Kia Soul 1.6 CRDi: Der Kleinwagen-Diesel mit 128 PS im Test

Kia Soul

Mit ausgefallenem Drachentattoo lenkt der Steilheck- Kleinwagen Kia Soul die Blicke auf sich, als zusätzlicher Lockstoff soll ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis wirken. Im Test der 1.6 CDRi mit 128 PS.

Musik ist hier auf jeden Fall drin, wenn auch nicht unbedingt die Stilrichtung Soul. Der Kia Soul kommt schließlich nicht gefühlvoll und sanft um die Ecke, er ist eher ein Fall für europäische Outdoor-Dance-Partys - entsprechend in Schale geworfen vom deutschen Automode-Zar Peter Schreyer, der in der Vergangenheit schon Kultstars wie Audi TT und VW Beetle in die Verkaufs-Charts verholfen hat.

Mischung aus Kleinwagen und Mini-SUV

In komplizierten Zeiten wie diesen erfrischend einfach geformt, besticht der Steilheck-Kleinwagen mit langem Radstand, kurzen Überhängen, einem Dach, das wie beim Mini quasi frei zu schweben scheint, sowie stark ausgeprägten Radläufen und verkleidetem Front-Stoßfänger. Ein Schuss Geländewagenflair also, das dem 4,11 Meter langen Ford Fusion - und Nissan Note-Konkurrenten beim ersten Ausritt durch den Großstadtdschungel durchaus behilflich ist - genauso wie die erhöhte Sitzposition und die großen Fensterflächen, mit denen sich die Mischung aus Kleinwagen und Mini-SUV blessurenfrei in enge Supermarktparklücken bugsieren lässt.

Üppige Platzverhältnisse im Fond

Der Kia Soul, der auf einer neuen Plattform klassischer Machart mit McPherson-Vorderachse und Verbundlenker-Hinterachse beruht, macht seinem Piloten das Leben auf Anhieb leicht. Simplify your life - dieses Motto scheint bei der Entwicklung im Vordergrund gestanden zu haben. Problemlos ablesbare Rundinstrumente, komplikationsfreie Bedienung und viele Ablagen bis hin zu einem großzügig dimensionierten Handschuhfach sorgen für gute Stimmung an Bord des Fünfsitzers. Der Kia Soul bietet für ein Auto dieser Größenordnung auch erstaunlich viel Platz. Fahrer und Beifahrer können mühelos politisch korrekten Abstand zueinander halten, und Fondpassagiere freuen sich über gute Bein- und vor allem kathedralenartige Kopffreiheit. 

Enger Kofferraum

Im Kofferraum geht es da schon enger zu: 222 Liter in Normalstellung, 1.258 Liter Volumen bei umgeklappter Rücksitzlehne - da bleibt der Kia Soul hinter der Konkurrenz zurück (Opel Meriva: 360 bis 1.410 Liter). Genauso wie in Sachen Variabilität: Pfiffige Extras wie eine in Längsrichtung verschiebbare Fondbank fehlen gänzlich. Die Atmosphäre einer souligen Musikbar mag im Kasten-Kia zwar auch nicht recht aufkommen, aber in der getesteten Spirit-Version hebt er sich von automobiler Volksmusik wohltuend ab. Das Florentinerrot der Außenfarbe findet sich im Bereich von Schaltknauf, Armaturenbrett und Sitzpolstern wieder, und das CD/RDS-Radio passt mit USB-Anschluss und sechs Lautsprechern zum Anspruch des kleinen Crossovers, als rollende Jukebox unterwegs zu sein.

Angemessene Beschleuningung

Außerdem: In welcher Bar sitzt man schon richtig bequem (den Sitzen fehlt es an Lordosenunterstützung) und findet auch noch das Interieur in jeder Hinsicht überzeugend? Beim Kia Soul sticht jedenfalls die billig wirkende Kofferraumverkleidung negativ ins Auge. Den Ton gibt unterwegs der 1,6-Liter-Diesel-Vierzylinder mit 128 PS an, der den 1.339 Kilogramm schweren Kia Soul nach kurzer Denksekunde wacker auf Trab bringt - und hält. Wunder dürfen von dem etwas rauen Common-Rail-Triebwerk trotz 260 Nm Drehmoment nicht erwartet werden, aber mit 11,3 Sekunden Beschleunigung von null auf 100 km/h bewegt er sich auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.

Hoher Verbrauch, Abstriche beim Komfort

Das Fünfgang-Schaltgetriebe ist zwar etwas schwergängig, fördert mit passender Übersetzung aber eine ordentliche Elastizität. Nur der Testverbrauch ist mit 7,7 Liter/100 km zu hoch - ein vergleichbarer Opel Meriva ist fast einen Liter sparsamer. Wer auf der Autobahn unterwegs ist, sollte auf jeden Fall den iPod anschließen oder eine gute CD einschieben; die Wind- und Motorengeräusche klingen wirklich nicht wie kultige Musik in den Ohren des Fahrers. Und so wohl, wie man sich in dem schnörkellosen Kastenwagen auch fühlen mag - Abstriche gilt es auch beim Komfort zu machen. Trotz langem Radstand fehlt dem Soul die Gabe, kurze Bodenwellen oder Frostaufbrüche wegzustecken; sicher auch ein Tribut an die üppigen 18-Zoll-Räder mit Reifen der Dimension 225/45 R, deren Felgendesign im Blumenlook aber immerhin einen echten Farbakzent setzt.

Kräftige Bremsen verzögern zuverlässig

Zu den Stärken des neuen Kia zählen in der Folge auch die Bremsen. Sie agieren fast auf dem Niveau von Mittel- und Oberklasseautos, verzögern kräftig und auch nach zehn Vollbremsungen absolut fadingfrei - und das, obwohl sich die Zuladung auf beachtliche 441 Kilogramm beläuft. Hinzu kommen die gute Handlichkeit, das sichere Kurvenverhalten, die Lenkung, die mit rein elektrischer Unterstützung zwar etwas synthetisch, aber trotzdem zielgenau agiert, sowie eine umfangreiche Sicherheitsausstattung mit serienmäßigem ESP, Kopfairbags rundum und vorderen Seitenairbags. Klingt gut, aber abgerechnet wird erst am Schluss.

Diesel erst ab 19.225 Euro

Für den Kia Soul spricht zunächst einmal die Fünfjahresgarantie ohne Kilometerbegrenzung. Der Basispreis erscheint mit 14.980 Euro ebenfalls vielversprechend. Doch der Diesel ist erst ab 19.225 Euro zu haben, der Testwagen kostet als Spirit 21.385 Euro - viel Geld, wenn man vergleicht, was sich momentan im 10.000-Euro-Segment tut. Trotzdem ist dieser Kia ein echter Ohrwurm: Der Soul geht einem nicht mehr so schnell aus dem Kopf.

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Birgit Priemer

Autor:

auto motor und sport, Heft 06 / 2009

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