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Mercedes SLS AMG Roadster im Test: Wie sportlich ist das Luxus-Cabrio?

Der Testwagen kann schnurren wie ein Kätzchen oder brüllen wie ein Löwe. Auf Samtpfoten dahinschleichen oder binnen Sekunden die Krallen ausfahren. Nur eines kann der Mercedes SLS AMG Roadster nicht - sich unbemerkt davonmachen. Da sind sowohl seine stattliche Erscheinung als auch die gewaltige Stimme vor.

Es gibt sie, diese Momente, in denen das Schreiben nicht reicht. In denen es mehr braucht, um sich auszudrücken. So zum Beispiel, wenn es um einen Testwagen wie diesen geht. 4,64 Meter lang, 1,94 Meter breit, knappe 1,26 Meter hoch, 1.745 Kilo schwer und 571 PS stark - sagen die Fakten über den Mercedes SLS AMG Roadster.
 
Zweisitzig und mit einem binnen elf Sekunden bis maximal 50 km/h vollautomatisch öffnenden und schließenden Verdeck. Feinstes Bicolor-Leder, edle Aluminium-Intarsien, 19 und 20 Zoll großes Schuhwerk vorn und hinten, sowie auf Wunsch und gegen Aufpreis ein Surround-Sound-System der Extraklasse von Bang & Olufsen inklusive. Klingt gut? Von wegen.

Weckruf mit Achtzylinder-Sound

Richtig spannend wird‘s erst, wenn der sich unter der ellenlangen Motorhaube verbergende 6,2-Liter-V8-Sauger zum Leben erwacht. Dem Druck auf den auf der Mittelkonsole befindlichen Startknopf folgt ein heiserkehliges Aufbellen, das allemal dazu angetan ist, bis dato gemütlich vorbeiflanierende Passanten ebenso stramm stehen zu lassen wie die eigenen Nackenhärchen.
 
Spätestens jetzt ist er da - der Moment, wo die Schreibe versagt, wenn der Comic-Style degoutant erscheint. Ein lautstarkes Brüllen also - „hallo hier bin ich, was geht?“ - dann wohlig-gemütliches Achtzylindergeplauder. Als könne er kein Wässerchen trüben, der Schuft. Kann er aber doch - natürlich.

Mercedes SLS AMG Roadster wiegt fast 1,8 Tonnen

Gewiss: Aufgrund des beim Mercedes SLS AMG Roadster entfallenen festen Daches und der in der Folge erforderlich gewordenen versteifenden Maßnahmen am Rohbau bringt der stattliche Schwabe in dieser Konfiguration rund 100 Kilo mehr auf die Waage als das vor knapp zwei Jahren getestete Mercedes SLS AMG Coupé im Supertest mit den formvollendeten Flügeltüren. Ein Testwagen mit 1.745 Kilogramm Lebendgewicht ist in der sportlichen Liga durchaus eine Ansage. Wirkliche Mühe bereiten sie dem Sternenkrieger indes nicht.
 
Zu potent ist der aus jedem Bereich des bis 7.000 Touren reichenden Drehzahlbandes brachial anschiebende Saugmotor, zu fein und detailverliebt die Abstimmung des serienmäßig an Bord befindlichen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes in Transaxle-Anordnung. Letztgenanntes unterstützt jede gewünschte Gangart. Vom gemütlichen Cruisen im Komfort-Modus bis hin zum fulminanten Aufgalopp im gleichfalls vollautomatischen Sport Plus-Programm ist beim Mercedes SLS AMG Roadster alles drin. Wer die Fahrstufen mittels der griffgünstig am Lenkrad positionierten Schaltwippen eigenhändig anwählt, wird für seine Tatkraft gar besonders belohnt.
 
Die Backfire-Salven, die der Mercedes SLS AMG Roadster beim Herunterschalten abfeuert, sind in ihrer Emotionalität wahrlich dazu angetan, ein breites Grinsen auf die Gesichter soundaffiner Insassen zu zaubern. Da erübrigt sich glatt das AMG Performance Media System, das mittels dreier mitgelieferter Kabel den Anschluss mobiler Geräte im Handschuhfach erlaubt. Im Mercedes SLS AMG Roadster gibt‘s auch so genug auf die Ohren. Sofern dies gewünscht ist, versteht sich.

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Alltagstauglich mit offenen und geschlossenem Verdeck

Im Komfort-Programm kann der wuchtige Mercedes SLS AMG Roadster nämlich durchaus auch leise treten. Und die Innenraumgeräusche gehen bei geschlossenem Verdeck selbst jenseits 200 km/h als eher moderat durch. Überhaupt ist der hinterradgetriebene Roadster ein rundum verlässlicher Begleiter für (fast) alle Lebenslagen. Von der außergewöhnlich langen Nase, die in allzu engen Parkhäusern ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit erfordert und dem nicht wirklich genügsamen Umgang mit dem Kraftstoff einmal abgesehen, lässt es sich mit dem Mercedes SLS AMG Roadster an allen Tagen ausgesprochen trefflich leben.
 
