Oft wird der Tester, unterwegs mit automobilen Fabelwesen wie der neuesten Mercedes-Errungenschaft, nach der Höchstgeschwindigkeit gefragt. Doch diesmal ist alles anders. Nicht nur Motorradfahrer auf ultraschnellen Kawasakis tatschen ihre lederummantelten Soziusbräute, um sie en passant schnell auf den flachen Vier-Meter-Keil aufmerksam zu machen. Auch die Frage-und-Antwort-Viertelstunde an der Tankstelle hat ihre neue Qualität. Nicht wie schnell lautet die Frage, sondern: Wie funktioniert das Vario-Dach?
Es gibt, mit rasch zunehmender Menschentraube, zwei Antworten. Die erste, eilige lautet: sehr gut und auch sehr schnell, 25 Sekunden. Die zweite ist die, auf die im Grunde alle, die des SLK ansichtig werden, mit angehaltenem Atem warten. Es ist die Demo- Antwort, und sie ist so wortsparend, daß sie selbst im Trappistenkloster keine Aufregung verursachen würde. Handbremse ziehen, Schalthebel auf Leerlauf und nun die rote Zaubertaste zart nach hinten gerückt. Ein leises Sirren ertönt, die Seitenscheiben verschwinden, Deckel öffnen sich, der Entriegelungsmechanismus am Windschutzscheibenrahmen steigt ein in die Combo der elektrohydraulischen Heinzelmännchen. Das kurze Dach verschwindet im Kofferraum, der Deckel verschließt das Meisterstück ingeniösen Geistes. Eigentlich müßte jetzt ein Tusch ertönen.
Vor nicht allzu langer Zeit wäre man mit einer solchen Darbietung wegen Hexerei verbrannt worden. Heute, im Technik- Zeitalter, zollt die Menge dem Spektakel hohen Respekt. Der Dachmechanismus des SLK, der die Vorzüge des Coupés mit denen des Cabrios verbindet, ist die eigentliche Attraktion an diesem Auto. Wer hat das sonst? Niemand. Noch nicht einmal der große und doppelt so teure Bruder SL. Doch die Dinge von Menschenhand, und seien sie auch noch so findungsreich, haben auch ihre Schattenseiten. Beim SLK ist das konstruktionsbedingte Minus schnell ausgemacht. Weil die aufwendige Dachkonstruktion weit mehr Stauraum benötigt als das klassische Stoffdach, reduziert sich das Kofferraumvolumen von 350 Litern (Dach geschlossen) auf spärliche 145.
Daran ändert auch nichts die Tatsache, daß durch das Weglassen eines Reserverads und das notdürftige Ersetzen desselben durch ein Reifen-Reparaturset bereits zusätzlicher Raum geschaffen wurde. Die große Reise zu zweit läßt sich also in purer Offenfahrt schlecht planen.






