Mercedes B 200 CDI im Praxistest

Ist die B-Klasse noch eine B-Klasse?

Mercedes B 200 CDI, Front

Mit der neuen Mercedes B-Klasse geht es weg vom vanartigen Raumwagen hin zu einem deutlich dynamischeren Kompaktauto. Grund genug, die Dieselvariante B 200 CDI im Praxistest erst einmal gründlich zu untersuchen.

Die Mission der Mercedes B-Klasse: junges Publikum für sich begeistern - ohne die ältere Kundschaft zu verschrecken. Die Mittel: eine optisch gefälligere Karosserie, die immer noch viel Raum und Variabilität verspricht und sich mittels vier zusätzlicher Ausstattungslinien vom Durchschnitts-Benz in ein cooles Familienmobil verwandeln lässt.

Im Vergleich zum Vorgänger ist der wie bisher als Sports Tourer titulierte Kompakte nun neun Zentimeter länger und fünf Zentimeter flacher geworden, das hochwertig ausstaffierte Cockpit gefällt mit nahezu perfekter Ergonomie und üppiger Serienausstattung (sieben Airbags, Klimaanlage, CD-Radio und elektrische Fensterheber). So dürften sich Jung und Alt im Mercedes B 200 CDI sofort zu Hause fühlen. Nur die umständliche Bedienung der lobenswert vielen optionalen Fahrerassistenzsysteme über das Bordcomputer-Menü und das auffällige Knistern im Gebläsegebälk bei Temperaturveränderungen sollten die Techniker noch mal checken.

Mercedes B 200 CDI ab 29.810 Euro

Ob die neue B-Klasse nun an Raumgefühl verloren hat? Nein - hat sie nicht. Der Einstieg in den Mercedes B 200 CDI (ab 29.810 Euro), der sich mit reichlich Chrom, Sportfahrwerk und gelochten Bremsscheiben (Sport-Paket 1.571 Euro) einschmeicheln möchte, fällt wie beim Vorgänger leicht. Die Türen öffnen weit, die Ausschnitte sind groß bemessen - ein Vorteil für ältere Insassen und alle Eltern, die ihre Kinder noch anschnallen müssen. Vier Personen finden auch auf langen Strecken bequemen Unterschlupf, können ihr Gepäck im hochwertig ausgekleideten Kofferraum verstauen und dürfen sich zudem über die enorme Kopffreiheit freuen. Nur der mittlere Platz im Fond des Mercedes B 200 CDI ist eher für kleine Gäste. Letzteren dürfte es allerdings an Ablagen fehlen. In den Türen ist lediglich Platz für kleine Flaschen, nicht aber für Playmo oder Gameboy. Besser also gleich das Ablagenpaket (226 Euro) inklusive klappbaren Tischchen und Gepäcknetzen an den Vordersitzen mitbestellen.

Vorne hat man im Mercedes B 200 CDI hingegen die Wahl zwischen Stauraum in den Türen, Handschuhfach, Dosenhaltern und einem großen Fach in der Mittelkonsole. Für Smartphones findet sich allerdings auch hier keine passende Unterkunft.

Variabler Kofferraum nur gegen Aufpreis

Einfacher lässt sich der 486 Liter große Kofferraum der Mercedes B-Klasse befüllen. Die Ladekante ist mit 62 Zentimetern angenehm niedrig und erleichtert so das Einpacken von Kinderwagen oder Getränkekisten. Eine ebene Ladefläche erhält allerdings nur, wer das Laderaumpaket inklusive höhenverstellbarem Boden bestellt (77 Euro). Auch fehlt es an optionalen Gepäcknetzen - kleinere Einkäufe kommen so gerne mal ins Rutschen. Mit dem Easy-Vario-Plus-System findet sich in der Preisliste dafür ein Extra, das die Variabilität der B-Klasse noch mächtig steigert (672 Euro). Dazu gehört eine um 14 Zentimeter getrennt längs verschiebbare Rückbank, bei der sich auch die Lehnen verstellen lassen. Selbst eine Waschmaschine soll in den bis zu 666 Liter großen Kofferraum des Fünfsitzers passen. Wir konnten das leider nicht nachprüfen, da unser Testwagen nur über eine starre Bank verfügte. Mit umgeklappter Rückbank schlucken beide Varianten maximal 1.545 Liter

Alles eingepackt? Dann los. Als erstes fällt die leichtgängige Direktlenkung auf, mit der sich der Mercedes B 200 CDI flott durch die Stadt manövrieren lässt. Mit zunehmender Geschwindigkeit reduzieren sich dann Lenkkraftunterstützung und -übersetzung (Serie beim Sportpaket). Diese Taktik sorgt dafür, dass der Sports Tourer auch auf Autobahnetappen jenseits der 130 km/h schön spurstabil bleibt und sich auch exakter durch Kurven führen lässt.

Als ungebührlich hart entpuppt sich dagegen das Sportfahrwerk des Mercedes B 200 CDI. Ob langsam überquerte Asphaltschäden in der Stadt oder kurze Bodenwellen über Land: Trotz spezieller amplitudenselektiver Dämpfer lässt uns unsere um 15 Millimeter tiefergelegte Mercedes B-Klasse jede Malaise spüren. Langstreckenkomfort? Eher nicht. Wer sich diesen wünscht, sollte das Komfortfahrwerk wählen.

Mercedes B-Klasse mit Sportfahrwerk nicht Langstrecken-tauglich

Der neu entwickelte, von 2,1 auf 1,8 Liter Hubraum verkleinerte 136 PS starke Selbstzünder, ein Ableger des bekannten Common-Rail-Diesels OM 651, punktet dagegen mit guten Fahrleistungen (8,8 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h) und einem niedrigen Testverbrauch (6,9 L/100 km). Mit seinen 300 Newtonmetern, die sich dank dem sehr leichtgängigen und präzise zu schaltenden Sechsganggetriebe noch bei 3.000 Touren abrufen lassen, entwickelt der teils recht kernig klingende Vierzylinder genügend Temperament und Durchzugskraft, um selbst eine maximal zwei Tonnen schwere Mercedes B-Klasse ans Urlaubsziel zu befördern.
 
Zurück zur Mission B. Der behäbige Auftritt des Vorgängers? Ist mit dem Sports Tourer Mercedes B 200 CDI schnell vergessen. Design, Platzangebot, Variabilität und Ausstattungsvielfalt sowie das große Angebot an Fahrerassistenzsystemen heben die Mercedes B-Klasse auf standesgemäßes Mercedes-Niveau. Nur die Wörtchen Sports und Tourer passen immer noch nicht recht zusammen.

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Michael von Maydell

Autor:

auto motor und sport, Heft 24 / 2011

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