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Maserati Spyder Cambiocorsa Test

Sportliches Cabrio mit frischem Wind

Maserati Spyder Cambiocorsa Foto: Hans-Dieter Seufert 4 Bilder

Mit dem Maserati Spyder Cambiocorsa entledigt sich Maserati seiner verstaubten Traditionen. Jetzt werden moderne Maßstäbe erfüllt.

31.12.2003 Eckhard Eybl

Es muss sich niemand dafür genieren, beim Blick unters Blechkleid einen roten Kopf zu bekommen. Nacktheit ist bei Motoren ein seltenes Gut, werden neue Triebwerke doch meist mit attrappenartigen Motorblenden drapiert, die nur noch billige Blenderfunktionen erfüllen.

Außerdem offenbart der 4,2-Liter-V8 optische Reize wie eine Moulin Rouge-Tänzerin. Die roten Zylinderköpfe lassen Betrachter über den roten Bereich an sich sinnieren, die runde Ansaugspinne über dem V-Ausschnitt des Motors wirkt ausladend und üppig.

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Test Maserati Spyder Cambiocorsa
auto motor und sport 01/2002
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Der Gegenpol zur Sportmaschine steckt in einem Schalter auf der Mittelkonsole. Zum Öffnen und Schließen nimmt sich das Verdeck alle Zeit der Welt; ganze 30 Sekunden zum Aufmachen und sogar noch zehn mehr zum Zumachen.

Beides – die sportliche Duftnote genauso wie eine Portion Gelassenheit – ist auch im Innenraum verarbeitet. Das Cockpit wirkt auf den ersten Blick so lässig wie ein weit geschnittener Jogging-Anzug, entpuppt sich jedoch aus der Sitzposition hinter dem Volant so funktionell wie ein Rennoverall.

Der Längsverstellbereich der Sitze ist groß genug, um auch lange Beine zu verstauen, die Taillierung in den Rückenlehnen hält den Oberkörper selbst in scharfen Kurven wie in Gardehaltung aufrecht. Instrumente und Bedienungselemente liegen exakt im Blickfeld und so gut zur Hand, dass man sich auch ohne abgeschlossenes Studium der Betriebsanleitung instinktiv zurechtfindet. Der unvermeidliche Bildschirm für Bordcomputer, Musikanlage, Telefon und Navigation (Aufpreis 2.275 Euro) passt organisch in die zentrale Bedienungseinheit auf der Mittelkonsole.

Auf dem griffigen Lenkrad fehlt kein einziger der nicht vorhandenen Knöpfe, und selbst das Fassungsvermögen der Ablagen deckt den entsprechenden Bedarf des typischen Maserati-Fahrers (Sonnenbrille, Handy, Veronelli-Restaurantführer) bei weitem. Der opulente Schwung von Instrumententräger und Armaturenbrett, die makellos verarbeiteten Lederbezüge und die typische Ellipse der Analoguhr zeigen wieder, dass Luxus eine Stilfrage ist, die mit dem Design von Großserienautos nicht beantwortet werden kann.

Der Maserati ist momentan ausschließlich als 90.000 Euro teurer Spyder Cambiocorsa lieferbar, die Version mit manuell schaltbarem Sechsganggetriebe (Preis 85.000 Euro) wird erst ab Frühjahr 2002 produziert.

Die Semiautomatik Cambiocorsa entspricht der Ferrari F1-Schaltung des 360 Modena, kommt also ohne Kupplungspedal aus. Dafür ist das Bremspedal doppelt so breit und füllt den Fußraum derart aus, dass das linke Bein nicht mehr ausgestreckt werden kann, sondern – betont maseratilässig – leicht angewinkelt auf der Fußstütze geparkt werden muss.

Der neu entwickelte Leichtmetall-V8 mit exakt 4244 cm3 Hubraum und das Cambiocorsa-Getriebe, bei dem das Kuppeln und Gangwechseln von Stellmotoren übernommen wird, ergänzen einander wie Yin und Yang.

Mit einer Kurbelwellenkröpfung von 90 Grad ist der Maserati-Motor bei den Massenmomenten komfortabler ausgelegt als die Ferrari-Triebwerke mit den flachen Kurbelwellen. Vom theoretischen Leistungsverlust gegenüber einer 180-Grad-Kurbelwelle wegen ungleichmäßiger Zündung ist nichts zu spüren.

Der 4,2-Liter-V8 hat ab Leerlaufdrehzahl einen Schlag wie Bud Spencer und zündet im oberen Tourenbereich noch einen hübschen Nachbrenner. Der Maserati Spyder bürstet im Sprint von null auf 100 km/h den neuen Mercedes 500 SL und hängt in der Elastizität sogar den hubraumstärkeren Morgan Aero 8 ab.

Diesseits seiner beeindruckenden Raketen-Statistik entzückt der Motor mit einer Lässigkeit, von der sich selbst italienische Machos zwischen Jesolo und Rimini noch eine Scheibe abschneiden könnten. Für den Geschwindigkeitsbereich zwischen 52 und 280 km/h genügt lediglich ein Gang – der sechste.

