Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Mercedes SL 500 im Test

Airwürden

Foto: Hans-Dieter Seufert 23 Bilder

Seinem gravitätischen Stil bleibt der Mercedes SL 500 auch nach den jüngsten Optik- und Fahrwerks-Retuschen treu: Der wahre Mehrwert liegt im neuen V8-Motor, der dem Luxuscabrio satte 388 PS und die zweite Jugend schenkt.

06.04.2006 Christian Steiger

Jetzt gibt es ihn also auch beim aktuellen SL, den berühmten kleinen Unterschied, aus dem Kenner der Marke Mercedes gerne eine große Wissenschaft destillieren.

Der Neue wird als Serie zwei in ihre Modellchroniken eingehen, zu erkennen an drei statt vier Streben im Kühlergrill und Nebelleuchten mit Chromrand. Den Vorgänger des SL 500 werden sie etwas despektierlich den Dreiventiler nennen, als wäre er schon auf dem Weg zum Youngtimer. Ganz gerecht ist das schon deshalb nicht, weil sich das Urmodell der Baureihe 230 bisher keineswegs alt anfühlte. Immerhin hat ihn auto motor und sport im ersten Einzeltest zum besten Cabriolet der Welt gekürt. Das war vor mehr als vier Jahren. Heute zeigt die Begegnung mit dem Neuen, dass sich selbst Perfektion noch steigern lässt. Das fällt leicht, wenn der Hochtechnologie- Transfer aus der aktuellen S-Klasse nahe liegt: Deren neuer V8- Motor verbirgt sich hinter dem Drei- Streben-Grill des SL 500, mit fünfeinhalb statt zuvor fünf Liter Hubraum, weshalb auch diese Modellbezeichnung neuerdings zum größer werdenden Kreis der Kunstnamen zählt.

Der optimierte Achtzylinder-SL ist nicht einmal schwerer geworden, mit einer Leistung von 388 PS aber gleich 82 PS stärker. Und statt der 460 Newtonmeter Drehmoment, die beim Vorgänger schon durchaus sättigend wirkten, entwickelt der Neue deren 530. So viel Schub lässt eine längere, drehzahlsenkende Hinterachsübersetzung zu (2,65 statt 2,82). Die elektronisch limitierte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erreicht der SL nun bei knapp 4000 Umdrehungen. Es ist Deutschlands liebstem Business- Roadster nicht anzusehen, aber er kann neuerdings fast alles spürbar besser.

Er klingt sogar durchdringender. Nicht schmutzig natürlich, weil das einem SL so gut stehen würde wie seinen Besitzern ein Zungenpiercing, aber doch kehliger trompetend, als es die gediegene Aura vermuten ließe.

Seine Siebenstufen-Automatik ist die gleiche geblieben, ellenlang übersetzt in der obersten Stufe, mit ebenso zarten wie hellwachen Reaktionen, die eigentlich kein brennendes Verlangen nach manueller Kontrolle wecken. Trotzdem können SL-Besitzer gegen 290 Euro Aufpreis neuerdings per Schaltwippen am Lenkrad ins Geschehen eingreifen. Das geht im M-Modus noch mal um ein Drittel schneller, was die theoretische Frage aufwirft, wie lange eigentlich ein Wimpernschlag dauern darf.

Die Handarbeits-Variante ist zwar ein vergnügliches, aber nicht notwendiges Gimmick. Schneller schnell ist der neue SL 500 sowieso: in 5,3 Sekunden auf 100, womit er dem Dreiventiler eine volle Sekunde abnimmt, und in 12,2 Sekunden auf 160 (Vorteil: 2,9 Sekunden). Noch dazu verbraucht er etwas weniger: Um die zehn Liter Super auf 100 Kilometer können es bei gleichmäßiger Autobahnfahrt ohne allzu großes Phlegma sein, zwischen 13 und 14 bei häufigerer Kickdown-Verkostung.

Vom tieferen Sinn der serienmäßigen SBCBremse berichten die Verzögerungswerte: Der SL 500 kommt auch nach der zehnten Bremsung aus 100 km/h nach 38 Meter Wegstrecke zur Ruhe. Zudem nimmt er mit geschliffenerem Handling für sich ein. Seine neu abgestimmte Lenkung reagiert einen Tick spontaner, nach Art des Hauses aber niemals nervös oder gar stößig.

