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Iveco Massif 3.0 HPT im Einzeltest

Kurz und kernig - Iveco Massif 3.0 HPT Dreitürer

23 Bilder

Der lange Fünftürer hat nun einen kurzen Bruder: Iveco Deutschland liefert jetzt zusätzlich den Dreitürer-Station aus, ein direkter Konkurrent für den Land Rover Defender 90. Im 4Wheel Fun-Test trat der Massif mit dem starken 176-PS-Diesel an.

28.08.2009 Powered by

Der Name ist Programm: Was der Nutzfahrzeug-Spezialist Iveco da auf die Räder stellt, wirkt tatsächlich ziemlich massiv, kantig, urwüchsig. Die Ähnlichkeit zum Land Rover Defender   kommt dabei nicht von ungefähr, der Massif ist Nachfolgemodell eines früheren Lizenzbaus der Serie-Landrover. Und hat sich bis heute reichlich Charme der Geländewagenfrühzeit bewahrt: Nach wie vor hängen seine Starrachsen an Blattfedern, ist der Allradantrieb starr zuschaltbar statt permanent. Als entschiedener Kontrast dazu gehört der Motor zum modernsten, was die Italiener zu bieten haben. Der Dreiliter-Vierzylinder aus dem Iveco Daily leistet in der HPT-Ausführung 176 PS und braucht lediglich alle 40.000 Kilometer einen Service-Termin.

Bunter Ausstattungsmix im Iveco Massif Avventura

Ebenso bunt gemischt ist die Ausstattung, wenn wie beim Testwagen die Topversion Avventura für 36.270 Euro gewählt wird. Lederbezogene Einzelsitze und hochwertiger Teppichboden bilden einen ungewöhnlichen Kontrast zu der ausgiebigen Verwendung von Hartplastik und preiswert anmutendem Gummi. Ehrlicher ist da die Grundversion Classico für 27.190 Euro, zumal ein wichtiges Detail auch dort serienmäßig ist: die zuschaltbare Differentialsperre für die Hinterachse.

Eigentlich müsste so mancher Defender-Enthusiast auf dieses Auto gewartet haben. Schließlich wurden in der Vergangenheit nicht wenige Defender 90 von engagierten Bastlern mit Hilfe eines Range Rover Classic-Fahrgestells auf den Radstand von 100 Zoll gestreckt. Ziemlich exakt diese Länge - 2.452 Millimeter - trennt die beiden Achsen beim neuen Massif Dreitürer. Das beschert dem spanischen Italiener (der Massif wird bei Santana in Linares gefertigt) das entscheidende Quentchen mehr an Platz. 4.248 Millimeter Außenlänge und damit 35 Zentimeter mehr als beim Land Rover Defender 90. Der spürbare Größenunterschied zum englischen Original wartet aber vor allem auf dem Pilotensitz. Dieser ist langstreckentauglich geformt und weit genug von der Tür entfernt, um sich nicht ständig den Ellbogen anzuschlagen.

Iveco Massif Dreitürer: Einzelsitze schränken Platzangebot ein

Trotz der vier Sitzplätze kann man den Dreitürer nicht als Familienauto empfehlen. Der Zustieg in die zweite Reihe muss gebückt durch die Hecktür erfolgen (eine klappbare Trittstufe ist serienmäßig), wer Kleinkinder dort unterbringen möchte, sollte geduldig und gelenkig sein. Zudem schränken die voluminösen Einzelsitze den Laderaum heftig ein. 55 Zentimeter bleiben hinter den Lehnen, wenn sie aufgeklappt sind, wirklich platzsparend zusammenfalten lassen sie sich auch nicht. Erwachsene wiederum bekommen hinten wenig mit vom Leben - sie sitzen zu hoch, um aus den Fenstern schauen zu können. Probleme mit der Aussicht hat allerdings gelegentlich auch der Fahrer: die breite B-Säule liegt beim Abbiegen voll im Blickfeld. Schraubt man die hinteren Stühle heraus und stellt sie für gelegentliche Einsätze in die Garage, wächst der Laderaum jedenfalls auf für einen Dreitürer beachtliche 141 Zentimeter Länge. In dieser Konfiguration macht der kurze Station dann auch mehr Sinn für den gewerblichen Einsatz oder für Abenteuertouren zu zweit.

