Auch der jüngste Extremsportler der Lotus-Familie beherzigt die klassische Synthese, mit der einst Firmengründer Colin Chapman die Formel 1 revolutionierte: Leichtbau meets Leistung.
Mehr Evolution als Revolution steckt allerdings in der jüngsten Elise-Version. Optisch ist der Novize nur durch Heckflügel, mittiges Oval-Endrohr und neue Speichenräder vom Schwestermodell Elise R zu unterscheiden. Neben dem niedrigen Gewicht von 911 Kilogramm ist vor allem eine weitere Leistungsspritze für den idealen Body-Mass-Index von 4,1 Kilogramm pro PS verantwortlich.
In fünf Sekunden von Null auf 100
Durch einen zusätzlichen Roots-Kompressor von Eaton stemmt der quer vor der Hinterachsesitzende 1,8-Liter-Reihenvierzylindervon Toyota nun 220 PS auf die Kurbelwelle(Elise R: 192 PS) und treibt den Mittelmotor-Renner in fünf Sekunden über die 100-km/h-Marke. Während das Sechsganggetriebe durch kurze Schaltwege und präzise Gassenführung überzeugt, schreit das bis 8.200/min drehende Kompressor-Triebwerk nun schrill wie eine Kreissäge.
Daneben sorgt eine rot aufleuchtende Dreistufen-Schaltanzeige für Rennatmosphäre im Straßenverkehr. Die präzise Lenkung übersetzt Kommandos spontan wie ein Simultandolmetscher, nur beim Rückwärts-Einparken stört die eingeschränkte Sicht und die Tatsache, dass es keine Servounterstützung gibt. In engen Kurven neigt der quirlige Brite durch wenig Last auf der Vorderachse (338 Kilogramm) zum Untersteuern, während er bei Nässe gern mit dem Heck auskeilt - dabei nur zaghaft im Zaum gehalten von der optionalen Traktionskontrolle (715 Euro Aufpreis). Die Bremsen haben mit dem Fliegengewicht keinerlei Probleme passt die Klimaanlage zum puristischen Elise-Charakter.
Orkan im Cockpit
Sobald das hakeligeVerdeck vom Lotus-Schopf gepfriemelt ist, wird es ohnehin kühl. Und wer morgens kalt duscht, dem kann auch der wirbelnde Orkan im Cockpit nicht wirklich etwas anhaben. Warmduscher hoffen vergeblich auf Airscarf und Windschott. Auf Augenhöhe mit LKW-Radnabenhocken die Passagiere wie in einer rasenden Souterrain-Wohnung dicht über dem Asphalt.
Doch nur Pragmatiker werden die flache Sitzposition, die schlangenartige Einstiegschoreografie über den breiten Längsträger oder knackende Interieurteile bemängeln; die geringe Sicherheitsausstattung und das winzige Gepäckfach mit maximal 50 Kilogramm Zuladung gehören ohnehin zum Konzept. Die Faszination dieser exzentrischen Fahrmaschine schmälern diese kleinen Schönheitsfehler ebenso wenig wie einst das Muttermal den sinnlichen Mund von Topmodel Cindy Crawford.