Dadurch gelingt es ihm noch besser als bisher, sein Gewicht von knapp 1900 Kilogramm zu verleugnen. Auch bei schneller Fahrt über enge Landstraßen erstaunt der SL mit bemerkenswerter Agilität und nähert sich dem Grenzbereich mit der Harmlosigkeit des mühelos beherrschbaren Untersteurers. Der serienmäßige Neigungsausgleich Active Body Control (ABC) dämmt Karosseriebewegungen selbst bei rustikaler Gangart fast vollständig ein.

Seine Federung ist ein nahezu perfekter Kompromiss zwischen Komfort und Straßenzustandsbericht, sie verwandelt sich auch nach Betätigen der Sporttaste nicht in eine Zumutung.

Er ist kein wilder Hund, und dafür schätzen ihn seine Anhänger: Ein SL 500 wünscht sich zwar Gewissenhaftigkeit, aber keine Hingabe. Fahrerische Virtuosität unterstützt er freundlich, ohne sie einzufordern.

Und Härte gehört auch dann nicht zu seinen Charakterzügen, wenn er sein Klappdach in den Nacken gefaltet hat. Sicher, es gibt Roadster, die den Namen eher verdienen als ein SL, der seine Insassen zwischen der riesigen Frontscheibe und seinem Windschott vor Zugluft beschützt.

Dafür ist er selbst für den winterlichen Cabriolet- Alltag fürsorglich genug. Und er erlaubt auch entspannte Fernreisen unter offenem Himmel, sogar mit ausreichendem Platz für leichtes Gepäck: Es lässt sich trotz des raumfordernden Variodachs gut im Kofferraum verstauen, der wegen der jetzt herausnehmbaren Abdeckung etwas größer geworden ist. Oder hinter den Sitzen, mit optionalen Gurten gesichert – ein Detail, das sein ernsthaftes Naturell so treffend dokumentiert wie die vielen anderen Optionen aus der Aufpreis-Liste.

Denn natürlich ist der Grundpreis von 102 544 Euro nur die halbe Wahrheit. Populäre SL-Beigaben wie Parktronic, CD-Wechsler oder die ausgezeichneten Komfortsitze gehen noch immer extra: Wie bisher ist die richtige Wahl eine weitere wichtige SLWissenschaft.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • exzellentes Finish
  • hohe Verwindungssteifigkeit
  • perfekter Verdeckmechanismus
  • speziell nach hinten unübersichtlich
Fahrkomfort
  • niedriges Geräuschniveau
  • bequeme und gut geformte Sitze, passende Sitzposition
  • harmonische Federung
  • intuitive Bedienbarkeit
  • sehr wirksame Klimatisierung
Antrieb
  • ausgezeichnete Fahrleistungen
  • hohe Laufkultur
  • sanft und spontan agierendes Automatikgetriebe
Fahreigenschaften
  • agiles Handling
  • präzise Lenkung
  • gutmütiges Kurvenverhalten
Sicherheit
  • sehr gute Bremsen
  • umfassende Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • hohes Leergewicht
Kosten
  • gute Wiederverkaufschancen
  • überdurchschnittliche Wertstabilität
  • hoher Kaufpreis
  • hohe Unterhaltskosten

Fazit

Ein Präzisionsinstrument auf höchstem Niveau: Mit spürbar verbesserten Fahrleistungen und Handling-Eigenschaften profitiert der SL 500 von der aktuellen Modellpflege. Größtes Manko: der hohe Preis.

Technische Daten
Mercedes SL 500
Grundpreis106.684 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4532 x 1827 x 1298 mm
KofferraumvolumenVDA339 L
Hubraum / Motor5461 cm³ / 8-Zylinder
Leistung285 kW / 388 PS (530 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,4 s
Verbrauch12,3 L/100 km
Testverbrauch13,8 L/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Login mit Ihrem Profil
    Anzeige
    Mercedes SL 65 AMG, Mercedes-Benz SL-Klasse ab € im Monat Leasing & Vario-Finanzierung Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    Kommentar schreiben

    Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
    Empfehlungen aus dem Netzwerk
    Gebrauchtwagen Angebote
    Whatsapp
    Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden