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Lexus GS 450h im Test

Hybrid als fader Transporter? Von wegen!

Lexus GS 450h, Seitenansicht Foto: Rossen Gargolov 31 Bilder

Der neue Lexus GS 450h begnügt sich nicht mit seinem bewährten, geschliffenen Antrieb, sondern packt einen Schwung Eleganz, Fahrdynamik und Assistenz obendrauf.

27.08.2012 Jörn Thomas

Also, wir glauben ja: Alle Lexus-Verkäufer lernen gerade Abkürzungen rappen. Als Schulungsvideo flimmert dazu "MfG" von den Fantastischen Vier auf mächtigen Flatscreens. Und dann setzt der Chor ein: AVS, ESB und LDG, CCD, LDH und ECT, ACC, DMS und BSM, LED, HUD, olé, olé. Dabei ist dies noch der süßere Teil der Arbeit. Viel härter ist es für die Truppe, die Bedeutung sämtlicher Kürzel zu pauken - und erklären zu können, denn die Nobel-Dependance von Toyota hat bei der vierten GS-Generation richtig zugelangt.

Anders geht es ja auch nicht, will man BMW 5er & Co. zumindest partiell das Rücklichtgrinsen zeigen und sie auf dem Hybrid-Terrain ärgern. Dazu geben sich die Japaner nicht mit dem ungeheuer geschliffenen und bewährten Hybridantrieb zufrieden, sondern schärfen das GS-Profil deutlich nach. So blickt der Lexus GS 450h als sportliche F-Version nicht nur böse aus seinem neuen Gesicht, sondern steht auf einem modifizierten Fahrwerk mit Doppeldreiecks-Querlenkern vorn, Adaptivdämpfern (AVS) sowie griffiger Mischbereifung in 19-Zoll.

Lexus GS 450h zeigt automobile Zuneigung

Dabei ist er doch eigentlich ein Netter. Wer sich ihm nähert, wird von der Umfeldbeleuchtung in den Spiegeln begrüßt und zum Wagen geleitet, dort von Ambientebeleuchtung empfangen, bevor Elektromotoren Lenksäule und Sitz zurechtrücken, dessen Seitenwangen sanft zum Körper greifen. Ein Hauch automobiler Zuneigung, die nach Druck auf den Startknopf weitergeht. Wenn möglich beginnt die 4,85-Meter-Limousine Lexus GS 450h den Tag elektrisch, fährt mithilfe der Nickel-Metallhydrid-Batterie (Kapazität 2,6 kWh) bis zu einem Kilometer weit oder 64 km/h schnell, bevor sich der 3,5-Liter-V6 mit kombinierter Saugrohr- und Direkteinspritzung und Atkinson-Zyklus einklinkt.

Sanft schiebt es den 1,9 Tonnen schweren Lexus GS 450h aus der Parklücke, beim Rangieren hilft ein scharfes Kamerabild auf dem 12,3 Zoll großen Monitor, der prominent im geschwungenen Armaturenträger sitzt. Lexus hat mit Elan durchgekehrt, den letzten Japan-Barock entsorgt. Wer nicht gerade Ringe, Sterne oder Propeller eintätowiert trägt, fühlt sich an Bord der insgesamt sorgfältig und solide verarbeiteten Limousine sofort wohl. Penible entdecken allerdings ein paar kleine Unregelmäßigkeiten, etwa bei den Dekorpassungen und dem etwas kantig abschließenden Dachhimmel. Der Rest ist durchweg knisterfrei, teils hochwertig, wie etwa die Regler der Audioanlage.

Lexus GS 450h wirkt beim Rangieren wendig

Doch jetzt drehen wir erst mal am Lenkrad. Leichtfüßig und präzise folgt der Lexus GS 450h den Befehlen der Elektrolenkung, die nicht nur Unterstützung und Übersetzung variiert (VGRS), sondern auch die Hinterräder kommandiert (DRS). Bei Geschwindigkeiten bis 80 km/h gegensinnig, darüber gleichsinnig. So wirkt der Lexus GS 450h beim Rangieren wendig, auf der Landstraße agil und neutral und auf der Autobahn stabil. Nur bei hohen Geschwindigkeiten neigt er leicht zum Tigern, was daran liegt, dass die Lenkung in diesen Regionen indirekter reagiert. Vorteil: Schnelle Spurwechsel gelingen ohne Verreißgefahr. Die Bremse spielt ebenfalls mit, spricht trotz elektronischer Regelung (ECB) und Rekuperationsfunktion fein an.

