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Mercedes CLK 320

Ein neuer Rücken bereichert die Coupé-Landschaft: der Mercedes CLK. Für die Tradition der schwäbischen Marke hat er eine besondere Bedeutung. Mit frischem Interieur und leistungsstarken Motoren soll er eine jüngere Käuferschicht ansprechen. Im Test die Spitzenversion CLK 320.

02.04.2003

Nicht alle neuen Autoserfahren so viel Aufmerksamkeit wie das neue Mercedes Coupé. Es ist ein braverSchwabe mit seiner alten E-Klasse, der den Tester ungehemmt während einerRotphase an der Ampel zum Dialog nötigt. „I hab oin bschtellt, aber noch netgsäh“, preßt der Mann atemlos heraus, glücklich, das neue Renommierstück ausder Heimat schon in natura zu erleben. Seine Frau verrät, daß der Gatte nurnoch mit dem CLK-Prospekt zu Bette ginge. Das Auge ißt eben wieder stärker mitim Automobilgeschäft. Neu ist der Reiz des Coupés in der Geschichte des Automobilsja nun wirklich nicht, und doch kann man von einer neuen Sinnlichkeit sprechen.Alles ist optimiert, der Grenzbereich, die Leistung, der Verbrauch und derLuftwiderstandsbeiwert. Da bleibt als größte Spielwiese wieder einmal die Form –jenes Element, dessen Verführungspotential eine der wichtigsten Rollen spielt.

Dazukommt auch im Falle des CLK jenes optische Signal, das über die typischeFastback- Linie eine klare Botschaft verheißt. Hier lautet sie nicht einfach nur,daß die Kinder aus dem Haus sind. Eher scheint der CLK zu sprechen, seineBesatzung habe es, bei Preisen zwischen 56 000 und knapp 80 000 Mark,finanziell geschafft. Auf Platz kann man verzichten – der Vorteil ist diesmal, ihnnicht zu brauchen. Oder, wie die Gemahlin des unbekannten CLK-Käuferssinnbildlich formulierte: „Mir hen nur noch oin Hund.“ Ein kleines Coupé istdie jüngste Daimler-Kreation für, so Mercedes, „junge und junggebliebene Menschen“trotzdem nicht. Die Bodengruppe entspricht samt Fahrwerk der C-Klasse, und dervöllig neu gestaltete Aufbau mit dem von der E-Klasse übernommenen Vier-Augen-Gesichtsorgt nicht nur von der weich geschwungenen, gut proportioniertenLinienführung, sondern auch von den Abmessungen her für seriöse Stattlichkeit.

In der Außenlänge liegt der CLK mit 4,57 Metern immerhin acht Zentimeter über derC-Klasse, aber er istauch beruhigende 23 Zentimeter kürzer als ein E. Der optische Gesamteindruck istnicht der eines zierlichen Autos. Man vertraut bei Mercedes hier noch ganz denalten Werten – wohl wissend, daß auch eine gute Form erst ab einer gewissenLänge etwas hermacht. Die noch in diesem Jahr debütierende A-Klasse ist ohne Zweifelraumökonomischer. Doch bei den Coupés gelten bekanntlich andere Maßstäbe. Wasman einer Limousine übelnähme, ist hier noch tolerabel.

Man will die Schwiegermutter ja nicht unbedingt zumMitfahren ermutigen, aber wenn es sein muß – bitte. Auf die beiden Einzelsitze imFond gelangt sie über die Einstiegshilfe namens Easy- Entry, bei der nachBetätigung eines Hebels an der vorderen Sitzlehne nicht nur diese nach vorneklappt, sondern per Federkraft der komplette Sitz nach vorne rückt. Es ist,verglichen mit der Limousine, trotzdem nicht ganz einfach, nach hinten zuklettern. Doch wenn man erst einmal im Fond Platz genommen hat, kann man den gebotenenKomfort für durchaus mehr alten als ein gut gemachtes Provisorium.Formenbedingt ist die Kopffreiheit bescheiden, der Beinraum ist nicht üppig, reichtaber aus, so daß die Vorstellung, hier ausnahmsweise einmal ein paar 100Kilometer ausharren zu müssen, niemand den Schlaf raubt. Der Kofferraum ist mitseiner Teppichauskleidung und der guten Zugänglichkeit appetitlich anzusehenund mit 420 Liter Volumen vergleichsweise geräumig.

Die Rückenlehnen derFondsitze lassen sich im üblichen Zweidrittel/Eindrittel- Verfahren umklappen,was die Nutzbarkeit erhöht. Doch ein Coupé soll ja lieber Lust bereiten, unddies gelingt dem Frontbereich im allgemeinen besser. Das Raumgefühl vorne istsehr gut, und auch an den Sitzen – Neukonstruktionen, die mit ihrer flachenSitzfläche den tiefer liegenden Hüftpunkt im Sinne ausreichender Kopffreiheit berücksichtigen– gibt es nichts auszusetzen. Ergonomisch stimmt auch dieser Mercedes, hinzukommtdie gewohnteFunktionalität – selbst mit dem traditionellen Kombihebel für Blinker und Wischerschalter.Ein wenig ins Grübeln kommt man trotzdem: Die Innenanmutung der „Sport“genannten Basisversion, die es neben der teureren „Elegance“-Linie zu wählen gibt,könnte von vielen stammen, nur nicht von Mercedes.

