine Daunenfeder. Selbst wenn der Hummer auf der Autobahn mit der empfohlenen Richtgeschwindigkeit – nur zur Erinnerung: 130 km/h – dahintrödelt, zeigt der gnadenlose Bordrechner Werte oberhalb der 20-Liter- Marke an.

Wer sich jemals Gedanken gemacht hat über die Endlichkeit der fossilen Brennstoffreserven, braucht gar nicht weiterzulesen. Dass der H2 nicht noch mehr schluckt, liegt am Tempobegrenzer: Bei 160 km/h ist, weich abgeregelt, Schluss. Mit Rücksicht auf die ballonartigen Allround-Reifen der amerikanischen Michelin-Tochter BF Goodrich, welche die bemerkenswerte Dimension 315/70 R 17 aufweisen. In Form des Hummer sind gut drei Tonnen unterwegs, über deren Luftwiderstandswerte am besten der Mantel der Nächstenliebe gebreitet wird.

Für die kraftvolle Bewegung dieses Dinosauriers sorgt ein sechs Liter großer Achtzylinder-Motor. Das macht Durst. Bei den Amerikanern, die sich immer noch eines Benzinpreises erfreuen, der nur die Häfte des im alten Europa Üblichen beträgt, ist die Botschaft noch nicht angekommen. In den Staaten verkauft sich der H2 wie geschnitten Brot. Erstens, weil er gut aussieht. Ein Auto gewordener Beweis dafür, wie einfach Design sein kann. Der Hummer steht da, als sei er von einer Abkantmaschine geformt worden. Eckig, brutal, gewaltig. Kein Wunder, dass Gouverneur Schwarzenegger zu seinen Fans gehört. Zweitens, weil er alles kann – wenn man von seiner in den USA ohnehin nebensächlichen High-Speed-Schwäche einmal absieht. Er befördert bis zu sechs Personen, wobei es natürlich nicht alle gleich bequem haben. Das herausklappbare Gestühl im Kofferraum stellt nicht mehr als einen Notbehelf dar.

Ansonsten: guter Komfort für die lange Reise. Die Sitze sind bequem, die Kimaautomatik arbeitet mit der von amerikanischen Anlagen bekannten Perfektion, das Geräuschniveau ist niedrig, die Atmosphäre im Innenraum intim. Denn wie sein militärisches Vorbild, der Hummer H1, besitzt der H2 keine Fenster, sondern Sehschlitze. Anhänger schleppen kann er auch, bis hin zur schwersten Sorte, die in Deutschland mit 3,5 Tonnen definiert wird. Und er zeigt sich als Meister des Offroad- Terrains. Riesige Räder, Sperren sowohl für das zentrale wie das Hinterachs-Differenzial, ein elektrisch zuschaltbares Reduktionsgetriebe mit extrem kurzer Übersetzung, dazu noch eine elektronische Traktionskontrolle – der Hummer bietet an handfester Allradtechnik so ziemlich alles auf, was gut und nützlich ist.

Wer damit nicht mehr weiter kommt, sollte die Schuld bei sich selbst suchen. Angesichts neuzeitlicher SUV, die nicht mehr als eben vier angetriebene Räder vorzuweisen haben, mag man sich fragen, wer das alles braucht. Schließlich teilt der Hummer das Schicksal der meisten Geländewagen: Er fährt auf sorgfältig geglättetem Asphalt. Es ist wie bei vielen Luxus- Gegenständen: Man könnte, wenn man wollte. Die Martin- Logan-Musikanlage voll aufdrehen, auf dem Breitling- Chronographen die Flugzeit berechnen, mit einem Ferrari Enzo 350 km/h fahren. Das theoretische Potenzial macht den Reiz aus. Sonst könnten Audi, BMW, Mercedes und Porsche in den Vereinigten Staaten auch Autos mit Reifen anbieten, die gerade mal 160 km/h zulassen. Zum Habhaften.

Der Hummer ist ein luxuriöser Cruiser, der ungeachtet seines vom Chevrolet Tahoe abgeleiteten Truck-Fahrgestells einen veritablen Federungskomfort bietet. Er lenkt sich leicht und wirkt auf kurvenreichen Landstraßen dank der direkten Lenkübersetzung sogar überraschend behände.

