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Neuer Lotus Elise im Test

Leichtgewicht mit Fahrspaßgarantie?

Lotus Elise Foto: Rossen Gargolov 12 Bilder

Der überarbeitete Leichtbau-Athlet Lotus Elise im Test. Kann der nur 900 Kilogramm schwere Brite auch mit einem neuen Basismotor auf der Rennstrecke Fahrspaß bieten? Erster Hockenheimringbesuch des Lotus Elise mit 1,6-Liter-Sauger und 136 PS.

06.07.2010 Christian Gebhardt Powered by

Das Facelift des Lotus Elise mit dem neuen, 136 PS starken Basisvierzylinder auf leeren Straßen genießen oder Bayern gegen Mailand gucken? Keine Frage für die Tester von sport auto. Das Ergebnis: Alle 15 Minuten mal ein Auto, sonst herrscht gähnende Leere auf der A6. So müssen sich die autofreien Tage in den siebziger Jahren zu Zeiten der Ölkrise angefühlt haben. Doch kein offizielles Fahrverbot, wahrscheinlich das Finale der Champions League mit deutscher Beteiligung, lockt die Nation vor den Fernseher und macht heute den Weg zum Hockenheimring frei.

Überarbeitete Lotus Elise geht mit einem Tempomat an den Start

Schnell noch das hakelige Stoffmützchen samt Stützstreben vom Lotus Elise-Schopf fummeln und im minimalistischen Kofferraum verstauen. Die Elise-typische Yoga-Verrenkung über den breiten Seitenholm des 68 Kilogramm leichten Aluminium-Chassis gehört auch beim Modelljahr 2011 zur Einstiegschoreografie dazu. Vertrautheit ebenso im Innenraum: Hart gepolsterte Leder-Schalensitze mit gutem Seitenhalt, Dreispeichen-Sportlenkrad und das Kombi-Instrument mit winziger Beschriftung, für das so mancher Lotus-Fahrer am liebsten eine Lesebrille zücken würde. Dafür lässt sich nun der Gepäckraum bequem mit einem Hebel links hinter dem Fahrersitz über den Innenraum statt wie bisher nur über ein Schloss am Heckdeckel öffnen.

Die zweite Änderung im Interieur mag man als die automobile Askese liebender Leichtbau-Fahrer fast gar nicht verraten - die überarbeitete Elise geht mit einem Tempomat an den Start. Was auf den ersten Blick in diesem kompromisslosen Wagen wie ein Anachronismus wirkt, funktioniert auf den Autobahn-Überführungsetappen hin zu den Wertungsprüfungen eines Lotus-Fahrers auf der Landstraße gut. Auch wenn die Autobahn heute so leer ist wie ein Aldi-Parkplatz nach Feierabend, mag auf langen Geradeausstücken keine ausgelassene Fahrfreude aufkommen. Doch lieber Fußball gucken? Nein, 35. Minute: Milito haut gerade für Inter Mailand den Ball zum ersten Mal gegen die Bayern ins Netz. Selbst mit 136 PS ist Lotus Elise fahren besser, auch wenn die Tachonadel mühsam wie ein Bergsteiger auf einen Achttausender gen 200 km/h klettert.

Faceliftmodell des Lotus Elise wirkt deutlich erwachsener

Den bisherigen 1,8-Liter-Vierzylinder tauschte die Lotus-Entwicklungsabteilung gegen ein neues 1,6-Liter-Triebwerk von Motorenpartner Toyota aus. Dank des Gewichts von nur 900 kg schiebt auch die kleinste Maschine den kompakten Sportler recht spritzig an. Hohe Drehzahlen um 5.000/min sowie häufiges Schalten des präzisen Sechsganggetriebes sind dabei aber Pflicht. Trotzdem vergehen acht Sekunden für den Sprint auf 100 km/h. Damit rennt der Lotus seiner Werksangabe von 6,5 Sekunden so gestresst hinterher wie die Bayern-Spieler dem Ausgleich im Champions-League-Finale. Offizielle Begründung: Lotus misst mit relativ leerem Tank und ohne Beifahrer, während wir bei sport auto-Tests immer vollgetankt und mit zwei Personen Messwerte ermitteln. Egal, die Königsdisziplin des mit neu gestalteten Front- und Heckschürzen sowie LED-Tagfahrleuchten und LED-Blinkern deutlich erwachsener wirkenden Elise folgt erst noch.

Das Revier der Elise: Blinker rechts, runter von der Autobahn, rauf auf kurvige Landstraßen. Hier wedelt der kleine Brite mit seinem leichtfüßigen Handling um die Ecken und schnupft eine Kurve nach der andere süchtig auf. Die traditionell ohne Servounterstützung arbeitende Lenkung gibt dabei eine präzise Rückmeldung. Das trifft ebenso auf das gut abgestimmte Fahrwerk (Bilstein-Dämpfer und Eibach-Federn) zu, mit dem sich bei abgeschalteter Traktionskontrolle trotz der geringen Leistung der Elise sogar zu einem leichten und gut beherrschbaren Übersteuern bewegen lässt. Trotz der Rundenzeit von 1.20,2 Minuten enttäuscht die Elise später in Hockenheim nicht. Fahrwerk, Lenkung und die gut dosierbare Bremse mit AP Racing-Zweikolben-Festsätteln vorn sowie Brembo-Einkolben-Schwimmsätteln hinten vermitteln auch auf der Rennstrecke ungefilterten Fahrspaß - und das trotz der Motorleistung eines durchschnittlichen Kompaktwagens. Womit die Frage "Fußball gucken oder Lotus fahren?" nicht nur nach dem 0:2 der Bayern gegen Mailand endgültig geklärt wäre.

Technische Daten
Lotus Elise
Grundpreis40.940 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3824 x 1719 x 1117 mm
KofferraumvolumenVDA112 L
Hubraum / Motor1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung100 kW / 136 PS (160 Nm)
Höchstgeschwindigkeit204 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,5 s
Verbrauch6,3 L/100 km
Testverbrauch11,2 L/100 km
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