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Mercedes CLK 55 AMG

Bei AMG kommt nach der E-Klasse nun auch das Mittelklasse-Coupé CLK in den Genuss des 5,5 Liter großen V8-Motors.

19.06.2000

Wer schon immer mal herausfinden wollte, wie die Superreichen sich ihrer Peanuts entbürden, dem empfiehlt sich ein Blick in die Preisliste von AMG. Der Mercedes-Veredler des werksseitigen Vertrauens weiß, was er seiner Kundschaft schuldet. Den Gesetzen der Branche folgend werden für Super-Autos auch Mega-Preise genommen. Dürstet es den Käufer gar nach der Top-Variante des Mercedes CLK – bei AMG versteht man es, das Coupé in eine auch preislich adäquate Kostbarkeit zu verwandeln. Da können es schon Kleinigkeiten sein, die Freude machen: eine Mittelkonsole in schwarzem Birkenfurnier an Stelle ordinärer Nußbaumwurzel etwa für 5197 Mark plus 429 Mark Montage – oder auch nur eine schlichte Innenleuchten-Blende (Birke, schwarz) für 998 Mark (plus 58 Mark fürs Anbringen).

Wer der Schalthand mit kühlem Metall zu schmeicheln gedenkt, könnte sich des weiteren eine Edelstahl- Schalthebelplakette mit AMG-Schriftzug gönnen (696 Mark, 58 Mark Montage). Oder man ordert den AMG-CLK gleich als Komplettangebot. Eine Rundumbehandlung mit allem, was das AMG-Programm technisch und stilistisch hergibt, kostet 114 150 Mark. Damit läßt sich ein serienmäßiger CLK 430 spielend auf über 230 000 Mark verteuern, was zugleich zum Schriftzug CLK 55 berechtigt. Denn wo sich zuvor der handelsübliche 4,3 Liter-V8-Motor befand, verstaut AMG jetzt jenes eigenhändig auf 5,5 Liter vergrößerte Derivat, das auch den AMGMercedes E 55 befeuert. Die Folge sind 347 PS und ein maximales Drehmoment von 510 Nm statt vormals 279 PS und 400 Nm. Die Kraftübertragung obliegt einem Fünfgang- Automatikgetriebe, dessen Schaltkennlinien von AMG auf sportlich getrimmt werden. Außerdem wird der Achsantrieb mit einer längeren Übersetzung ausgestattet.

Natürlich gehört zum technischen Rüstzeug auch ein überarbeitetes Fahrwerk. AMG legt den CLK um 25 Millimeter tiefer, baut stärkere Stabilisatoren und härtere Stoßdämpfer ein und garniert das Ganze mit 17 Zoll- Rädern und Reifen unterschiedlicher Breite (vorn 225/45 ZR 17, hinten 245/40 ZR 17). Hilfreich auch das bereits im CLK 430 serienmäßig eingebaute Stabilitätsprogramm ESP, während die Bremsanlage mit Teilen aus dem SL 600 und speziellen Bremsscheiben aufgewertet wird. Aber auch fürs Auge wird etwas geboten. Mit Bug- und Heckschürzen und wulstartigen Türschwellern sorgt die AMGKur beim CLK für einen dynamischen Auftritt. Wer darauf verzichten kann, spart 6299 Mark plus 2993 Mark für Lack und Montage. Was einem beim Fahren eines derart monströs motorisierten CLK blüht, läßt sich schon auf den ersten Metern ahnen: Selbst bei behutsamer Gaspedalbehandlung drückt es die Passagiere beim Start jählings in die Lederpolster. Speziell im Stop-and-go- Verkehr ist diese katapultartige Anfahrbeschleunigung deshalb auch mehr Last als Lust – ein Eindruck, der sich bei freier Bahn allerdings rasch verflüchtigt.

