Mini Clubman JCW im Test: John Cooper Works-Kombi mit Biss

Mini John Cooper Works Clubman

Schon der Name sagt, dass der Mini Clubman nicht wirklich ein Kombi sein will. Die 211 PS der neuen Topversion John Cooper Works machen ihn eher zum Sportwagen mit erweiterdem Platzangebot.

Quirlige 211 PS und schwarze Rallyestreifen treffen auf Kombi-Heck und pragmatische Klapptüren: Dieser Mini trägt einen Mix aus Sportlerdress und Arbeitskittel, was in etwa so selten ist wie ein Sechser im Lotto.  Nüchtern betrachtet rangiert der Langheck-Ableger mit dem verheißungsvollen Zusatz John Cooper Works irgendwo zwischen einem Kleinwagen mit Leistungs- und Raumdoping und exklusivem Kombi-Coupé à la Aston Martin Shooting Brake.

Doch wer kann einem 3,96 Meter kurzen Hot Hatch für knapp 30.000 Euro schon nüchtern gegenübertreten? Fest steht: Als Familienkutsche oder Lastesel wäre der JCW Clubman eine glatte Fehlbesetzung. Trotz 244 Millimeter mehr Länge als beim normalen Mini passen nur 260 Liter Gepäck ins Heck, mit umgeklappten Rücksitzen wächst das Ladevolumen des JCW maximal auf 930 Liter. Und während das Raumgefühl vorn großzügig ausfällt, mangelt es hinten an Beinfreiheit und Sitzkomfort.

36 PS mehr als der Cooper S

Selbst das zweiflügelige Heckportal und die gegenläufig öffnende Tür auf der Beifahrerseite sind eher ein Gag als echte Erleichterungen im Alltag. Dabei enttarnt den JCW bereits das verspielte, unübersichtliche Cockpit mit Riesen-Tacho im Schiffsuhr-Format den Clubman als Spaßmobil. Also nichts wie rein in die sportlich ausgeformten Sitze mit gutem Seitenhalt und den Startknopf drücken. Grummelnd erwacht der nur 1,6 Liter große Vierzylinder mit einem Leistungsplus von 36 PS gegenüber dem Cooper S zum Leben, und schon bei Stadttempo weckt die zweiflutige Abgasanlage jauchzend Gelüste nach Motodrom statt Rush-Hour.
 
Noch besser wären allerdings verwinkelte Landstraßen, die sich schnell als sein natürliches Revier erweisen. Wie von selbst flutschen die Gänge durch die präzisen Gassen des eng gestuften Sechsganggetriebes, und dank des um 0,4 auf 1,3 bar gesteigerten Ladedrucks reagiert der Vierventil-Direkteinspritzer beim JCW noch spontaner als sein S-Kollege auf Gasbefehle.

Verwandtschaft zur Mini Challenge

Durch den Twin-Scroll-Lader glänzt auch der nachgewürzte Clubman mit einer gleichmäßigen Leistungsentfaltung ohne Turboloch. Beim Sprint von null auf 100 km/h geht dem JCW aber etwas die Puste aus, denn mit 7,2 verfehlt er die Werksangabe um 0,4 Sekunden. Spätestens nach den ersten Kurven wird die enge Verwandtschaft zum Rennmodell aus der Clubsport-Serie Mini Challenge deutlich - zumindest wenn man die Sport-Taste vor dem Schalthebel gedrückt hat, wodurch Gaspedal und die elektromechanische Servolenkung eine giftigere Charakteristik annehmen.

Damit werden Randstreifen zielsicher wie rot-weiße Curbs angepeilt, während die spontan ansprechende Bremsanlage mit innenbelüfteten Scheiben vorn (316 mm) und massiven Scheiben hinten (280 mm) hilft, die Geschwindigkeit effektiv und standfest wieder abzubauen. Im Vergleich zur nervöseren Limousine wirken sich der längere Radstand (plus acht Zentimeter) und die bessere Gewichtsverteilung des Clubman sogar positiv auf die Fahrstabilität aus, denn selbst bei harschen Anbremsmanövern im ABS-Regelbereich bleibt das Heck stoisch in der Spur.