Die sogenannte Carbon-Optik schafftzusammen mit den modisch hell unterlegten Instrumenten und ungewohnten Farbkombinationendas Bild eines gewollten Abrückens aus dem bürgerlichen Lager, in das derunrebellische CLK zweifellos gehört. Man hat schon stilsichereres Auto-Ambienteerlebt, ohne gleich wieder den Ruf nach dem altmodischen Karo-Drei-Sitzbezugertönen zu lassen. Die Innenraumfrische wirkt aufgesetzt, selbst wenn ihrGefallen natürlich Geschmacksache bleibt.

An die Abschaffung des herkömmlichen Zündschlüssels mußman sich ebenfalls gewöhnen, speziell daran, was das bartloseElektronikkästchen, das freilich nach wie vor eingeführt und zum Startengedreht werden muß, so alles kann. Das Wichtigste ist wohl nicht die „Komfortschließung“der Seitenfenster, sondern, wie bei US-Autos längst üblich, die automatischeTürverriegelung nach dem Anfahren. Der Serienkiller muß sich anderweitig umsehen,am einfachsten bei der Konkurrenz. Natürlich läßt sich mit dem neuen „Zugangs-und Fahrberechtigungssystem“ (Mercedes- Diktion) nebenbei noch der Motorstarten – jener in der E-Klasse jüngst debütierende Sechszylinder in V-Form,der mit Dreiventiltechnik in seiner derzeit größten Version auf 218 PS und einmaximales Drehmoment von 315 Newtonmeter kommt. Mit seinem prinzipiellungünstigen Zylinderwinkel von 90 Grad stellt er die bange Frage, ob man denntrotz Ausgleichswelle mit vergleichbarer Laufruhe wie beim ausrangierten Reihen-Sechserrechnen kann.

Doch die Motor-Gourmets können beruhigt aufatmen. Zwar ist dasKlangbild anders als früher, aber es ist von angenehmer Kräftigkeit bei vollerLast. Vibrationensind kein Thema – auchwenn es stimmt, daß der Reihensechszylinder bei hohen Drehzahlen mehrGeschmeidigkeit bot. In der Praxis spielt dies keine Rolle – der V6 kann alles,was man in der Upperclass erwartet. Exzellent ist das Zusammenspiel deskraftvoll zupackenden Antriebs mit der serienmäßigen Fünfgangautomatik. Daß eskein Schaltgetriebe gibt, erscheint nicht als Mangel, zumal die Fahrleistungen miteiner Beschleunigung von null auf 100 km/h in nur 7,4 Sekunden andeuten, wasder stärkste CLK aufbietet. Er ist nicht nur ein sehr kultiviertes, angemessensparsames (Testverbrauch 11,0 L/ 100 km), sondern auch ein sehr schnelles,fahraktives Auto.

Der Testwagen hatte die ohne Mehrpreis lieferbareSport-Abstimmung des Fahrwerks, die bei einem guten Basiskomfort kleine Einschränkungenbei Langsamfahrt auf welliger Bahn erkennen läßt. Während sie hier eine gewisseSteifheit zeigt, werden große Wellen souverän weggefedert. Die Handlichkeit ist,nicht zuletzt wegen der sehr exakten, wenn auch nicht besonders leichtgängigen Servolenkungfür das Wagenformat ausgezeichnet. Auch der Geradeauslauf ist besser als bei derE-Limousine, die Bremsen zeigen sich standfest. Kurven nimmt der CLK souveränneutral und frei von Lastwechseln. An dieser Stelle zeigt der jüngste Mercedesechte Sportwagen-Qualitäten, die ihm zusammen mit der üppigen Motorisierungeinen weit höheren Stellenwert vermitteln, als man ihn bei der klassischen Coupé-Klientelerwartet. Die knackigen Mitte-Dreißiger sind jetzt gefordert, nicht nur diesolventen Ruheständler. Mit 78 085 Mark ist der CLK 320 nicht eben billig. Auf deranderen Seite stellt er dafür ziemlich genau das dar, was man einenvernünftigen Traum nennen könnte.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gute Verarbeitungsqualität, funktionale Bedienung, gute Serienausstattung, variabler Kofferraum
  • eingeschränkter Beinraum hinten
Antrieb
  • sehr gute Fahrleistungen, niedriges Drehzahlniveau, schwingungsarmer Lauf, günstige Übersetzung, perfekte Automatik
Fahrkomfort
  • gute Sitze, ausgewogener Federungskomfort, angenehmes Motorgeräusch, geschmeidiges Abrollen
  • laute Windgeräusche
Fahreigenschaften
  • neutrales Kurvenverhalten guter Geradeauslauf, exakte Servolenkung, gute Handlichkeit, keine Lastwechselreaktionen
Sicherheit
  • standfeste Bremsen, zwei Airbags vorne, Sidebags serienmäßig, Gurtstraffer und Kraftbegrenzer, vier Kopfstützen
Kosten
  • lange Ölwechsel-Intervalle, wartungsarmes V6-Triebwerk
  • Wertverlust vermutlich hoch, hohe Unterhaltskosten, kurze Garantie (ein Jahr)
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 2, relativ günstiger Verbrauch, recyclebare Kunststoffe
  • keine Rücknahmegarantie
Technische Daten
Mercedes CLK 320
Grundpreis42.347 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4567 x 1722 x 1345 mm
KofferraumvolumenVDA420 L
Hubraum / Motor3199 cm³ / 6-Zylinder
Leistung160 kW / 218 PS (310 Nm)
Höchstgeschwindigkeit240 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h7,4 s
Verbrauch10,1 L/100 km
Testverbrauch11,1 L/100 km
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