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Test Jaguar F-Type 400 Sport

So fährt der Jag mit V6-Kompressor und 400 PS

Jaguar F-Type 400 Sport, Exterieur Foto: Rossen Gargolov 14 Bilder

Glatte 400 PS hat Jaguar dem neuesten F-Type spendiert,20 PS mehr als vorher. Längsdynamisch bringt das nicht viel. Hat man auch an die anderen Qualitäten gedacht? Wir testen es.

28.08.2017 Roman Domes 1 Kommentar Powered by

Wir sind doch alle schon einmal verdorben worden. Und nein, damit meine ich nicht von schlüpfrigen Filmchen, die nachts auf diversen Sportkanälen laufen. Sondern: verdorben von einem Auto – meistens, weil es so gut war. Bei mir war so ein Kandidat der Jaguar F-Type R AWD. Er übermannte einen mit seinem betörend brutalen V8-Hämmern, seinem brachialen Durchzug und seinem bezirzenden Äußeren.

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Jaguar F-Type 400 Sport, Exterieur
Jaguar F-Type 400 Sport Erster Test des neuen F-Type-Sportmodells
Sport Auto 08/2017
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F-Type R AWD Coupé im Dauertest60.000 Kilometer mit 550 PS

Klar, es gibt schnellere Autos: So ein Porsche 911 Turbo S zerlegt den Jag nach allen Regeln der Dynamik. Im Gedächtnis bleibt aber der F-Type – trotz seiner offenkundigen Mängel: Zum Beispiel wäre da diese dezente Grundbehäbigkeit, die zutage tritt, wenn die Straße nicht mehr nur geradeaus führt, sondern sich nach links und rechts windet. Auf der Rennstrecke hatte man bislang oft das Gefühl, den 1,9-Tonner in die Kurve hieven zu müssen. Bei motivierter Fahrweise rutschte man recht früh ins Untersteuern, bevor das Heck dann recht zickig die Contenance verlor und ausscherte. Das hätte in Schulnoten gerade noch so zu einer Zwo minus gereicht – im Fach Sport wohlgemerkt.

Mehr Leisung, gleiches Drehmoment

Jaguar nennt sein neuestes Sondermodell, das im Zuge der Modellpflege erscheint, bewusst so: Sport. Womöglich wird jetzt alles besser. Glatt 400 PS leistet der Kompressor-Sechszylinder und toppt damit den V6 S um 20 PS, von denen allzu viel zunächst nicht zu spüren ist. Wie auch, wenn das Drehmoment bei 460 Nm verbleibt? Und auch mit dem Messen war das so eine Sache, aber dazu später mehr.

Jaguar F-Type 400 Sport, Exterieur Foto: Rossen Gargolov
Hier und da pappt ein Aufkleber in Grellgelb, der den Nichtsahnenden das Sondermodell vorstellt.

Die Neuerungen sind eher sicht- als spürbar. Zum Beispiel die neuen LED-Scheinwerfer oder die Farbe, über deren Namen sie in England wohl sehr lange nachgedacht haben: Yulong White heißt der Lack, nach einem Fluss in China. Frisch auf der Ausstattungsliste stehen auch die mattschwarzen Räder, die in ihrer Dimension, 20 Zoll, allerdings nicht größer sind als die bekannten Optionsräder des bisherigen Modells. Plus: Mit Pirelli P-Zeros tragen sie das gleiche Schuhwerk wie der letzte von uns vergleichsgetestete V6 F-Type.

Hier und da pappt ein Aufkleber in Grellgelb, der den Nichtsahnenden das Sondermodell vorstellt. Besonders schnittig sieht das Logo auf dem großen Frontsplitter aus. Gleiches gilt für den Innenraum, der schon ins Auge sticht, während man sich tief in die neuen weichen Sitze plumpsen lässt: wunderbar gearbeitete Kontrastnähte, ein fragwürdiges, weil unten abgeflachtes Sportlenkrad. Kleinigkeiten, die eher auffallen als das endlich überarbeitete Infotainment, das jetzt schneller auf Touch-Befehle reagiert und souveräner navigiert.

Hingekünstelter Klang des F-Type 400 Sport

Trotz aller Verbesserungen sind allerdings auch ein paar der alten Nicklichkeiten geblieben: Der Touchscreen sitzt recht weit im Gehäuse, das ein oder andere Plastikteil – etwa der Fahrmodus-Schalter – hängt etwas arg lasch in seiner Verankerung, und auch am Sound scheiden sich nach wie vor die Geister. Beim Kaltstart brüllt der V6 zunächst das gesamte Stadtviertel zusammen, bevor er sich allmählich in einen ruhigen Leerlauf setzt. Sein Problem ist der Übergang von leise nach laut. Bei nicht aktivierter Auspuffklappe klingt der Jaguar im niedrigen Geschwindigkeitsbereich etwas dünn, säuselt, flüstert.

Übersteigen Drehzahl und Lastvorgabe aber einen gewissen Punk, reißt er völlig unvermittelt die Klappen auf, und das Hintergrundgesäusel verwandelt sich zu lautem Getöse. Problem an der Sache, wie ich finde: Der Klang wirkt zu keinem Zeitpunkt natürlich, sondern immer hingekünstelt. Außerdem fehlt mir persönlich eine musikalische Zwischenstufe, mit der du nicht ganz so mucksmäuschenstill beziehungsweise nicht ganz so brünftig trötend unterwegs sein kannst.

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Beim Fahren durch die City fühlt sich der F-Type immer noch ziemlich wuchtig an, was primär an der Sitzposition liegt, die eher wenig Sichtfläche freigibt. Das tiefe Gehocke hat aber einen Vorteil: Nur so spürt man die Straße unter sich, den Belag, kleine Unebenheiten, abschüssige Abschnitte, Feedback eben. Das Fahrwerk massiert dabei den Rücken der Passagiere, anstatt auf ihn einzukloppen. Auch gut: Die Lenkung dreht sich zwar leicht, schafft es aber trotzdem, dir ein Gefühl für sie zu vermitteln. Was machen die Räder gerade? Wie stehen sie? Hab ich noch Reserven? Wann kann ich sie wieder öffnen und wie weit?

Zu wild mag der Jaguar F-Type 400 Sport nicht

Viel Spaß macht der Jaguar auf der Landstraße – trotz seines Gewichts. 1.722 Kilogramm müssen auch erst einmal ums Eck bugsiert werden. Die Vorderachse spielt dabei im Test gut mit, Verzögerung beim Einlenken? Gibt’s nicht. Im Kurvenverlauf fühlt man aber dann, wie das Gewicht von hinten nach vorn und von links nach rechts wandert. Nachteil dabei: Der Untersteuerdrang, den wir beim alten V6 S überhaupt nicht vermisst hatten, tritt beim 400 Sport dezent auf. Und das, obwohl Jaguar ausdrücklich nichts am Fahrwerk geändert hat. Doch im Alltag ist man ja eher selten am Limit unterwegs. Man bremst früher, lenkt sanfter ein und so weiter. Und genau da fühlt sich der F-Type noch immer am wohlsten – Sport-Modell hin oder her. Passt man seinen Fahrstil an, fährt er lange neutral – ideal zum Genuss-Carven. Vor allem im Vergleich mit dem Allrader fühlt sich der heckgetriebene 400er leichtfüßiger an. Allerdings bewegte sich der Spritkonsum bei unseren Fahrten (ohne Messprozeduren) auf V8-Niveau.

Aber dafür ist der Jag auch flott. Oder? Nun ja, auf 100 km/h kann er die 4,8 Sekunden des V6 S nicht ganz mitgehen. Dafür knöpft er ihm auf 200 sieben Zehntel ab. Dass der Jaguar F-Type 400 Sport dem V6 S auch noch in der Elastizität hinterherhinkt, ist wohl den hohen Temperaturen am Testtag anzukreiden – fast 30 Grad. Halb so wild: Denn auf der schnellen Runde in Hockenheim knöpft der 400 dem V6 S ebenfalls sieben Zehntelsekunden ab. Es lebe der Sport!

Fazit

Ein richtiger Querdynamiker vom Schlage eines Porsche 911 will der F-Type irgendwie immer noch nicht sein – auch nicht als 400 Sport. Nicht falsch verstehen: Der Jaguar macht Laune! Trotz oder gerade wegen seines plärrenden Auftritts, der immer etwas mehr Dynamik suggeriert, als tatsächlich vorhanden ist. Der 400 Sport cruist entspannt, kann jetzt besser denn je Landstraßen zerlegen und fühlt sich dabei um Welten leichter an als der Allrad-F-Type. Ganz überzeugt bin ich aber trotzdem nicht: Das liegt nicht an der teilweise mäßigen Verarbeitung, sondern eher an seinem etwas gespaltenen Charakter.

Technische Daten
Jaguar F-Type Coupé 3.0 V6 400 SPORT
Grundpreis99.350 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4482 x 1923 x 1311 mm
KofferraumvolumenVDA310 l
Hubraum / Motor2995 cm³ / 6-Zylinder
Leistung294 kW / 400 PS bei 6500 U/min
Höchstgeschwindigkeit275 km/h
0-100 km/h5,2 s
Verbrauch8,6 l/100 km
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    Dass der Porsche Macao Turbo mit Performance Paket in 1.15,5 um den kleinen Hockenheimkurs fegt (Bild 14/14) ist zwar spannend, passt aber wenig zum Artikel über den Jaguar F-Type 400 Sport.

    SimonJ 30. August 2017, 11:36 Uhr
    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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