Die Blattfedern im Iveco Massif arbeiten verhältnismäßig komfortabel


Wer das Fahrverhalten früher Blattfeder-Landys kennt, wird dem Iveco Massif zunächst skeptisch gegenüber stehen. Damit tut man ihm teilweise unrecht. Denn die Abstimmung der getrenntlagigen Parabelfedern ist vergleichsweise komfortabel geraten. Auf normalen Straßen fährt sich das direkt sanft, nur bei kurz aufeinanderfolgenden Unebenheiten geraten die Federpakete dann doch an ihre Grenzen und lassen den Iveco leichte Bocksprünge vollführen. Vor Pistenfahrten muss man sich nicht fürchten: ab einem bestimmten Tempo nimmt der Massif Bodenwellen und Schlaglöcher volley, das klappt erstaunlich gut. Dass die Achsführung über die Blattfedern Einflüsse auf die Quer- und Lenkstabilität hat, sollte allerdings klar sein, der Massif ist kein Rennwagen für die Straßenhatz. Extrembremsungen aus hohem Tempo sind nach wie vor ein bisschen heikel, obwohl inzwischen ein aufpreispflichtiges ABS (1.595 Euro, Serie beim Topmodell Avventura) Unterstützung bietet - das kann die Neigung zum Haken schlagen bei solchen Aktionen allerdings auch nicht unterbinden.

Im Iveco Massif geht es auch schnell, ist aber keine Freude

Wer schnell fährt, wird außerdem mit reichlich Lärm belohnt. Verträgliche 76 dB sind es bei Tempo 100, kernige 80 bereits bei 130, und der 176-PS-Motor kann noch deutlich schneller und lauter. Dem hektischen Betrieb steht schließlich das etwas unsensibel geführte Sechsganggetriebe entgegen, das keine hektischen Schaltmanöver mag. Mit ruhiger Hand laufen die Gangwechsel dagegen hakelfrei, all zu oft schalten muss man ohnehin nicht. Schließlich bietet der Lkw-Diesel im Maschinenabteil die Garantie darauf, aus niedrigen Drehzahlen unbekümmert abzumarschieren. Der stramme Durchzug (im fünften Gang 11,5 Sekunden von 80-120) erzählt dann auch mehr vom wahren Charakter des Triebwerks als der durch Getriebe und Übersetzung leicht verhagelte Wert von 14,9 Sekunden für den Spurt von Null auf 100. Den Verbrauch kann man für den Alltagsbetrieb im Bereich zwischen zehn und 13 Liter ansiedeln, 10,9 waren es im Testmittel.

Wer sich einen Massif kauft, möchte oder muss ins Gelände. Dafür ist der Iveco gebaut, ganz besonders mit dem kurzen Radstand, der einen entsprechend besseren Rampenwinkel als das lange Modell verspricht. Die beim Testwagen montierten Trittbretter sollte man allerdings tunlichst daheim lassen, sie setzten im Geländetest mehrfach an Kuppen auf. Zwei Varianten gibt es für die Offroadfahrt im Massif: Behutsames Kraxeln oder volle Fahrt voraus. Der sehr kurz übersetzte erste Gang ist perfekt zum langsamen klettern durch verworfenes Gelände. Um für lange Steilhänge oder tiefen Boden Tempo aufzubauen taugt er allerdings nicht, für solche Übungen muss mit Schwung gefahren werden - den der robuste Unterbau klaglos verkraftet. Die beim Testwagen montierten Differentialschutzbleche limitieren die Bodenfreiheit (gemessen an der Hinterachse) auf 215 Millimeter. Wahre Heldentaten sind dagegen mit den kurzen Überhängen möglich: 42 Grad Böschungswinkel hinten, 52 Grad vorne - so schnell eckt man da nicht an. Das Blattfederfahrwerk verschränkt erstaunlich gut, 200 Millimeter sind ein passabler Wert für diese Bauform.

Zauberknopf auf der Mittelkonsole

Falls das nicht reicht, gibt es noch einen Zauberknopf auf der Mittelkonsole. Stylish verdeckt unter einer Metallklappe lässt sich mit dem Schalter die Hinterachssperre aktivieren und weiter geht's. Dass die zugeschaltete Sperre ein penetrantes Warnpiepen auslöst, ist dann allerdings nicht wirklich angenehm. Vorsichtig sollte man jedoch beim Befahren von felsigem Gelände sein. Hinten ragen die Fettkappen, vorne die Freilaufnaben ungewöhnlich weit aus der Achsmitte heraus, ein zu heftig touchierter Stein kann da durchaus Schaden anrichten. Der vordere, bruchgefährdete Plastikstoßfänger wirkt ein bisschen deplatziert an diesem Auto, das für schwerstes Gelände wie gemacht ist.

Fazit

Als kurzer Dreitürer ist der Iveco Massif das perfekte Auto für Menschen, die oft und ausgiebig im Gelände unterwegs sind, ob beruflich oder hobbymäßig. Dort ist er daheim, das steckt er auch bei dauerhaft heftiger Belastung klaglos weg. Auf der Straße ist der Massif durchaus brauchbar, solange man ihn nicht mit einem SUV verwechselt und ihn wie ein Nutzfahrzeug behandelt - obwohl er mit dem kräftigen HPT-Motor richtig flott unterwegs sein kann. Langstreckentauglich ist er auf jeden Fall, vor allem aber ein echter Geländekönner. Deshalb ist klar: Wir sehen uns wieder im 4Wheel Fun Supertest!


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