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Mercedes ML 55 AMG Test

Völlig neue Geländewagengefühle

Der 5,5-Liter-V8 von AMG und die M-Klasse kreuzen ihre Wege. Das Ergebnis ist der Mercedes ML 55 AMG, dessen Fahrleistungen für völlig neue Geländewagengefühle sorgen.

02.08.2000

Eines war schon im Vorfeld klar: Die Frage nach Sinn und Unsinn ist für den potenziellen Käufer ohne Belang. Bei einem Auto wie dem Mercedes ML 55 AMG genügt es, dass es ihn gibt, um die erhofften Kaufimpulse auszulösen. 347 PS sind Grund genug. Schließlich bekommt man das stärkste Offroad-Vehikel, das zur Zeit ab Werk angeboten wird. Womit zugleich die zweite gute Nachricht angesprochen wäre: Obwohl am Heck die drei Buchstaben des Haustuners AMG prangen, gehört der ML 55 zum regulären Mercedes-Programm. Das macht sich im Preis bemerkbar. Wer die AMG-üblichen exorbitan-ten Beträge kennt, wird angenehm enttäuscht. Der Power-ML kostet komplett mit allem Schnickschnack 72.000 Euro – das ist nicht wenig, gemessen an der Konkurrenz aber auch nicht zu viel. So verlangt BMW für den vergleichsweise schwächlichen (286 PS), sparsamer ausgestatteten X5 4.4i stolze 58.000 Euro. Selbst der Audi Allroad Quattro 2.7 T (250 PS) erreicht mit Extras mühelos 64.000 Euro.

Aber auch der Vergleich zum ML 430 (272 PS) zeigt, dass es sich hier um ein faires Angebot handelt: Mit dem entsprechenden Zubehör kommt er auf 60.000 Euro, wobei vieles, was den ML 55 auszeichnet, im ML 430 auch nicht gegen Aufpreis zu haben ist. An Gegenwert mangelt es also nicht. Schwerer fällt es da schon, das Gebotene einzuordnen. Beginnt man mit dem Kern der Sache, dem von fünf auf 5,5 Liter vergrößerten Achtzylindermotor, dann ist eines ganz klar: Das Aggregat, aus anderen Mercedes-Modellen bereits bestens bekannt, ist eine Wucht. Ohne spürbare Anstrengung katapultiert es den 2,2-Tonner in Geschwindigkeitssphären, die Geländewagen sonst verschlossen bleiben. Mit etwas Anlauf schwingt sich der ML 55 zu einer Höchstgeschwindigkeit von 232 km/h auf, während selbst so dynamische Offroader wie der X5 schon bei wenig mehr als Tempo 200 die Segel streichen.

Auch beim Beschleunigen lässt er den einschlägigen Kontrahenten nicht die geringste Chance, wobei das satte Drehmoment des V8 – zwischen 2800 und 4500/min liegen 510 Nm an – keinerlei Stress aufkommen lässt. Die perfekt abgestimmte Fünfgangautomatik tut ein Übriges. Schaltvorgänge vollzieht sie meist unmerklich und ohne übertriebene Hektik. Mit ihrer vorbildlichen Tippfunktion lädt sie aber auch zur Handarbeit ein, und sei es nur dem Sound zuliebe. Denn je nach Drehzahl und Gaspedalstellung reicht das Repertoire des AMG-Triebwerks, das durch zwei Rohre größeren Kalibers auspufft, vom geschmeidigen Piano bis zu einem kraftvoll bollernden Forte. Sieht man diese Qualitäten im Kontext eines geländegängigen Gefährts, dann sind sie ebenso eindrucksvoll wie zwiespältig.