Teurer Kleinwagen

Doch während das straffe Fahrwerk des JCW in Kurven lästige Wankbewegungen um die Längsachse fast komplett wegbügelt, fordert die kompromisslose Abstimmung auf Querfugen und Autobahn-Bodenwellen spürbare Kompromisse von den Passagieren ein. Bei höherem Tempo auf Fahrbahnunebenheiten zerrt zudem die Lenkung und sorgt dafür, dass der Mini jeder Spurrille nachläuft, anstatt sauber den Kurs zu halten. Diese Eigenarten mögen ihm extreme Sportfahrer noch durchgehen lassen, doch umso mehr dürften sie sich wundern, warum die Mini-Entwickler statt eines mechanischen ein elektronisches Sperrdifferenzial installiert haben.

Denn obwohl es bei vollständig abgeschalteten Fahrhilfen durch individuelle Bremseingriffe wie eine 50-Prozent-Sperre wirken soll, wird der sportliche Vortrieb durch zu starkes Abbremsen einzelner Räder bei Schlupf mehr gestört als die Traktion gefördert. Die in Erprobung befindliche Allradversion könnte abhelfen, würde den JCW-Mini aber schwerer, unhandlicher und teurer machen. Und teuer ist er ja ohnehin schon sehr, zumal eine Klimaanlage 960 Euro extra kostet und man für 18-Zoll-Räder, Aerodynamik-Kit sowie Sportfahrwerk und -sitze leicht weitere 7.500 Euro verpulvern kann. Das macht den Mini Clubman im John-Cooper-Works-Trimm zweifellos zu einem sehr speziellen und exklusiven Auto ohne jeden Hauch von Ärmlichkeit, das nur noch der Größe nach ein Kleinwagen ist.

Kommentare
Bild vergrößern
Christian Gebhardt

Autor:

auto motor und sport, Heft 02 / 2009

Anzeige
Thema
Kleinwagen: Weitere Artikel zu diesem Thema
Renault Twingo gegen VW Up: Kleine Vollwertkost

Der Renault Twingo 1.2 LEV 16V 75 tritt mit neuem Kulleraugen-Look im Test gegen die 75-PS-Version des VW Up 1.0 an.

VW Up 1.0, Renault Twingo 1.2 LEV 16V 75
VW Up 1.0 im Test: Hoher Spaßfaktor mit 60 PS?

Mit dem Basis-Up hat VW wieder ein Modell für weniger als 10.000 Euro im Programm. Die Frage ist nur: Reichen 60 PS?

VW Up 1.0
Top Artikel
Mini John Cooper Works: Der stärkste und begehrenswerteste Mini?

John Cooper Works - keine Feststellung, sondern der Name des stärksten Mini. Den ersten JCW musste man sich aus Zubehör zusammenstellen. Nun gibt es ihn komplett als Serienmodell. Mit 211 Turbo-PS der begehrenswerteste Mini?


Mini John Cooper Works Cabrio: Offene Kraft

Mini präsentiert das John Cooper Works Cabrio, welches im Vergleich zum 175 PS starken Mini Cooper S Cabrio mit 211 PS aufwartet. Die Preise starten bei 31.350 Euro.


Newsletter
Neuwagen suchen

Neuwagen zu Internet-Preisen

Konfigurieren Sie jetzt Ihr Wunschfahrzeug zu besonders günstigen Konditionen!

Aktuelle Ausgabe
auto motor und sport - Heft 5/2012
Ab jetzt im Handel auto motor und sport - Heft 05/2012
Sportauto
Tuner 0-300-0 km/h 2011: Tuning-Elite beim High-Speed-Test

Acht getunte Sportmodelle mit 5.481 PS nahmen beim Beschleunigungs- und Bremsentest 0-300-0 km/h teil.

Tuning-Elite beim High-Speed-Test
Motor Klassik
Opel Diplomat B V8: Groß-Projekt - Aufbau statt Schrottplatz

Ein schleudernder Mercedes verwandelt Steffen Exners Opel Diplomat in einen Totalschaden. Doch Exner baut ihn wieder auf.

Groß-Projekt - Aufbau statt Schrottplatz
4WheelFun
Kälte-Chaos für Dieselfahrer: Was tun, wenn der Diesel streikt?

Eiseskälte in Deutschland, und immer mehr Diesel-Fahrzeuge bleiben liegen. Woher kommt das und was lässt sich dagegen tun?

Was tun, wenn der Diesel streikt?
Alle Autos von A-Z
  • Loading...
  • Loading...