Der Jaguar XJR wirkt mit seiner sparsameren Chromausstattung, den großen Rädern und dem traditionellen britischen Maschendraht im Grill angemessen nobel.
Motorseitig bietet der Jaguar 395 PS. Das ist nicht mehr, als auch der eine Klasse tiefer angesiedelte S-Type R bieten kann: 4,2 Liter Hubraum, verteilt auf acht Zylinder, beatmet von einem mechanischen Lader, dazu die ZF-Sechsgangautomatik.
Spielerisch erfüllt der Kompressor-V8, der 541 Nm bei 3500/min abgibt, dann auch Tempowünsche, wobei das Beschleunigungserlebnis sogar verwöhnten Ansprüchen genügt. Vorausgesetzt, man schätzt die jaguar-spezifische Art der Leistungsentfaltung. Statt ungestüm dahin zu brettern, erledigt er das geforderte Pensum betont cool mit sanftem Druck. Die sportliche Dramatik beschränkt sich auf das entfernte Jaulen des Kompressors bei Volllast. Kleiner Schönheitsfehler: Unbedachtes Losfahren beantwortet der Jaguar mit übertrieben vehementer Initialbeschleunigung bei entsprechender Beanspruchung der Genickmuskeln.
Talent für anspruchsvolle Fahraufgaben im Jaguar XJR
Dass die gemessenen Werte die Werksangaben verfehlen, dürfte auch mit den ungewöhnlich hohen Außentemperaturen während der Messfahrten zusammenhängen. Statt 5,3 ließ sich der Testwagen 5,9 Sekunden Zeit, um auf 100 km/h zu kommen. Tempo 160 erreichte er in 13,6 Sekunden. Zügig, aber entspannt dezimiert er Autobahnkilometer, schlüpft leise durch den Verkehr, unaufgeregt, unspektakulär, mehr Stealthbomber als Sportskanone.
Umso mehr überrascht sein Talent bei anspruchsvollen Fahraufgaben. In Kurven scheint die Oberklasselimousine zu schrumpfen, wechselt den Kurs mit unvermuteter Agilität und verlagert beim Einlenken das Gewicht fast sportwagenmäßig auf die Hinterhand, statt träge über das kurvenäußere Vorderrad zu schieben.
Sorgfältig abgestimmte Luftfederung im Jaguar XJR
Weniger Seitenneigung und mehr Lenkpräzision bringen in solchen Situationen deutliche Vorteile gegenüber den schwächeren XJ-Varianten, aber selbstverständlich helfen auch die größeren Räder: serienmäßig 19 Zoll, auf Wunsch (wie beim Testwagen) 20 Zoll in Kombination mit ultraflachen Reifen (255/35 ZR 20).
Die Tatsache, dass es ihnen nicht gelingt, den Komfort des Jaguar XJR nennenswert zu beeinträchtigen, wirft ein Licht auf die Sorgfalt, die Jaguar bei der Abstimmung des luftgefederten XJR-Fahrwerks walten ließ.
Nach so viel Lob aber auch noch etwas Tadel: Mit einem Testverbrauch von 15,8 L/100 km entpuppt sich der Kompressor-V8 als Schluckspecht, das teigige Pedalgefühl der Bremsen.




