Wenn Italiens Staatspräsident Sandro Pertini in den Achtzigern seinen Vertrauten Enzo Ferrari in Maranello besuchte, fuhr er stets mit seinem Dienstwagen vor – einem Maserati Quattroporte. Eines Tages erzählte ihm der Ferrari-Chef den Grund, warum er Maserati als Konkurrenten nie ernst genommen habe: „Als ich einmal meine Autobahn- Maut entrichten wollte, stand vor meinem Ferrari ein Maserati. Als ich bezahlte, sagte der Mann am Kassenhäuschen: ‚Sehen Sie, Commendatore, das da vor Ihnen ist der Ferrari für die Armen.“‘ Wie sich die Zeiten ändern. Heute, nach der Übernahme der Dreizack-Marke durch Ferrari, ist der Quattroporte das heimliche Flaggschiff aus Luca di Montezemolos Sportwagenschmiede – auch wenn er nicht der Teuerste ist.
Gerade die wirklich Erfolgreichen, die sich und anderen nichts mehr beweisen müssen, schätzen den dezenten Auftritt des Quattroporte. Es ist der Abstand zu Schumi-Hype und Angeberei, der feinsinnigen Menschen wohl tut. Mit subtilen Details reizt der Viertürer die Sinne empfindsamer Autoliebhaber. Allein im Innenraum prangen stolz 16 Dreizacke. Der verchromte Quattroporte-Schriftzug am Armaturenbrett ist nicht aufgeklebt, sondern wie eine wertvolle Intarsie eingelassen.
Ganz genau sollte man dabei aber nicht hinsehen. Der Filz in der praktischen Ablagebox unter dem Armaturenbrett verliert schon seine ersten Härchen, und das Dämmmaterial unter der Klappe im Kofferraumboden erinnert an Billig-Putzlumpen, die aus Stoffresten gepresst werden. Ein optischer Genuss sind dagegen die breiten, annehmbar bequemen Sitze, die im Verein mit dem angenehm steil stehenden Lenkrad eine gute Position am Steuer erlauben. Das Platzangebot ist vorn wie hinten eher Unterkante Oberklasse. Doch auch im Fond sitzt man nicht schlecht, die beiden Einzel-Fauteuils lassen sich zum Liegesitz flachlegen fast wie in einem Maybach. Der beste Platz ist indes der Fahrersitz.
Maserati Quattroporte: Die neue Licht-Gestalt
Der viertürige Maserati ist eine einzigartige Alternative in der Luxusklasse: Unter dem Limousinen-Kleid verbirgt sich ein Rasse-Sportwagen mit 400 PS starkem V8-Motor.
Autor: Bernd Wieland





