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Maserati Quattroporte V8

Der Maserati Quattroporte V8 im Test

Ottocilindri steht diskret an den Flanken der Toplimousine von Maserati – ein chromglänzender Hinweis auf den Achtzylindermotor unter der vorderen Haube, der wie alle Maschinen des italienischen Exklusiv-Herstellers zwei Turbolader besitzt.

02.04.2003

Eine viertürige Mischung aus Sportwagen und Luxuslimousine – das haben noch nicht viele Hersteller gewagt. Porsche stellte ein solches Projekt, entwickelt auf der Basis des 928, noch vor der Serienreife wieder ein, die italienischen Exotenfirmen Iso und DeTomaso verkauften nicht viel mehr als eine Handvoll der nach diesem Rezept gestrickten Modelle Fidia und Deauville. Das Copyright auf den exclusiven viertürigen Sportwagen hat allerdings ein anderer Kleinhersteller: Maserati. Die Modeneser Firma, die in den fünfziger Jahren einmal den Wagen des Grand Prix- Weltmeisters stellte, wurde bereits 1926 gegründet und kann damit auf eine viel längere Tradition zurückblicken als Ferrari.

Sie hat im Mai 1993 im Schoß der großen Mutter Fiat Platz genommen, erstaunte aber bereits 1965 die Fachwelt mit dem Maserati Quattroporte, der von einem großvolumigen V8-Motor angetrieben wurde. Der Quattroporte des aktuellen Jahrgangs hat mit den früheren Versionen im S-Klasse- Format nichts mehr gemein. Basierend auf dem zweitürigen Ghibli, der im gesundgeschrumpften Maserati-Programm den Part des reinrassigen Sportwagens spielt, weist er Abmessungen auf, die deutlich unter denen liegen, die ansonsten in der gehobenen Klasse üblich sind. Ein Fünfer-BMW beispielsweise ist 22 Zentimeter länger, ein Dreier nur zwölf Zentimeter kürzer. Angesichts dieser Zierlichkeit überrascht das Raumangebot im Fond, wo auch großgewachsene Mitfahrer ihre Beine bequem ausstrecken können. Vorne sitzt man ebenfalls gut im Quattroporte, nicht zuletzt dank dem verstellbaren Lenkrad ist eine Sitzposition möglich, die nichts mehr gemein hat mit der ermüdenden Froschhaltung, zu der frühere Maserati- Modelle ihren Fahrer zwangen. Abgesehen von dieser Anpassung an das Übliche pflegt der Quattroporte einen Stil des Interieurs, der weitab liegt von den tristen Plastiklandschaften, die sich in vielen Autos selbst der gehobenen Preisklassen ausbreiten.

Weiches Leder bedeckt die Sitze und das Armaturenbrett; die Verwendung glänzenden Ulmenholzes hat einen geradezu exzessiven Charakter. Der schön gemaserte Werkstoff umgibt nicht nur die Rundinstrumente, er findet sich auch am Schalthebel und sogar an den aus der Lenksäule ragenden Hebeln für Licht und Scheibenwischer. In der italienischen Eleganz liegt zweifellos der größte Reiz des Maserati – und auch das schlagkräftigste Argument dafür, sich einen solchen Exoten zuzulegen, anstatt sich in die Masse der BMW und Mercedes einzureihen. Der Quattroporte vor der Haustür ist ein Festmahl fürs Auge. Wer ihn morgens besteigt, fühlt sich zwangsläufig immer wieder als Gourmet, der es sich leisten kann, über so profane Kriterien wie Wirtschaftlichkeit oder Servicenetz gelassen hinwegzusehen. Es sind keine Allerweltstypen, die Maserati fahren. Prominente Fans wie etwa Peter Ustinov liefern dafür das beste Beispiel. Im Auto mehr zu sehen als ein Beförderungsmittel und da- bei eine gewisse Großzügigkeit walten zu lassen erscheint unabdingbar für ein Mitglied des exclusiven Maserati-Clubs.

Denn daß in den altertümlichen Backsteinhallen des Werks in Modena nicht jene automobile Perfektion entsteht, die vor allem deutsche Spitzenprodukte auszeichnet, werden auch glühende Anhänger der Marke mit dem Dreizack zugeben. Zwar erreicht die Detailverarbeitung einen handwerklich hohen Standard, aber ein paar Meter schlechter Straße genügen, um die Struktur der Karosserie geräuschvoll zu erschüttern. Auch daß die Klimaautomatik an heißen Tagen keine Chance hat, den Innenraum ausreichend zu kühlen, gehört zu den Mängeln, die man akzeptieren muß, um an einem solchen Exoten nicht zu verzweifeln. Der Achtzylindermotor, nur 3,2 Liter groß, aber zwangsbeatmet von zwei japanischen IHI-Turboladern, macht vieles wieder wett. Für seine Abstimmung gebührt Maserati höchstes Lob, denn von jener Charakteristik, die lange als typisch galt für Turbomaschinen, ist beim Maserati wenig zu spüren.