Dabei ist der Verzicht auf das schützende, in Schwarz, Rot und Beige erhältliche Stoffmützchen selbst an kalten Tagen kein Problem. Die Kombination aus spontan agierender Sitzheizung, die Luftströme zielgenau auf die Insassen lenkender Klimatisierungsautomatik und in die Kopfstützen der Sportsitze integriertem Airscarf-System wärmt SLS-Piloten und ihre Begleiter bei hochgefahrenen Seitenscheiben zuverlässig.

In 1.11,6 Minuten um den Hockenheimring

Dass der außen wie innen fein gemachte Luxus-Roadster trotz alledem auch zur sportlichen Gangart taugt, beweist beim Test der Ausflug zum Hockenheimring. Ganz so schnell wie der geschlossene Zweisitzer mit den markanten Eingangspforten ist der ohne Flügeltüren antretende offene Zweisitzer zwar nicht. Dem stehen das insgesamt eine Spur weicher geratene Setup und die größere Masse entgegen. Angesichts der selbst in der harten Stufe des optional an Bord befindlichen AMG Ride Control Fahrwerks mit elektronischer Dämpfungsregelung komoderen Abstimmung geht die auf dem Kleinen Kurs herausgefahrene Rundenzeit von 1.11,6 Minuten des Mercedes SLS AMG Roadster im Test jedoch vollauf in Ordnung.
 
Einzig das starke Nickmoment bei harschen Bremsmanövern und das damit verbundene starke Ausfedern der Hinterachse sind eingangs ungewohnt. Dies zeigt, dass die Entwickler bei der Kreation des Mercedes SLS AMG Roadster andere Schwerpunkte gesetzt haben. Durchaus zu recht übrigens. Wer will in einem solchen Umfeld schließlich stets nur schnellstmöglich tristgrauen Asphalt überfliegen, wenn er alternativ auch angenehm lässig verführerische Landschaften an sich vorübergleiten lassen kann?

Fast 200.000 Euro kostet der SLS-Roadster

Angesichts der bedingungslosen Reisetauglichkeit des ab 195.160 Euro teuren Mercedes SLS AMG Roadster könnten selbst Sportfahrer ins Grübeln kommen. Zumal adrenalingetränkte Sidesteps prinzipiell nicht nur jederzeit möglich, sondern auch höchst unterhaltsamer Natur sind. Sportliche Features wie das dreistufige ESP, eine mechanische Lamellensperre an der Hinterachse und die auf Wunsch und gegen Aufpreis erhältliche AMG Keramik-Verbund-Bremse sorgen dafür, dass der offene Hecktriebler hierfür nicht minder gut gerüstet ist als der geschlossene.
 
Ganz so leichtfüssig wie der Flügeltürer vermag der über reguläre Einstiegsluken verfügende Mercedes SLS AMG Roadster indes nicht zu agieren. Das beweist im Test der schnelle Ritt durch den 180 Meter langen Slalomparcours. Während das rund zwei Zentner leichtere Coupé mit einer mittleren Geschwindigkeit von 69,6 km/h um die Pylonen tanzt, geht der Open-Air- Sportler die gleiche Übung mit 67,3 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit ein gutes Stück moderater an. Ob dabei die weiche oder die härteste der drei Abstimmungsmodi des adaptiven Fahrwerks gewählt wird, macht im Ergebnis keinen Unterschied.
 
Im Alltag überzeugt der mittlere, von einem roten Licht am entsprechenden Knopf auf der Mittelkonsole gekennzeichnete Härtegrad am meisten. Deshalb wurde er von den Entwicklern konsequenterweise vorgewählt. Wer den Mercedes SLS AMG Roadster startet, operiert stets in jener Fahrwerkskonfiguration. Wird allzu schlechtes Geläuf unter die gewichtsoptimierten Schmiederäder genommen, kann ein Komfortprogramm angewählt werden, welches allerdings ausgeprägtere Karosseriebewegungen nach sich zieht. Alternativ steht für topfebene Pisten eine härtere Einstellung parat. Alles in allem stellt der Mercedes SLS AMG Roadster also auch diesbezüglich eine ausgeprägte charakterliche Vielfältigkeit zur Schau.

Mercedes SLS AMG Roadster fällt immer auf

Offenherzig oder verschlossen, Schmusekatze oder Raubtier, Schleicher oder Raubein. Eigner der großen Open-Air-Preziose aus der Affalterbacher Sportwagenschmiede haben die Qual der Wahl. Nur in zwei Dingen lässt der Mercedes SLS AMG Roadster keine Optionen offen. Er ist immer und überall so viel schneller als der Rest der automobilen Welt, dass allein das Wissen darum es zuweilen schwer macht, den Gasfuß zu zügeln. Und er legt immer und überall einen gesunden Durst an den Tag.

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

16. April 2013
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 04/2012.
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