BMW X5 4.6is: Nummer fünf klebt

Sehr gute Fahreigenschaften auf der Straße machen den BMW X5 zum Roadrunner unter den Geländewagen. Der neue X5 4.6is mit 347 PS legt nun die Messlatte in Sachen Fahrdynamik nochmals ein gutes Stück höher.

Sportwagen haben nur zwei Türen, höchstens zwei plus zwei Sitze, sind windschnittig geformt und kauern flach auf dem Asphalt. Nach dieser Definition wäre der BMW X5 4.6is aber et-
wa so weit davon entfernt, ein Sportwagen zu sein, wie der 1. FC Köln vom Titelgewinn in der Fußball-Bundesliga. Charakterisiert man dagegen einen Sportwagen mit hoher Motorleistung, hervorragender Fahrdynamik und jeder Menge Fahrspaß, dann trifft das sowohl auf den Sportwagen im klassischen Sinne als auch auf das neue Topmodell der X5-Reihe zu. Gegenüber dem mit 286 PS ebenfalls nicht gerade schwächlichen 4,4-Liter-Pendant verfügt der Sport-X5 über 61 PS mehr Leistung (347 PS), 40 Newtonmeter mehr Drehmoment (480 Nm) und rund 0,2 Liter mehr Hub­raum (4,6 Liter). Nach außen demonstriert der 4.6is seine Potenz vor allem durch die gewaltigen 20-Zoll-Räder mit 275/40er-Reifen vorne und gar 315/35er- Pneus auf der Hinterachse. Hinzu kommen markante Front- und Heckschürzen und ovale Auspuffblenden sowie mit Leder bezogene Sportsitze und ein Sportlenkrad. Weniger augenfällig sind das Sportfahrwerk und die jeweils spezielle Abstimmung von Servolenkung und Fünfgang-Automatikgetriebe. Unter dem Strich machen diese Maßnahmen – soviel kann bereits verraten werden – aus dem 4.6is ein Auto, das in seiner Klasse in puncto Fahrdynamik neue Maßstäbe setzt.


An ihm wird sich der neue Porsche Cayenne messen lassen müssen. Selbst gegenüber reinrassigen Sportlimousinen macht der X5 bezüglich Handling und Fahrspaß eine gute Figur.
Aber der Reihe nach: Statt sich wie bei einem Coupé in die Sitze fallen zu lassen, muss das Gestühl erklommen werden. Schnell hat man eine passende Sitzposition hinter dem elektrisch zweifach verstellbaren Sport-Lederlenkrad gefunden, und das ohne jenes Kutschbockgefühl, das manchen Geländewagen eigen ist. Die Sportsitze selbst bieten genau den richtigen Kompromiss aus Straffheit und Bequemlichkeit. Zusammen mit dem sehr guten Seitenhalt und der ausziehbaren Sitzflächenverlängerung eignen sie sich daher für lange Strecken ebenso gut wie für schnell gefahrene, kurvenreiche Passagen. Nach alter Väter Sitte erweckt ein Dreh des Zündschlüssels den Achtzylinder zum Leben keine Chipkarte, kein Starterknopf. Ein kurzer Gasstoß entlockt dem mit einem vollkommen vibrationsfreien Leerlauf gesegneten Aggregat ein aggressives Fauchen, das man getrost als Versprechen für das enorme Leistungspotenzial des Motors interpretieren darf.

Freilich lässt sich das Leistungsvermögen mit nackten Zahlen nur unzureichend beschreiben.
Trotzdem seien die 6,8 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h der Vollständigkeit halber hier erwähnt. Noch beeindruckender ist aber die Vehemenz und Leichtigkeit, mit der sich der 2,3-Tonner in Bewegung setzt. Untermalt von einem Crescendo aus Ansaug- und Auspuffger
äuschen wird der Fahrer mit sanfter Gewalt in den Sitz gedrückt ein Gefühl, das durchaus mit dem in einem startenden Jet vergleichbar ist. Kraft ist also immer genügend vorhanden für den flotten Zwischenspurt zum mühelosen Überholen auf der Landstraße genauso wie für Tempo 240 auf der Autobahn. Das erfordert erfreulicherweise nicht mehr Konzentration und fahrerischen Einsatz als die gleiche Geschwindigkeit mit einer Limousine. Trotz der extremen Bereifung zeigt sich der 4.6is vollkommen unbeeindruckt von Längsrillen und läuft sauber geradeaus.

Wie auf Schienen und ohne Lenkkorrekturen folgt er auch in schnellen Autobahn-Kurven präzise dem vorgegebenen Kurs. Die nächste Überraschung folgt abseits von gut ausgebauten
Schnellbahnen auf kurvenreichen Landsträßchen. Die spielerische Leichtigkeit und Präzision, mit der sich der schwere Brocken durch Biegungen jedweden Radius' dirigieren lässt, lässt den Fahrer glatt vergessen, dass man in einem hochbeinigen Gefährt unterwegs ist, das landläufig
als Geländewagen bezeichnet wird. Großen Anteil an der Agilität hat die bei Rangiertempo
leichtgängige Lenkung, die aber mit zunehmender Geschwindigkeit straffer wird und dann eine sehr gute Rückmeldung vermittelt. Weniger gut: Fahrbahnstöße werden im Lenkrad spürbar.  Der Allradantrieb sorgt zusammen mit den elektronischen Regelsystemen und den breiten Reifen
für eine überragende Traktion und hohe Fahrsicherheit. Das meist neutrale Kurvenverhalten
geht nur in schnell durcheilten, engen Kehren in ein leichtes Untersteuern über. Auf nasser Fahrbahn ist die Untersteuertendenz aber deutlich ausgeprägter. Hier greift dann auch ESP
zügelnd ein. Trotz dieser fahrdynamischen Qualitäten kommt wider alle Erwartungen der
Komfort nicht zu kurz. Zwar rollt der X5 etwas hölzern ab und gibt Querfugen an die
Passagiere weiter, aber mit zunehmendem Tempo spricht die Federung immer besser an und
pariert vor allem lange Wellen souverän. Es gibt aber auch eine dunkle Seite beim 4.6is: die Wirtschaftlichkeit. Denn selbst wer 77 000 Euro für ein Auto ausgibt, wird bei einem Durchschnittsverbrauch von knapp 18 Litern schlucken müssen. Zumal es beim Ausnutzen des
Fahrspaß-Potenzials deutlich über 21 Liter pro 100 Kilometer werden können.
Auf der sicheren Seite ist man in puncto Bremsen. Die gegenüber den normalen X5
um 26 Millimeter auf 356 Millimeter im Durchmesser vergrößerten vorderen Bremsscheiben
ermöglichen Verzögerungen, die bisher kein Auto dieser Spezies erreicht hat.
Auch in dieser Disziplin wird deutlich, dass es sich beim X5 4.6is eigentlich um einen als
SUV verkleideten Sportwagen handelt.

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Hermann-Josef Stappen

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