Mercedes E-Klasse im Test: E 420 CDI Elegance ist ein Kraft-Laden

Dieselfahren in Reinkultur: Der neue Mercedes E 420 CDI mit serienmäßigem Partikelfilter legt mächtig los.

Die modernen Groß-Diesel erschüttern alle herkömmlichen Maßstäbe. Die jüngste Ausführung des Mercedes- Biturbodiesel-Achtzylinders holt aus vier Liter Hubraum 314 PS und bringt es damit auf eine spezifische Leistung von 78,6 PS pro Liter Hubraum. Was beim Fahren mit dem E 420 CDI am meisten Eindruck hinterlässt, ist allerdings nicht die Leistung, sondern das Drehmoment. Denn das kann der Fahrer häufig nutzen, während die Maximalleistung nur selten abgefordert wird. Der Schub beim Gasgeben entfesselt eine wahre Urgewalt. Schon aus der Leerlaufdrehzahl tritt der Diesel so nachdrücklich an, dass die Insassen tief in die Sitze gepresst werden. Bei den Beschleunigungsmessungen kommen erwartungsgemäß Paradewerte zustande. Als würde er von einem Dampfkatapult abgeschossen, schnellt der Mercedes in nur 6,1 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h.

Das entspricht, um den Wandel der Zeiten deutlich zu machen, exakt jenem Wert, den in den siebziger Jahren der legendäre Ferrari Daytona, damals der schnellste Ferrari, im auto motor und sport-Test erzielte. Der Mercedes  präsentiert seine Leistungsfülle zudem mit höchster Gelassenheit. Das Drehzahlniveau ist, wenn das Gaspedal nicht gerade auf Vollgas steht, selbst für einen Selbstzünder ungewöhnlich niedrig, und das Ansprechverhalten ist dank zweier Turbolader ausgezeichnet. Da gibt es kein Turboloch, noch nicht einmal beim Anfahren. So ergibt sich der Eindruck einer wahrhaft luxuriösen Motorisierung, die praktisch in jeder Situation im Handumdrehen für das gewünschte Tempo zu sorgen vermag und dabei akustisch so unauffällig bleibt, dass mancher Beifahrer verblüfft fragt, ob es sich denn hier tatsächlich um einen Diesel handele. Allein im Leerlauf sind äußerst dezente Hinweise auf das Verbrennungsverfahren zu hören, aber wenn der Mercedes erst einmal Fahrt aufgenommen hat, tritt das Geräusch des Motors fast vollständig in den Hintergrund.

Eine Reise-Limousine par excellence also, zumal auch nur selten ein Boxenstopp fällig wird. Ein Testverbrauch von durchschnittlich 11,6 Liter ist ein Wort für einen solchen Kraftprotz, der gerade mal 17,3 Sekunden braucht, um ab 100 km/h sein Tempo zu verdoppeln. Die bemerkenswerte Harmonie des Antriebs resultiert zu einem wesentlichen Teil auch aus der siebenstufigen Automatik, mit der die Dieselmaschine grundsätzlich kombiniert wird. Diese mercedeseigene Entwicklung stellt fraglos das derzeit beste Automatikgetriebe der Welt dar. Wer sich nicht darauf konzentriert, wird von den Schaltvorgängen kaum etwas merken, so geschmeidig erfolgt der Wechsel der Übersetzung. Den hohen Komfortcharakter unterstreichen eine geschmeidige Federung und die gute Handlichkeit. Einziger Wermutstropfen dieser ansonsten überaus gelungenen Mischung: Der E 420 CDI kostet mit rund 62 600 Euro stattliche fünf Prozent mehr als sein Vorgänger.

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Götz Leyrer

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