Denn die Gnadenlosigkeit, mit der das 5,5 Liter-Aggregat seine Fracht sodann in höchste Geschwindigkeits-Sphären befördert, sucht ihresgleichen. Schön auch, wie sich dieser V8 akustisch in Szene setzt. Normalerweise dezent brozzelnd, beschallt er die Insassen bei geöffneter Drosselklappe und höheren Drehzahlen mit markigem V8-Sound. Dabei ist die Möglichkeit, daß ein Kontrahent den CLK 55 durch Zeigen der Auspuffrohre deklassieren könnte, denkbar gering. So wie er beschleunigt nicht einmal ein Ferrari F 355. Das gilt auch für den identisch motorisierten E 55. Die Tatsache, daß er auf der zierlicheren C-Klasse basiert, verschafft dem CLK gegenüber dem Stallgefährten aber einen Gewichtsvorteil von 104 Kilogramm, der sich natürlich auch in den Fahrleistungen niederschlägt.

Mit 5,3 Sekunden von null auf 100 km/h und mit 19,3 Sekunden auf 200 km/h läßt er den größeren E 55 (5,5 und 20,1 Sekunden) problemlos stehen. Außerdem genehmigt ihm AMG längere Zügel: Während es sich beim E 55 bei Tempo 250 zwangsweise ausbeschleunigt hat, gestattet der Begrenzer dem CLK 55 stolze 270 km/h. Daß es mehr sein könnten, beweisen die zu diesem Zeitpunkt noch spürbaren Leistungsreserven. Eigentlich sei erst bei 285 km/h Schluß, bestätigt der Hersteller, aber man müsse auf die Reifen Rücksicht nehmen. Nicht im Sinne des Erfinders, aber durchaus effektiv ist überdies ein Frühwarnsystem, das bereits bei 250 km/h in Aktion tritt. Genau dann sprangen beim Testwagen nämlich die rahmenlosen Seitenscheiben aus ihren Führungen, so daß der Vorstoß in höhere Bereiche von abschreckendem Getöse begleitet war.

Anstandslos dagegen die Fahrstabilität in der Hochgeschwindigkeitsregion: Der ordentliche Geradeauslauf spricht für die angemessenen aerodynamischen Voraussetzungen der Karosserie. Daß der Fünfgang- Automat mit der adaptiven Steuerung bestens mit dem leistungsstarken V8 harmoniert, bewies schon der E 55. Das gilt grundsätzlich auch für den CLK 55. Mitunter schaltete die Automatik beim Testwagen unnötig spät hoch und leistete sich auch schon mal ausgedehnte Schaltpausen, was noch einen gewissen Optimierungsbedarf erkennen läßt. Dagegen dürfte das Verbrauchspotential dieser Antriebskombination weitgehend ausgereizt sein. Mit einem Testverbrauch von durchschnittlich 14,9 L/100 km braucht sich der CLK 55 jedenfalls keine Verschwendung vorwerfen zu lassen, solange man den Wert in Relation zu den Fahrleistungen und zum Gewicht setzt. Immerhin bringt das üppig ausgestattete Coupé 1591 Kilogramm auf die Waage.

Knapp 55 Prozent davon lasten auf der Vorderachse, was zum Teil den fahrdynamischen Charakter des CLK 55 erklärt. Denn so wie die Naturgesetze nun mal sind, macht eine Überdosis Power noch keinen Sportwagen, selbst wenn es sich um ein Coupé handelt. Wer sportlich agil sein will, muß erst mal abspecken, eine Tatsache, die auch dem über 347 PS gebietenden CLK-Fahrer nicht verborgen bleibt. Denn sind die Beschleunigungsorgien auf der Geraden vorüber, legt der PS-Gigant eine Behäbigkeit an den Tag, die nicht gerade zum sportlichen Fahren einlädt. Vor allem die um die Mittellage unpräzise Lenkung weckt wenig Begeisterung. Auch die von dynamischen Fahrern geschätzte Leichtfüssigkeit in Kurven vermag sich nicht einzustellen, zumal die Schlupfregelung in Anbetracht der gewaltigen Überschußleistung an den Antriebsrädern wachsam das Tempo drosselt.

