Läuft der Motor? Man weiß es nie so ganz genau. Würde nicht die in einem schrillen Rot gehaltene Drehzahlmessernadel bei der Leerlaufdrehzahl verharren, man wäre geneigt, erneut zu starten. Der neue V8, im Hubraum um knapp 300 Kubikzentimeter angehoben und in der Maximalleistung mit 282 Pferdestärken ganz in die Nähe der Kolossalziffer 300 gerückt, ist im Leerlauf fast unhörbar.
Gewiss, auch die hochklassige Konkurrenz in jenem lukrativen Segment, in dem allein auf dem deutschen Markt jährlich rund 50 000 Käufe stattfinden, brüllt nach dem Starten nicht gerade auf. Doch die motorische „Ruhe und Kraft“ hat, wie die Lexus-Erzeuger selbst befinden, ein Stück Lexus-Identität geschaffen. Nicht nur die Konstrukteure von BMW haben in der Vergangenheit gerade an dieser Stelle der japanischen Konkurrenz so etwas wie einen Maßstab gesehen.
Ihn gilt es nun, elf Jahre nach dem Debüt des ersten Lexus, zu verteidigen – möglichst unhörbar, möglichst perfekt auch in den anderen Disziplinen einer automobilen Kaste, die sich im Falle des neuen LS 430 mit einem Preis von fast 140 000 Mark deutlich über der magischen 100 000er-Marke bewegt.
Viel Geld für wenig Geräusch, aber das ist ja noch nicht alles. Der neu entwickelte V8 ist mit seinen vier Ventilen pro Zylinder und den insgesamt vier oben liegenden Nockenwellen mit variabler Steuerung nicht nur ein Vorbild in Sachen Geräuschkultur, sondern auch ein Muster an Temperament und mechanischer Laufruhe.
Zusammen mit der elektronisch gesteuerten Fünfgang-Automatik ergeben sich Fahrleistungen, deren sich auch Sportwagen nicht zu schämen brauchten. In nur 7,1 Sekunden fegt der Lexus auf Tempo 100, in knapp 17 Sekunden, so rasch wie einst ein Shelby Mustang, sind 160 erreicht. Doch während die alte Sechziger-Jahre-Rakete aus ihren acht Töpfen wahrlich feuerte, ist hier fast nichts zu hören.
Soll man fehlenden Sound beklagen? Die Ingenieure in Japan haben ihre Sache gut gemacht. Das lautlose Beschleunigungsvergnügen erinnert an jenes, das seilwindengetriebenen Segelfliegern noch am Boden zuteil wird. Mit Macht geht es los – den Ton dazu liefert allenfalls ein zufälliges Concerto grosso aus der aufpreispflichtigen High- End-Audio-Anlage von Mark Levinson und ihrem Achtkanal-Verstärker.



