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Land Rover Freelander

Mit dem Freelander begibt sich Land Rover auf ungewohntes Terrain. Er ist preiswerter, kompakter und leichter zu handhaben als die bisherigen Modelle. Fragt sich nur, ob er der traditionsreichen Marke noch würdig ist.

18.07.2000

Die Marketingexperten von Land Rover sind sich sicher: Weil nur wenige Off-road- Fahrer off the road fahren, geht der Trend zum Off-road-Auto für den On-road-Betrieb. Ganz im Sinne von Karl Valentins „Mögen hätten wir schon wollen, nur trauen haben wir uns nicht dürfen“ hat die Geländegängigkeit des Geländeautos im wirklichen Leben in der Tat meist nur theoretische Bedeutung. Schon deshalb, weil es in den wenigsten Gegenden Mitteleuropas gestattet ist, abseits der Pisten umherzufuhrwerken. Die wachsende Zahl der Käufer scheint sich daran nicht zu stören. Hauptsache das Image stimmt. Nach Freiheit, Fun und Abenteuer muß es schmecken – das Off-road- Gefährt als Eintrittskarte ins Land der Zigarettenwerbung. Wer das versteht, wird auch den neuen Land Rover Freelander verstehen.

Als relativ preiswerter und realitätsbezogener, sprich im Straßenbetrieb leichter zu handhabender Geländewagen folgt Land Rover hier einem Trend, dem sich der 100prozentige Off-road-Spezialist nicht länger verschließen kann. Dazu ist die Marktnische zu lukrativ. Das Ergebnis ist ein Allradauto, das gleich ein ganzes Bündel eherner Land Rover- Prinzipien über Bord wirft. Kein separates Chassis mehr, keine Starrachsen, keine Geländeuntersetzung, nicht einmal ein anständiges Zentraldifferential – der Freelander adaptiert die technischen Rezepte gewöhnlicher Allrad-Personenwagen (siehe Fahrbericht in Heft 24/97). Daß dieser Land Rover mit seinen Stallgefährten nicht zu vergleichen ist, dokumentiert auch der Preis. In der getesteten Ausführung als viertüriger Station Wagon mit 1,8 Liter-Benzinmotor und 120 PS kostet der Freelander 44 900 Mark, 8550 Mark weniger als der billigste viertürige Discovery.

Das plaziert ihn am oberen Rand im anvisierten Konkurrenzfeld. Formal fällt der Freelander kaum aus dem Rahmen. Auffallend sind nur der hohe Bug und die riesigen Wülste aus mattgrauem Plastik, die – um es vorsichtig auszudrücken – der Gewöhnung bedürfen. Wirklich klein geriet der kleine Land Rover allerdings nicht: Er ist 4,38 Meter lang, 181 Meter breit und 1,76 Meter hoch, ein stattliches Automobil mithin, und diesen Eindruck unterstreicht das Gewicht: Der Testwagen brachte es auf 1455 Kilogramm. Es zeichnet Land Rover aus, daß die wuchtige Karosserie hält, was sie von außen verspricht: Sie bietet jede Menge Platz, sowohl vorn als auch hinten, wobei vor allem die grosszügige Innenbreite und der üppige Kopfraum angenehm auffallen. Das Gros der Konkurrenten hat in dieser Beziehung weniger zu bieten.

Dafür bleibt hinter den Rücksitzen fürs Gepäck nicht allzuviel übrig (371 Liter). Wer mehr Laderaum braucht, kann die geteilte Rücksitzbank umklappen, wodurch sich das Ladevolumen auf maximal 722 Liter (1313 Liter bei Beladung bis zum Dach) erhöht. Als Besonderheit bietet der Freelander eine Hecktür, deren Fenster sich praktischerweise elektrisch versenken lassen, und ein abschließbares Staufach im Kofferraumboden. Was die Einrichtung betrifft, so bemüht sich Land Rover sichtlich um die Pflege des hauseigenen Stils. Gleichwohl sind die Eindrücke zwiespältig.

Helle Farben machen den Innenraum wohnlich, aber das zerklüftete, vorwiegend aus Hartplastik gefertigte Armaturenbrett wirkt nicht gerade hochwertig und spiegelt sich obendrein in der Windschutzscheibe. Ebenso beim Sitzkomfort: Zwar gibt es an der betont hohen Sitzposition nichts auszusetzen, aber die Lehnen der Vordersitze bieten wenig Seitenhalt, und die Sitzflächen sind zu kurz. Licht und Schatten liegen auch bei Funktionalität und Ausstattung eng beieinander. Die Instrumente lassen sich gut ablesen, und die wichtigsten Bedienungselemente sind griffgerecht angeordnet. Lobenswert auch die geräumigen Türfächer mit Flaschenhalter. Doch andere nützliche Ausstattungsdetails, die man in dieser Preisklasse erwarten darf, glänzen durch Abwesenheit. So gibt es weder eine Umluftschaltung für die Belüftung noch brauchbare Armlehnen an den Türen.

Auch auf so zweckmäßige Dreingaben wie Außentemperaturanzeige, Handschuhkastenschloß, Sitzhöhenverstellung oder den in die Zentralverriegelung integrierten Tankdeckel müssen Freelander- Käufer verzichten. Die Abdeckung des stark verschmutzenden Reserverads kostet Aufpreis (170 Mark), ebenso die Kofferraumabdekkung (259 Mark), während Seitenairbags nicht einmal für gutes Geld zu haben sind. Die gute Nachricht: Unterwegs hält der Freelander, was seine Konzeption verspricht. Im Straßenbetrieb erfordert er weitaus geringere Zugeständnisse als die Schlachtrösser im Land Rover-Programm. Lob verdient vor allem die Federung. Für einen Geländewagen spricht sie wohltuend feinfühlig an und vermittelt einen Komforteindruck, der durchaus Limousinenmaßstäbe erreicht.