Zumindest angesichts seiner ausufernden Abmessungen und seines extremen Gewichts. Die Fahrdynamik-Tests von auto motor und sport absolviert er gelassen – schwankend wie eine Palme im Hurrikan, mit gequält schreienden Reifen, aber ohne tückische Reaktionen. In extremen Situationen bremst er sich gutmütig von selbst ab. ESP könnte noch eins draufsetzen, ist aber, wie bei vielen USAutomobilen, auch gegen Aufpreis nicht zu haben. Die Amerikaner haben die Fahrdynamik-Regelung noch nicht thematisiert – ebensowenig wie die Bremsen. Speziell bei Trucks sind die Anforderungen höchst bescheiden. Spürbare Verzögerung bei den üblichen Highway-Tempi genügt. Wie beim Hummer. Wer von einer Bremsanlage mehr erwartet, ist mit jedem europäischen Kleinwagen besser bedient. Mit steigender Bremsentemperatur schmilzt die Verzögerung beim H2 dahin wie die Butter auf seinem Namensvetter aus dem Reich der Meerestiere.

That’s America. Genau wie der mächtige Achtzylinder-Motor mit seinem gusseisernen Block. Mit sechs Liter Volumen stellt er die vorläufig letzte Hubraum-Evolutionsstufe des einst von Chevrolet entwickelten GM-Small-Block-Achtzylinders dar. Daraus entstehen 330 PS, etwas weniger als beim prinzipiell baugleichen V8 des Cadillac Escalade, was aber in erster Linie Marketinggründe haben dürfte. Schließlich soll die Luxusmarke von General Motors weiter mit dem stärksten SUVMotor amerikanischer Bauart werben dürfen. Trotz reichlich eingeschenkten Hubraums hat der Achtzylinder mit dem Hummer kein leichtes Spiel. Er sorgt für eine ordentliche Anfahrbeschleunigung und kräftigen Antritt bei Überholmanövern auf Landstraßen. Wirklich souverän aber wirkt das Triebwerk nicht. Unter Volllast lässt es angestrengtes Heulen hören, das seinen Kampf mit den Fahrwiderständen deutlich macht. Ein Turbodiesel wäre für ein solches Riesenauto das Richtige. GM hat sogar einen im Programm: den Duramax-V8 mit 6,6 Liter Hubraum. In Europa, wo sich das Autohaus Werkmeister in Bitburg um Kunden bemüht, könnte der die Attraktivität des H2 erheblich steigern. Was die Amerikaner aber offensichtlich nicht im Geringsten interessiert. Diesel sind einfach nicht cool. Und wo, zum Teufel, liegt eigentlich Europa?

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • solide, verwindungssteife Konstruktion gutes Platzangebot reichhaltige Ausstattung
  • kleiner Kofferraum schlechte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • gute Klimatisierung angenehme Federung übersichtliche Bedienung
Antrieb
  • drehmomentstarker Motor gut abgestimmte Automatik
  • geringe Höchstgeschwindigkeit sehr hoher Verbrauch
Fahreigenschaften
  • guter Geradeauslauf gutmütiges Kurvenverhalten sehr gute Gelände-Eigenschaften direkte Lenkung
  • sehr großer Wendekreis
Sicherheit
  • befriedigende Sicherheitsausstattung
  • unzureichende Bremsen
Umwelt
  • keine Euro 4-Einstufung sehr hoher CO2-Ausstoß
Kosten
  • hohe Unterhaltskosten hoher Preis

Fazit

Noch amerikanischer geht’s nicht. Überdimensioniert, mit rustikaler Technik, für schweren Gelände-Einsatz. Immenser Verbrauch und dürftige Bremsen zeigen die Grenzen des Konzepts. Aber dafür liefert der Hummer die perfekte Show.

Technische Daten
Hummer H2
Grundpreis69.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4850 x 2050 x 2050 mm
KofferraumvolumenVDA1222 bis 2660 L
Hubraum / Motor5967 cm³ / 8-Zylinder
Leistung243 kW / 330 PS (490 Nm)
Höchstgeschwindigkeit160 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,9 s
Verbrauch18,1 L/100 km
Testverbrauch25,6 L/100 km
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