Gleich, welche Rolle man dem ML 55 im Spektrum der Einsatzmöglichkeiten auch zuteilt, er entpuppt sich letztlich immer als ein Kompromiss, der Zugeständnisse verlangt. Hoffnungen auf sportliches Fahrvergnügen etwa, wie sie die Fahrleistungen hervorrufen könnten, muss er zwangsläufig enttäuschen. Der hohe Schwerpunkt, viel Masse und die träge Lenkung ersticken entsprechende Talente schon im Keim. Von der Kurvenwilligkeit einer anständigen Sportlimousine ist der kräftig untersteuernde ML jedenfalls weit entfernt. Da lässt sich über den mangelnden Seitenhalt des Frontmobiliars, das sich im ML 55 Sportsitze nennt, getrost hinwegsehen. Aber auch in der Funktion als schneller Reisewagen leidet der ML 55 unter den Handikaps seiner Spezies. Am Limousinenmaßstab gemessen ist der Komfort bescheiden. Auf ausgeprägte Straßenunebenheiten reagiert er mit ebenso ausgeprägten Wankbewegungen. Dabei beutelt er die Insassen schon mal heftig durch. Unwirsch beantwortet er ferner kleine Stöße, die bisweilen auch die Lenkung erschüttern, während bei langsamer Fahrt die voluminösen Räder, hier im 18-Zoll-Format, unsanft in die Schlaglöcher plumpsen.

Schließlich gilt es auch an der Tankstelle, dem Konzept Tribut zu zollen. Wer die Leistung auskostet, muss pro 100 Kilometer mit 18 Litern rechnen, weniger als 14 Liter sind die Ausnahme. Wie gut, dass Mercedes das Tankvolumen in weiser Voraussicht von 70 auf 93 Liter erhöhte. Wechselt man freilich den Standpunkt und sieht die Mängel durch die Brille der Offroad-Fraktion, dann ist alles nur noch halb so schlimm. Immerhin gelingt es dem von AMG überarbeiteten Fahrwerk, die erheblichen Fahrleistungen sicher umzusetzen, wobei das ESP kritische Phasen dezent, aber zuverlässig entschärft. Auch auf die Bremsen ist Verlass, was bei Geländewagen erfahrungsgemäß besondere Erwähnung verdient. Selbst die Komfortmängel erscheinen nun in einem milderen Licht, denn die Konkurrenz hat meist auch nicht mehr zu bieten, überwiegend sogar weniger. Anders sieht es bei den Offroad-Qualitäten aus.

Da lässt sie den ML, wie sich bei entsprechenden Vergleichstests herausstellte, manchmal reichlich alt aussehen. Bei Mercedes pflegt man diese prinzipbedingte Schwäche (kein sperrbares Zentraldifferenzial, Sperre an den Achsen nur über die Bremsen) mit dem Hinweis auf das überwiegende Einsatzgebiet des ML zu kontern. Und das sei die Straße. So gesehen ist selbst die Tatsache, dass der ML 55 ohne Ersatzrad ausgeliefert wird, eine lässliche Sünde. Es ändert aber nichts daran, dass erneut die bei Autos dieser Art verpönte Sinnfrage aufkeimt.

Die schlüssigste Antwort liefert in der Regel der Hinweis auf die Eignung als Zugwagen, ein Argument, das der ML 55 erhärtet. 3,37 Tonnen darf er schleppen, womit er viele Konkurrenten übertrifft. BMW zum Beispiel gestattet dem X5-Fahrer nur 2,3 Tonnen. Das bestätigt, dass man Mercedes im Fall des ML 55 keine falsche Bescheidenheit nachsagen kann. Dies gilt auch für die Ausstattung: Vom Büffelleder und geschwärzten Wurzelholz über die elektrische Sitzverstellung bis hin zum Luxusradio mit Soundsystem ist beim ML 55 alles drin, selbst die Seitenairbags hinten. Auch was die äußeren Effekte betrifft, zeigt man sich nicht kleinlich. Verbreiterte Radhäuser, Spezialschürzen vorn und hinten, zwei Beulen im Stil des SLK auf der Haube und Chrom am Grill dokumentieren dem Betrachtert, dass dies kein gewöhnlicher ML ist. Und genau darin liegt schließlich der größte Reiz des rasenden Riesen.

Fazit

Er ist der stärkste Geländewagen. Er hat einen prachtvollen V8-Motor. Und er kostet weniger als befürchtet. Ob ein ML 55 Sinn macht, steht auf einem anderen Blatt. Er ist weder sportlich noch besonders komfortabel und auch im Gelände nur durchschnittlich.

Technische Daten
Mercedes ML 55 AMG
Grundpreis72.732 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4635 x 1833 x 1760 mm
KofferraumvolumenVDA633 bis 2020 L
Hubraum / Motor5439 cm³ / 8-Zylinder
Leistung255 kW / 347 PS (510 Nm)
Höchstgeschwindigkeit232 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,9 s
Verbrauch14,5 L/100 km
Testverbrauch16,6 L/100 km
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