Bis auf das trockene Abrollen der 19-Zöller mit flachem Querschnitt genügt der Federungskomfort ebenfalls klassenüblichen Ansprüchen, erst im Sportprogramm stellen die Adaptivdämpfer auf stur. Angenehm: das niedrige Innengeräuschniveau im Lexus GS 450h und der kultivierte Hybrid. Letzterer beherrscht Start-Stopp sowie kaum merkliche Übergänge der Betriebsmodi und hält den V6 bei konstanter Fahrt im Hintergrund. Ein Planetengetriebe plus zwei Elektromotoren kümmern sich um ein verhältnismäßig niedriges Drehzahlniveau und E-Boost.

Hohe Drehzahl bei voller Beschleunigung

Erst bei festem Tritt aufs Fahrpedal beginnt der 292-PS-V6 zu trompeten, bei voller Beschleunigung stellt das Getriebe dabei eine feste, recht hohe Drehzahl ein, während die Geschwindigkeit kontinuierlich steigt - das muss man mögen. Obwohl der Lexus GS 450h (Systemleistung 345 PS) seine Werksangabe verfehlt, ist er in 6,7 Sekunden auf 100 km/h, schafft Spitze 250. Wer es ruhig angehen lässt kommt mit 6,4 L/100 km aus, mit 10,9 Litern ist man schnell unterwegs.

Und unterwegs sein liegt ihm, schon wegen des auf akzeptable 482 Liter gewachsenen Kofferaumvolumens. Eine Durchlade gibt es nicht, dort steht der 240-Zellen-Akku. Davor im Fond sitzt es sich zwar bequem, jedoch mit nur durchschnittlichem Platzangebot. Mehr als Durchschnitt bietet das Multimedia- und Assistenzprogramm. Allerdings benötigen die Bedienung von Maus-Controller und den teils versteckten Tasten etwas Training, die Sprachsteuerung läuft langatmig, und das beim F-Sport serienmäßige LED-Licht strahlt inhomogen. Trotzdem: Der neue Lexus GS 450h hat gute Chancen, der Hybrid-Konkurrenz heimzuleuchten. Allein schon wegen des Rapper-Chors.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • Gute Platzverhältnisse vorn
  • Gute Verarbeitung
  • Umfangreiche Instrumente
  • Effektive Klimatisierung
  • Großes Kofferraumvolumen
  • Bedienung teils gewöhnungbedürftig
  • Keine Durchlade
  • Mäßiges Platzangebot im Fond
Fahrkomfort
  • Insgesamt guter Federungskomfort
  • Niedriges Innengeräuschniveau
  • Straffes Abrollen mit 19-Zoll-Rädern
Antrieb
  • Geschliffen arbeitender Hybrid-Antriebsstrang
  • Gute Fahrleistungen
  • Hohe Laufkultur
  • Stufenlose Übersetzung gewöhnungbedürftig
Fahreigenschaften
  • Sicheres Kurvenverhalten
  • Gute Agilität
  • Präzise Allradlenkung
  • Leichtes tigern bei Höchstgeschwindigkeit
Sicherheit
  • Umfangreiche Sicherheitsausstattung
  • Gut dosierbare Bremsen
  • Gelungene ESP-Abstimmung
  • Inhomogenes LED-Licht
Umwelt
  • Günstiger Minimalverbrauch
  • Recht hoher Testverbrauch
Kosten
  • Drei Jahre Garantie
  • Teure Vollkasko
  • Jährlicher Kundendienst

Fazit

Der dynamische GS 450h hilft, Vorurteile abzubauen: Er verbindet den ausgewogen arbeitenden, sparsamen Benzin-Hybrid mit dynamischem Auftreten und gutem Komfort. Störend? Nur Details.
 

Technische Daten
Lexus GS 450h
Grundpreis73.300 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4850 x 1840 x 1455 mm
KofferraumvolumenVDA482 L
Hubraum / Motor3456 cm³ / 6-Zylinder
Leistung254 kW / 345 PS (352 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,9 s
Verbrauch6,2 L/100 km
Testverbrauch10,9 L/100 km
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