Jaguar S-Type 2.7 D: Spätzünder

Das „D“ im Typenschild des Jaguar S-Type kauert auf halber Höhe neben der Hubraum-Bezeichnung 2.7. Ein verschämtes Buchstäbchen als Hinweis auf die wichtigste Neuigkeit aus dem englischen Hause – den ersten Sechszylinder-Diesel.

Zufall oder Absicht? Das „D“ im Typenschild des Jaguar S-Type kauert auf halber Höhe neben der Hubraum- Bezeichnung 2.7. Ein verschämtes Buchstäbchen als Hinweis auf die wichtigste Neuigkeit aus dem englischen Hause – den ersten eigenen Sechszylinder- Diesel. Hat Jaguar Angst, die Nase auf ein jahrelanges Versäumnis zu stoßen? Zu lange setzte die Aristokraten-Abteilung innerhalb des Ford-Konzerns auf den Ottomotor. Doch selbst standesbewusste Limousinen- Käufer reiten längst auf der Diesel- Drehmomentwelle.

Heutige Cleverle am Steuer, die Smart-Driver, verlangen nach dem trendigen Spritknauser. Damit lässt sich sparen und gleichzeitig überholen. Jetzt also endlich gibt es ihn, den S-Type Diesel. Passend zu einer kleinen Botox-Kur, die die Furchen der Frontschürze glättete, einem Workout, das die Muskulatur der Fronthaube stärker herausmodellierte sowie einer leichten Nasen-Korrektur, die den Grill dem griechischen Schönheitsideal näher brachte.

Eine Rundumkur, die den S Type auffrischt wie ein ausgiebiger Urlaub. Wer mit dem Benziner-Monopol die Jaguar- Tradition in der Rußfahne verschwinden sieht, sollte wissen: Ohnehin ist das Brauchtum des Hauses längst modernisiert. Die Einstiegskatze X-Type gibt es mit Front- und Allradantrieb, seit vergangenem Jahr sogar mit Dieselmotor. Warum soll da nicht auch die nächstgrößere Katze dieseln? Dann aber bitte mit Sechszylinder. Einem, der so seidig läuft, dass die Frage nach der Zündart erst gar nicht aufkommt. Nageln und Schütteln wird ohnehin als unpassend abgelehnt. Weil die Konzernmutter Ford in ihrem konzernweiten Motor-Sammelsurium nichts Adäquates zu bieten hatte, wurde ein komplett neues Aggregat konstruiert. 2,7 Liter misst der V6.

Die im 60-Grad-Winkel angeordneten Zylinderbänke verfügen über je einen kleinen Turbolader. Diese artikulieren sich zurückhaltend mit kaum hörbarem Fiepen und drängen die Ansaugluft mit maximal 1,3 bar in die Brennräume. Gewaltiger, mit bis zu 1650 bar, presst die Piezo-Einspritzung nach Common- Rail-Art. Doch obwohl hoher Einspritzdruck meist zu einer harten und lauten Verbrennung führt, tönt der Jaguar-Diesel untypisch im Pianissimo.

Ein Diesel, der sogar Benzin-Snobs bekehren könnte. Er verleugnet seine technischen Gene aufs Angenehmste. Bereits dezentes Radio-Hintergrundgeräusch reicht aus, um die Insassen im Stadtverkehr zu täuschen. Sie würden Stein und Bein schwören, von einem Sechszylinder chauffiert zu werden – Benziner, nicht Diesel. Passanten, an denen der S-Type vorbeirauscht, werden ihn nur an den zu Boden pustenden Auspuffrohren erkennen. 

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Marcus Peters

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