Der Ladedruck baut sich blitzschnell auf, auch im unteren Drehzahlbereich bedeutet Vollgas heftigen Durchzug, der zu einem wütenden Orkan wird, wenn die Nadel des Drehzahlmessers die 3000/min-Marke überschreitet. Das tiefe Grollen des V8 wird dann übertönt vom Pfeifen der beiden Lader, und der Maserati katapultiert sich nach vorn wie von einer unsichtbaren Faust geschoben. Auch oberhalb von 200 km/h drückt es die Insassen noch in die Sitze, und auf Wunsch kann der Maserati mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h so ziemlich allem seine vier Auspuffrohre zeigen, was sonst noch auf der Autobahn unterwegs ist.

Allerdings: Ein Vergnügen sind solche Tempi nicht mehr, schon wegen des hohen Innengeräuschs nicht, aber auch wegen der brummenden Vibrationen des Antriebs, die man gerade von einem Achtzylinder nicht erwartet. Das Leistungserlebnis ist eindrucksvoller, als es die Meßwerte vermuten lassen. Denn bei der klassischen Beschleunigungsprüfung hat der Quattroporte Schwierigkeiten, einen optimalen Start hinzulegen, was weniger an der fehlenden Antriebsschlupfregelung liegt als an der heftig trampelnden Hinterachse.

Wer schnell unterwegs ist, wird zwei weitere nicht gerade erbauliche Eigenschaften feststellen. Da ist zunächst der Verbrauch, der wieder einmal bestätigt, daß es schon immer etwas teurer war, einen besonderen Geschmack zu haben. Die alte Weisheit, daß Turbomotoren, wenn sie überwiegend im Ladebereich arbeiten, ungezügelte Trinksitten an den Tag legen, bestätigt der Maserati auf eine Art, die auch gemessen an den guten Fahrleistungen jenseits von Gut und Böse liegt. Gravierender noch sind Abstimmungsmängel des Fahrwerks. So vermittelt die Lenkung nicht jenen direkten Fahrbahnkontakt, der für ein so schnelles Auto selbstverständlich sein sollte. Das beeinträchtigt das Sicherheitsgefühl in schnellen Kurven, obwohl der Maserati – auf trockener Fahrbahn – ein problemloses, leicht untersteuerndes Eigenlenkverhalten an den Tag legt.

Bei Nässe ist natürlich erhöhte Vorsicht geboten, denn soviel Leistung und Drehmoment ergeben eine brisante Mischung, wenn sie nicht von einer hilfreichen Elektronik gebändigt werden. Auch die Federung des Quattroporte könnte weitere Entwicklungsarbeit vertragen. Der Testwagen besaß die auf Wunsch lieferbare elektronische Dämpferverstellung, die dem Fahrer fünf Härtegrade zur Wahl stellt, von denen allerdings keiner optimal ist. Das ohnehin nur mäßige Schluckvermögen der Federung verschlechtert sich in den härteren Positionen noch weiter, und wer auf weich stellt, erlebt auf Bodenwellen lästige Karosserieschwingungen. Trotz allem: Die Sympathie, die ein entsprechend programmierter Mensch dem Quattroporte gegenüber empfindet, leidet darunter nicht unbedingt, weil das ästhetische Vergnügen überwiegt. Von Claudia Schiffer erwartet ja auch keiner, daß sie perfekt kochen kann.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot
  • stilvolles Interieur
  • umfangreiche Ausstattung
  • funktionelle Bedienung
  • unbefriedigende Steifigkeit
Antrieb
  • gute Leistungscharakteristik
  • sehr gute Fahrleistungen
  • exakte Schaltung
  • gut gestuftes Getriebe
  • Vibrationen im oberen Drehzahlbereich
Fahrkomfort
  • geringe Bedienungskräfte
  • bequeme Sitze
  • eingeschränkter Federungskomfortvor allem im Fond
  • hohes Innengeräusch
  • schwache Klimaanlage
Fahreigenschaften
  • guter Geradeauslauf
  • befriedigende Handlichkeit
  • unexakte Lenkung
  • Trampelneigung der Hinterachse
  • keine Antriebsschlupfregelung
Sicherheit
  • sehr gut verzögernde und standfeste Bremsen
  • Crashschalter für Benzinpumpe
  • Gurtstraffer vorn
  • Seitenaufprallschutz
  • kein Beifahrer-Airbag
Kosten
  • hoher Anschaffungspreis
  • kurze Wartungsintervalle
  • hoher Wertverlust
  • hohe Unterhaltskosten
  • dünnes Servicenetz
Umwelt
  • Einsatz wasserlöslicher Lacke
  • hoher Verbrauch
Technische Daten
Maserati Quattroporte V8-3.2
Grundpreis69.382 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4550 x 1810 x 1380 mm
KofferraumvolumenVDA495 L
Hubraum / Motor3217 cm³ / 8-Zylinder
Leistung247 kW / 335 PS (450 Nm)
Höchstgeschwindigkeit270 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,8 s
Verbrauch13,7 L/100 km
Testverbrauch16,3 L/100 km
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