Das Cambiocorsa-System arbeitet so diskret wie wirkungsvoll, schlenzt die Gänge kurz und knackig ein und legt beim Herunterschalten im Sport-Modus sogar noch eine Schaufel Zwischengas ein.

Der Sport-Modus kombiniert eine härtere Dämpferregelung des Fahrwerks mit einem schnelleren Schaltmodus des Getriebes und einem späteren Eingreifen der Antriebsschlupfregelung ASR zur höchsten Weihe für ein Wirken und Fahren in Imola und Vallelunga.

Im einfachen Leben auf normalen Straßen wäre es praktischer, die unterschiedlichen Funktionen individuell verändern zu können.

Nichts verändert werden muss an Lenkung und Fahrverhalten. Der Maserati Spyder Cambiocorsa reagiert blitzartig auf kleinste Bewegungen des Lenkrads. Obwohl die Lenkung fast frauenfreundlich leicht ausgelegt ist, löst sie keine nervösen Überreaktionen aus, zieht den Spyder in einem Bogen durch die Kurven und vermittelt dabei auch noch jene Art von Rückmeldung, die selbst in Sportwagen nicht mehr selbstverständlich ist.

Ähnlich souverän ist das Fahrwerk. Die Bremswerte liegen knapp unterhalb jener des neuen SL 500. In der Testserie mit warmer Bremse war ein Nachlassen der Verzögerung nicht festzustellen.

Im Wedeltest mit 18 Meter Pylonenabstand entpuppt sich der Spyder Cambiocorsa als legitimer Nachfolger von Alberto Tomba. Schließlich stammt der italienische Slalom-König ebenfalls aus Bologna, wo die Brüder Maserati 1926 ihre Autofirma gegründet hatten.

Allerdings leistet sich der Spyder weniger exaltierte Manieren als Tomba und verzichtet im Grenzbereich auf provokante Lastwechselreaktionen. Reißt die Seitenführung ab, schiebt der Maserati zunächst etwas über die Vorderräder, bevor das Heck zu einem Schwenker ansetzt, der sich mit Gaspedal und Lenkrad problemlos kontrollieren lässt.

Der Motor klingt nach gemäßigtem Bariton, der im Geräusch des Fahrtwinds allerdings nur für die zweite Stimme im Hintergrund zuständig ist. Dabei ist die Frischluft selbst nur Zugabe zum Maserati-Feeling, das auch im Alltag besteht: Das Verdeck ist gefüttert, der Kofferraum groß genug für zwei Golftaschen, und der Automatik-Modus zieht den Spyder gelassen durch den Stoßverkehr. Sinken im Herbst die Temperaturen in die Limousinen-Bereiche, reagiert der Spyder mit seinem eigenen Klima. Windschott aufgezogen, Sitzheizung eingeschaltet, Sport-Modus gedrückt, Kappe in die Stirn gezogen, und Offenfahren wird wieder einmal zum Abenteuer.

Im Segment der Luxus-Cabrios füllt der Maserati Spyder die reizvolle Lücke zwischen Ferrari 360 und Mercedes SL. Dabei verkörpert er nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern die bestmögliche Synthese.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gute Übersichtlichkeit
  • solide Verarbeitung
  • gute Platzverhältnisse
  • praktische Ablagen
  • ausreichend Kofferraum
  • zu langsamer Verdeckmechanismus
Fahrkomfort
  • straffe, nicht unkomfortable Federung
  • gute Sitze
  • einstellbare Dämpfung
  • übersichtliche Bedienung
  • hohe Windgeräusche
Antrieb
  • kultivierter und leistungsstarker V8-Motor
  • sehr hohe Fahrleistungen
  • hervorragende Elastizität
  • schnell und weich arbeitende Schaltung
  • hoher Verbrauch
Fahreigenschaften
  • sehr guter Geradeauslauf
  • präzise Lenkung
  • neutrales Kurvenverhalten
  • sehr gutes Handling
  • Sport-Modus für Antriebsschlupfregelung
  • Sicherheitausgezeichnete Bremsen
  • Seitenairbags
  • serienmäßigzwei Überrollbügel
  • ESP nicht lieferbar
Umwelt
  • wenig Kunststoffanteil
  • hoher Verbrauch
  • keine D4-Einstufung
Kosten
  • 3 Jahre Garantie
  • hoher Anschaffungspreis
  • hohe Unterhaltskosten

Fazit

Der deutliche Schuss Ferrari verbessert neben Motor und Getriebe vor allem die Alltagstauglichkeit. V8-Motor und das ausgewogene Fahrverhalten machen mindestens so viel Spaß wie das reine Cabriogefühl. Noch ist ESP auch als Extra nicht lieferbar.

Technische Daten
Maserati Spyder GT
Grundpreis92.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4303 x 1822 x 1305 mm
KofferraumvolumenVDA300 L
Hubraum / Motor4244 cm³ / 8-Zylinder
Leistung287 kW / 390 PS (451 Nm)
Höchstgeschwindigkeit283 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,0 s
Verbrauch18,6 L/100 km
Testverbrauch15,9 L/100 km
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