Mercedes-Benz E 350 CGI T-Modell: Geräumiger Luxus-Kombi im Test

Mercedes-Benz E 350 CGI T-Modell

Vor 32 Jahren präsentierte Mercedes den ersten Kombi für Besserverdienende. Sein Ur-Ur-Enkel muss nun beweisen, ob er alles das leisten kann, was von einem Auto seines Formats erwartet wird.

Für langjährige Mercedes-Fahrer muss es klingen, als leide der Vorstand ihrer Lieblingsmarke nun an akuter Großzügigkeit: Die elektrisch öffnende Heckklappe gehört nun endlich zum Serienumfang des neuen T-Modells der Mercedes E-Klasse. Doch Kenner der besonders variablen Sternmobile wissen: Mit kombispezifischen Nettigkeiten geizte Mercedes nie. War in der Baureihe W 123 die unkompliziert zu einer ebenen Ladefläche umlegbare Rückbank noch das Highlight, ergänzten später unter anderem Dachreling, Niveauregulierung sowie das so genannte Doppelrollo den Ausstattungsumfang - was dem T-Modell den Ruf eines Vollwert-Kombis einbrachte.

Ein geräumiger und sehr variabler Innenraum zeichnet das T-Modell aus

Daran soll die Neuauflage anknüpfen, die als weiteres zusätzliches Gimmick die Entriegelung der Rücklehne per Zuggriff von der D-Säule aus ins Feld führen kann - ein Kniff, den der Mazda 6 Kombi bereits 2002 mit an Bord hatte. Dazu kommt der in mehreren Stellungen arretierbare Ladeboden, um die darunter liegende Mulde beispielsweise zum Transport von hoch gewachsenen Zimmerpflanzen zu nutzen. Doch wohin dann mit dem sperrigen Zwischenboden? Und wenn die - nach wie vor einmalige - Klappsitzbank mitbestellt wurde (1.083 Euro Aufpreis), muss das große Grünzeug ohnehin zugunsten kleiner Kinder zu Hause bleiben. Nicht nur der Nachwuchs wird sich im geräumigen und sehr variablen Innenraum ohnehin pudelwohl fühlen. Bereits bei aufgestellten Rücksitzen bleibt genug Platz, um die Beine baumeln zu lassen und sich zu strecken, ohne Bruder oder Schwester zu nahe zu kommen.

Im Fond bietet das T-Modell drei Zentimeter mehr Kopffreiheit als die Limousine

Bei umgeklappter Lehne können noch die Freunde zum Toben auf der bis zu zwei Meter langen und zwischen den Radkästen 1,10 Meter breiten Ladefläche vorbeikommen, die im Notfall sogar als Nachtlager dienen könnte. Und wenn die groß gewachsenen Freunde der Eltern mitreisen, bleiben ihnen in der zweiten Reihe neben dem aus der Limousine bekannten üppigen Knieraum zusätzlich noch drei Zentimeter mehr Kopffreiheit.

Komfortorientiertes Fahren bleibt die Paradedisziplin des Mercedes

Das unterstreicht einmal mehr den konsequent komfortorientierten Charakter der aktuellen E-Klasse-Generation. Zum Test rollte das T-Modell auf der 16-Zoll-Serienbereifung mit 55er-Querschnitt und verzichtete auf besondere Fahrwerksextras. Trotz der kombispezifisch strafferen Dämpfer und Stabilisatoren bleibt das beeindruckend souveräne Plätten von Bodenwellen jeglicher Art die Paradedisziplin des Mercedes. Nichts bringt ihn aus der Ruhe, wobei auch kein übermäßiges Nachschwingen der Karosserie empfindliche Mägen belastet. Das gilt auch bei artgerechter Beladung. Mit einer Zuladung von 569 Kilogramm darf in die E-Klasse deutlich mehr eingepackt werden als in einen Audi A6 Avant 3.0 T (525 Kilogramm) und in einen BMW 530i Touring (479 Kilogramm). Angesichts des üppigen Raumangebotes sollte man jedoch genau nachrechnen, bevor das T-Modell mit Trollinger-Kisten vollgeladen wird.

Der über 1,8 Tonnen schwere Kombi fühlt sich überraschend leichtfüßig an

Doch bei allem Nutzwert und Komfort soll sich das T-Modell schließlich auch flott um Kurven werfen lassen - behauptet zumindest der Hersteller und begründet dies mit den serienmäßigen adaptiven Dämpfern. Der über 1,8 Tonnen schwere Kombi fühlt sich tatsächlich leichtfüßig an. Die Messwerte zeigen jedoch, dass einige Wettbewerber flotter durch die Pylonen wedeln - was dem Viertel aller E-Klasse-Kunden, die sich jährlich für ein T-Modell entscheiden sollen, ziemlich egal sein wird. Sie erwarten von ihrem Auto hohen Komfort, nicht zuletzt beim Antrieb.

Dem 292 PS starken Sechszylinder-Benziner mangelt es an Durchzugskraft

In dem Kapitel leistet sich der Mercedes E 350 CGI eine seiner wenigen Schwächen: den Motor. Von einem 292 PS starken Sechszylinder-Benziner kann der Käufer eine ordentliche Portion Souveränität erwarten, die ihm der Direkteinspritzer jedoch vorenthält. Sein maximales Drehmoment von 365 Newtonmetern liegt erstens nur knapp über dem des 136 PS starken Basis-Diesels und zweitens erst bei 3.000 Umdrehungen an. Für die an den V6 gekoppelte Siebenstufenautomatik bedeutet das viel Arbeit, die sie professionell erledigt.

Der Blue Efficiency-Kombi verbraucht 7,9 Liter Kraftstoff

So schnell und behände, wie eine schwäbische Hausfrau Spätzle schabt, sortiert das Getriebe die Gänge, um die Durchzugsschwäche des Motors zu kompensieren. Gut, dass die Ingenieure den Wählhebel gleich an die Lenksäule verräumt haben. Das schafft Platz für weitere Ablagen, an denen es der E-Klasse ohnehin schon nicht mangelt. Die Schaltpaddel am Lenkrad dürften dagegen nur sehr sportlich orientierte Fahrer reizen. Mag seine Arbeitsweise das 3,5-Liter-Triebwerk im SLK zum "Sportmotor" (Mercedes-Jargon) adeln, so geht es mit dem T-Modell keine harmonische Beziehung ein. Dort schmückt sich der Saugmotor mit Blue Efficiency- Schriftzug, genehmigt sich auf der Normrunde akzeptable 7,9 Liter Kraftstoff. Der dank Kompressor mit weit mehr Drehmoment gesegnete Audi kommt mit 0,1 Liter weniger aus.

Grundpreis des Testwagens beläuft sich auf 57.078 Euro

Wenig glorreich liest sich zudem die Preisliste. Kein T-Modell wechselt für weniger als 40.000 Euro den Besitzer, der Grundpreis des Testwagens beläuft sich auf 57.078 Euro. Annehmlichkeiten wie Lederpolster, Navigation, die empfehlenswerte Sprachsteuerung oder die zahlreichen Assistenzsysteme sind darin selbstverständlich nicht enthalten. Trotz der aufpreisfreien elektrischen Heckklappe bleibt sich Mercedes also bei der selbstbewussten Preisgestaltung treu - netterweise jedoch auch bei allen positiven Eigenschaften, die T-Modelle seit jeher auszeichnen.

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Jens Dralle

Autor:

auto motor und sport, Heft 23 / 2009

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