Mini Cooper S Cabrio mit 175 PS

Neues Mini Stoffdach-Cabriolet mit Fahrspaß-Garantie

Mini Cooper Cabrio

Der Frühling kann kommen: BMW bringt die Neuauflage des Mini Cabrio - wieder mit Stoffdach. Im Test muss die 175 PS starke Mini Cooper S-Version zeigen, ob sie nur 1.200 Euro teurer oder auch besser geworden ist als ihr beliebter Vorgänger.

Es schneeregnet, die Temperatur liegt nur eine Handbreit über null. Nicht gerade ideale Bedingungen für die Eröffnung der Cabrio-Saison, aber Fahrer und Auto tragen wintertaugliche Stoffmützen. Die des Mini Cabrio hat sogar eine beheizbare Glasheckscheibe, die noch nicht einmal Aufpreis kostet. Schon bislang war das Mini Cabrio ein erfolgreiches Spaßmobil, 164.000 Käufer entschieden sich für die erste Generation.

Öffnen oder Schließen in 15 Sekunden

Beim Offenfahren war der Mini schon immer einer der ganz Großen. Dazu trägt die weit vor dem Fahrer steil aufragende Windschutzscheibe einen erheblichen Teil bei. Wer mag, sitzt hinter ihr wirklich im Freien und im frischen Luftstrom. Wird es zu viel oder der Schneeregen zu stark, kann man die Elemente zunächst mit den vier Fenstern regulieren, in einer zweiten Stufe das Windschott (250 Euro) über der Rückbank montieren. Wenn es dann immer noch zu sehr zieht, lässt sich das Dach so weit schließen, dass das Sonnenrollo über den Köpfen der vorne Sitzenden nur einen kleinen Spalt freigibt, den Silberstreif am Spätwinterhimmel sozusagen. Das komplette Öffnen oder Schließen bringt der Mini in flotten 15 Sekunden hinter sich, wobei er bis zu 30 km/h schnell fahren darf.

Mit Dach ist die Übersichtlichkeit nach hinten dahin, weil das Heckfenster, das cabriotypisch ohne Wischer auskommen muss, schnell verschmutzt und die Spiegel die Umwelt leicht verzerrt wiedergeben. Viele Aufmerksamkeiten kann man selbst vom 26.500 Euro teuren Mini Cooper S Cabrio mit 175 PS nicht erwarten. Die Klimaanlage kostet 960 Euro, und weil sie heute ein Muss ist, liegt der Basispreis eigentlich bei 27.460 Euro. Ein kaum nennenswertes Ablagenpaket, die Beifahrerairbag- Abschaltung, Aschenbecher, das CD-Radio mit MP3-Funktion, Heckgepäckträger-Vorbereitung sowie der zweite Schlüssel mit Funkfernbedienung sind ebenfalls nicht gratis.

Teure Selbstverständlichkeiten

Wenn man diese Selbstverständlichkeiten haben möchte, werden weitere 450 Euro fällig, und mit Leder (1.440 Euro), Metallic-Lack (450 Euro) sowie Xenonlicht (670 Euro) und Navi (2.450 Euro) steigt die Gesamtsumme leicht über 30.000 Euro. Doch die Verstimmung über die selbstbewusste Preispolitik hält nur bis zur ersten Ausfahrt auf einer wenig frequentierten Landstraße, denn es ist eine Freude, mit dem kleinen Viersitzer artgerecht zu spielen. Aber der Reihe nach. Ganz so steif wie die geschlossene ist die Topless-Version nicht. Verschlissene Asphaltdecken führen beim Cabrio zu einem leicht unwilligen Schütteln und Vibrieren im Gebälk, vereinzeltes Knistern bleibt nicht aus. In diesem Punkt unterscheidet sich der Mini nicht von anderen offenen Autos.

Fortschritte bei der Materialwahl

Bei der fröhlichen Optik sieht es anders aus. Aber während die erste Generation nicht nur optisch, sondern auch qualitativ bisweilen an ein groß geratenes Spielzeug erinnerte, zeigt der Neue klare Fortschritte bei den Materialien und ihrer Verarbeitung, ohne dass das Interieur seine Verspieltheit eingebüßt hätte. Mini-Fans mögen es so. Sie stört kaum, dass ein mittig positionierter Tacho schlecht abzulesen ist. Sie wissen, dass sich die Geschwindigkeit auch im groben LCD-Display des Drehzahlmessers darstellen lässt. Möchte man sich allerdings gleichzeitig noch den Durchschnittsverbrauch anzeigen lassen, der dann im Tacho erscheint, verschwindet die Uhrzeit.

Start-Stopp-System spart Sprit

Warum, bleibt ein Geheimnis, denn große Teile der LCD-Anzeige sind ungenutzt. Aber wer schaut schon auf die Uhr, wenn er mit seinem Mini auf der Hausstrecke unterwegs ist? Unterwegs dahin gibt der Kleine noch den Vernünftigen und schaltet beim Warten an der Ampel den Motor ab, um ihn beim Tritt auf die Kupplung wieder anzuwerfen. Das Start-Stopp-System spart Sprit, fünf Prozent mindestens, bis zu 20 Prozent im Stop-and-go-Verkehr.

Eine winzige Schaltanzeige im Drehzahlmesser mahnt außerdem zur korrekten Gangwahl und niedrigen Tourenzahlen, wobei der Motor gern und freudig hochdreht, um das Cabrio vehement nach vorn zu drücken. Der Testverbrauch von 10,2 Litern zeigt, dass aus dem Mini kein Ökomobil geworden ist.

Bummeltempo und Mini passen nicht zusammen

Wer es drauf anlegt, kommt aber auch mit 6,8 Liter/100 km von A nach B, wenngleich nicht sonderlich dynamisch. Bummeltempo und Mini passen allerdings nicht wirklich zusammen, denn die Neuauflage lässt sich noch behänder um die Ecken werfen als der ohnehin schon umtriebige Vorgänger. Die Untersteuer- Tendenz egalisiert man dabei am besten über einen provozierten Heckschwenk per Lastwechsel. Das ESP setzt dem bunten Treiben erst spät Grenzen. Den Frontantrieb kann der Mini dabei kaum verhehlen, ein paar der 175 Pferde spürt man in den Kurven immer in der Lenkung. Präzision und Rückmeldung leiden darunter jedoch wenig, und so fräst man sich auf der angepeilten Linie durch Wechselkurven. Minitypisch straff, aber nicht übertrieben hart gefedert geht es voran.

Gehalten wird man dabei von gut stützenden und bequemen Sportsitzen, deren Verstellbereich bis zu 1,90 Meter Körpergröße ausreicht. Die Fondsitze mit ihren steilen Lehnen sind für Erwachsene eher ungeeignet. Auch der Gepäcktransport ist bei gerade mal 170 bis 660 Liter Kofferraum wahrlich keine Paradedisziplin, aber wer will im Mini schon zu viert verreisen? Zumal es hinten keine Sitzheizung gibt. Und ohne die macht das Offenfahren bei Schneeregen noch nicht einmal im Mini Cabrio Spaß. Also mitbestellen, auch wenn sie nochmals 290 Euro Aufpreis kostet.

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Christian Bangemann

Autor:

auto motor und sport, Heft 07 / 2009

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