Schaltet man ASR und ESP dagegen aus, sind schnelle Reaktionen gefragt, denn speziell auf nassen Straßen bewegt sich der CLK 55 ohne die Mithilfe der Prozessoren wie auf Schmierseife. Selten sind die Vorzüge der Fahrwerkselektronik so einleuchtend wie hier: Man möchte sie keinesfalls missen. Das gilt in Anbetracht der brachialen Vortriebskraft auch für die verstärkte Bremsanlage. Sie garantiert ausgezeichnete Verzögerungswerte selbst bei extremer Beanspruchung, auch wenn das Pedalgefühl etwas straffer sein dürfte. Eben dieses kann man von der Federungsabstimmung nicht behaupten, wenngleich klar ist, daß Fahrstabilität und Kurvenfestigkeit bei einem Auto diesen Kalibers Zugeständnisse erfordern. So gesehen hätte es schlimmer kommen können, denn im großen und ganzen offeriert der AMG-gestählte CLK manierliche Komfortqualitäten.

Andererseits ist es speziell mit dem Schluckvermögen kurzer Unebenheiten nicht weit her, was die Karosserie mit regem Knistern quittiert. Da war der Qualitätseindruck bei Mercedes schon mal besser. Gleiches ließe sich über die Qualitäten der sogenannten orthopädischen Sitze sagen, die von AMG übernommen werden. Mit aufblasbaren Rückenpolstern ausgestattet, schonen sie zwar das Kreuz, bieten auf ihren Sitzflächen aber wenig Seitenhalt. Auch die hohe Sitzposition hinter dem Lenkrad ist nicht gerade komfortfördernd. Den typischen AMG-Interessenten dürften Bagatellen wie diese freilich nicht abschrekken. Selbst für 233 108 Mark, den Preis des Testwagens, kann man eben nicht alles haben.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • hohe FunktionalitŠät variabler Kofferraum sehr gute Ausstattung
  • eingeschrŠänkter Beinraum hinten schlechte ܆bersicht nach hinten
Fahrkomfort
  • insgesamt akzeptabler Federungskomfort angenehmes MotorgeräŠusch
  • eingeschräŠnkter Komfort auf kurzen Bodenwellen Sitze mit wenig Seitenhalt
Antrieb
  • kraftvoller V8-Motor erstklassige Fahrleistungen gut abgestufte FŸünfgangautomatik
  • Schaltelektronik nicht optimal abgestimmt
Fahreigenschaften
  • mit ESP hohe KurvenstabilitäŠt guter Geradeauslauf bei hohen Geschwindigkeiten
  • in der Mittellage unexakte Lenkung mŠäßige Handlichkeit eingeschräŠnkte Traktion
Sicherheit
  • sehr gute Bremsen Fahrer- und Beifahrer-Airbag Seitenairbags serienmŠäßig Gurtstraffer und -kraftbegrenzer
Umwelt
  • den Fahrleistungen angemessener Verbrauch schadstoffarm nach D3 recycelbare Kunststoffe
Kosten
  • sehr hoher Anschaffungspreis hohe Unterhaltskosten kurze Garantie (ein Jahr)

Fazit

Mit den Fahrleistungen eines Supersportwagens bietet der Mercedes CLK 55 AMG jede Menge Understatement. Fahrwerk und Bremsen sind der Leistung angemessen. Zum Sportwagen fehlt es dem CLK 55 aber an Agilität.

Technische Daten
Mercedes CLK 55 AMG
Grundpreis78.532 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4567 x 1722 x 1371 mm
KofferraumvolumenVDA420 L
Hubraum / Motor5439 cm³ / 8-Zylinder
Leistung255 kW / 347 PS (510 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,4 s
Verbrauch11,7 L/100 km
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