Das ist mehr, als sich von den meisten anderen Exemplaren dieser Gattung behaupten läßt. Auch an Fahrsicherheit mangelt es nicht. Der Freelander läßt sich beherzt durch die Kurven treiben ohne extreme Seitenneigung, und ohne dabei mit bösartigen Lastwechselreaktionen zu überraschen. Im Extremfall verlegt er sich auf stabilisierendes Untersteuern. Bei aller Normalität bleibt dem Fahrer freilich nicht verborgen, daß er es beim Freelander letztlich doch mit einem Zwitter zu tun hat. Gemessen an herkömmlichen Autos bewegt er sich immer noch recht schwerfällig, und auch die um die Mittellage unpräzise Lenkung erinnert an sein gespaltenes Wesen. Da wirken einige Artgenossen, etwa der Toyota RAV4, schon deutlich agiler.

Einen Fauxpas leistet sich der Freelander bei der Bremsprüfung, wo er durch ebenso frühzeitiges wie kräftiges Fading enttäuscht. Auch was die Vorwärtsdynamik betrifft, empfiehlt es sich, die Ansprüche zurückzuschrauben. Der 1,8 Liter-Vierzylindermotor, ein Ableger der Rover K-Serie-Familie, hat mit einem Auto dieses Kalibers kein leichtes Spiel. Vor allem mangelt es ihm an Drehmoment (165 Nm bei 2750/min), so daß häufig geschaltet werden muß. Vollast und Drehzahlen über 5000/min beantwortet er mit lautstarkem Rumoren. Auf der Autobahn bedeutet dies, daß man die Höchstgeschwindigkeit von 165 km/h in der Regel nur kurz in Anspruch nimmt, denn über Tempo 150 schwillt der Innengeräuschpegel stark an (79 dB(A) bei 160 km/h). Gleiches gilt für den Verbrauch: Der Testdurchschnitt bei vorwiegend forcierter Fahrweise betrug 12,5 Liter/100 km. Immerhin entschädigt der Freelander, sollte sich die Gelegenheit bieten, mit erstaunlichen Off-road-Talenten.

Sein Allradkonzept mit Viscokupplung und Antriebsschlupfregelung (Bremseneingriff) vorn und hinten meistert Feld-,Wald- und Wiesen-Pisten mit Bravour. Dank üppigen Federwegen und gut geschütztem Unterboden läßt sich auch Grobzeug schadlos überwinden. Die Grenzen zeigen sich erst auf anspruchsvollem Terrain, wenn Steigungen und schwere Böden die GelaÅNndeübersetzung vermissen lassen und ersatzweise die Kupplung in Mitleidenschaft ziehen. Bergab ist der fehlende Geländegang dagegen kein Thema: Die Freelander-Spezialität der Hill Descent Control (Bergab-Fahrhilfe) verhindert mittels ABS, daß im Schiebebetrieb neun km/h (auf unebener Strecke sieben km/h) überschritten werden, unter gleichzeitiger Wahrung der Fahrstabilität. Damit ist dann auch die Ehre des Freelander gerettet. Mag sein Metier vor allem die Straße sein, so ist er doch mehr als nur ein Boulevard-Geländewagen. Nichts anderes darf man von einem Land Rover erwarten.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot hohe Karosseriesteifigkeit hohe Anhängelast (2000 kg)
  • Funktionalitätsmängel bei aufgeklappten Rücksitzen relativ knapper Kofferraum
Fahrkomfort
  • angenehme Federung bequeme Rücksitze gute Sitzposition
  • bei hohem Tempo lautes Innengeräusch eingeschränkter Sitzkomfort vorn langsam ansprechende Heizung
Antrieb
  • befriedigende Fahrleistungen passend abgestuftes Getriebe
  • eingeschränkte Laufkultur mäßige Durchzugskraft
Fahreigenschaften
  • sicheres Kurvenverhalten sehr gute Traktion relativ gute Geländeeigenschaften
  • um die Mittellage unpräzise Lenkung eingeschränkte Handlichkeit
Sicherheit
  • Dreipunktgurte und Kopfstützen für alle fünf Sitze pyrotechnische Gurtstraffer vorn Fahrer- und Beifahrer-Airbag
  • starkes Bremsenfading Seitenairbags nicht lieferbar
Umwelt
  • Einsatz wasserlöslicher Lacke schadstoffarm nach Euro 3
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • angemessener Preis Wartungsintervalle alle 20 000 km verzinkte Karosserie
  • kurze Garantie (ein Jahr)

Fazit

Die Mischung stimmt. Der Freelander ist geräumig, recht gut gefedert, fahrsicher und ausreichend geländegängig. Enttäuschend dagegen die am Preis gemessen lückenhafte Ausstattung und die schwachen Bremsen. Dem 1,8-Liter-Benziner fehlt es an Durchzugskraft.

Technische Daten
Land Rover Freelander 1.8i Station Wagon
Grundpreis23.980 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4382 x 1805 x 1757 mm
KofferraumvolumenVDA371 bis 1313 L
Hubraum / Motor1796 cm³ / 4-Zylinder
Leistung88 kW / 120 PS (165 Nm)
Höchstgeschwindigkeit165 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,9 s
Verbrauch10,2 L/100 km
Testverbrauch12,5 L/100 km
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