Lotus Europa SE: Kraft-Paket im Einzeltest

Mit dem Europa SE bietet Lotus jetzt mehr Leistung und Fahrspaß ohne Aufpreis.

Die Engländer machen Europa lukrativer. Nein, damit ist nicht das Banken-Rettungspaket von Premier Brown gemeint, sondern eine kaufmännische Angelegenheit bei Lotus. Deren zivilster Sportwagen Europa, also die Kuschelversion des Elise mit besserem Einstieg und weicherer Dämpfung, verkaufte sich bisher nämlich nicht wie gewünscht. Also schnürte der Sportwagenbauer aus Norwich ein umfangreiches Maßnahmen-Paket. Zum gleichen Preis wie die frühere S-Version gibt es jetzt den SE.

Die serienmäßige Blaupunkt-Navigation flog zwar raus - äußerst verschmerzbar für Lotus-Fans -, aber dafür hat der Zweiliter-Turbomotor mit 225 PS jetzt zwölf Prozent mehr Leistung und 300 statt 270 Nm Drehmoment - äußerst erfreulich für Lotus-Jünger. Ein größerer Lader macht es möglich. Die neue Vier-Kolben-Bremsanlage von AP Racing sorgt für fadingfreie Verzögerung. Auch das Fahrwerk wurde modifiziert: Die Karosserie liegt zehn Millimeter tiefer, und die Federn wurden straffer. Im Interieur ist das ehemalige Luxury-Paket des normalen Europa mit Holz-Schaltknüppel und Leder-Verkleidung jetzt serienmäßig. Wer will, kann freilich auch noch eine Basisversion mit 200 PS erstehen.

Der SE präsentiert sich topfit

Die kostet nun 4.000 Euro weniger als früher. Daran sollte es aber nicht scheitern, denn der neue SE präsentiert sich in top fittem Zustand - spürbar williger im Antritt und mit einem kultig lauten Wastegate-Zwitschern, als hätte sich ein Monster-Sittich im Luftfilter verfangen. Immer noch stört ein leichtes Turboloch, doch die 5,2 Sekunden von null auf 100 km/h sind nun standesgemäß. Trotz strafferem Set-up liegt der SE erwachsener auf der Straße. Besser als bisher trifft er dieses ureigene Lotus-Gefühl totaler Fahrbahn-Verbundenheit und steuert anmachend präzise und direkt durch Kurven.

Der Grenzbereich kommt gutmütig, aber Vorsicht: ESP gibt es auchgegen Aufpreis nicht. Dafür bügelt der Rennflohkleinere Wellen gekonnt weg. Nur böse Autobahn-Kompressionenbringen das Leichtgewicht aus dem Dämpfungskonzept. Der Verbrauch von 11,8 L/100 km zeigt sich recht hoch für das niedrige Gesamtgewicht und die kleine Stirnfläche. Doch das kann den Riesenspaß, den die SE-Version macht, nicht nachhaltig trüben. Für knapp 50.000 Euro ist der Europa endlich so, wie schon das erste Modell hätte sein sollen.

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