Mini John Cooper Works: Der stärkste und begehrenswerteste Mini?

John Cooper Works - keine Feststellung, sondern der Name des stärksten Mini. Den ersten JCW musste man sich aus Zubehör zusammenstellen. Nun gibt es ihn komplett als Serienmodell. Mit 211 Turbo-PS der begehrenswerteste Mini?

Ja, es stimmt. Dafür bekommen Sie auch einen VW Golf GTI. Und falls Sie sich auch heftig entrüsten müssen, wie die meisten, die hören, was der Mini John Cooper Works (JCW) kostet - 27 700 Euro nämlich - hier gleich die Zahl: Den GTI gibt es 2.050 Euro günstiger.

Und der hat, wie Golf-Gläubige nicht müde werden zu betonen, die Klimaanlage serienmäßig. Beim JCW kostet sie 960 Euro. So summiert sich ein sehr umfangreicher Preis für nur 6,25 Quadratmeter Auto - vor allem, wenn es die große John- Cooper-Works-Rundum-Packung sein soll: Für Sportfahrwerk, 18-Zoll-Räder, Sportsitze und Aerodynamik-Kit lassen sich leicht weitere 7.500 Euro verpulvern. Ärgerlich dabei: Einige Teile sind nur nachrüstbar.

Die kann man anbauen lassen - die ausgetauschten Serienteile verramscht man dann bei Ebay. Beim ersten JCW von 2004 gab es zunächst alle Works-Insignien nur zum Nachrüsten, später als Zubehör ab Werk. Der Neue gehört nun zum Serienprogramm. Er basiert weiterhin auf dem Cooper S, von dem übernimmt er auch das Fahrwerk - bis auf die 17-Zoll- Leichtmetallräder und die Sportbremse. Dabei wirkte die Bremse des S keineswegs überfordert. Die Works-Anlage ähnelt der aus der Rennserie Mini Challenge, in der hochgradig getunte JCW fahren.

Serien-Works

Beim Serien-Works haben die vorderen Bremsscheiben 22 Millimeter mehr Durchmesser, die hinteren 21. Damit verzögert der JCW brachial - mit kalter Bremse beinahe auf dem Niveau eines Porsche 911 Carrera S. Damit es überhaupt mehr einzubremsen gibt, leistet der Vierzylinder 36 PS zusätzlich. Die Entwickler haben am 1,6-Liter- Direkteinspritzer Luftfilter, Luftmassenmesser, Abgasanlage und Katalysator überarbeitet, um Ansaug- und Abgasseite zu entdrosseln.

Verstärkte Kolben, ein festerer Zylinderkopf und die von 10,5 auf 10,0 verringerte Verdichtung ermöglichen es, den Ladedruck von 0,9 auf 1,3 bar hochzudrehen. Das haucht dem Motor 211 PS ein. Viel bringt die Mehrleistung aber nicht.

Zwar zerrt der JCW in sieben Sekunden auf 100 km/h. Das wäre beeindruckend, wenn das Werk nicht 6,5 Sekunden versprechen und der schwächere, 5.600 Euro günstigere Cooper S eben nicht auch glatt sieben Sekunden benötigen würde (Heft 11/2007). Erst bei höherem Tempo setzt sich der JCW vom S ab - ganz leicht, bis 160 km/h um 1,7 Sekunden. Das ist im Alltag so unmerklich und unerheblich wie die minimal besseren Durchzugswerte: Obwohl der Works 20 Nm mehr bietet als der S, liegt er in der Elastizitätsmessung maximal 0,2 Sekunden vorn.

Bolziges Fahrwerk

Zumindest geht er effizient mit dem Kraftstoff um - auch ohne die bei den anderen Mini serienmäßige Start-Stopp- Automatik. Schon mit acht Liter Super Plus lässt sich der JCW sehr kurzweilige 100 Kilometer weit bewegen. Doch wegen des Verbrauchs wird ihn keiner bestellen. Und wenn man ihn auch wegen der Fahrleistungen nicht zu kaufen braucht, warum dann? Man muss ihn sich erst schönfahren. Auf der Autobahn klappt das nicht.

Das bolzige Fahrwerk mit den großen Niederquerschnittreifen schüttelt die Passagiere bei kleinsten Unebenheiten durch, die Räder jagen Spurrillen hinterher. Den Langstreckenkomfort sabotiert der krakeelige Auspuff. Dann endlich darf sich der JCW über Landstraßen flegeln. Der Schalthebel klackt auf kurzen, präzisen Wegen durch die eng gestuften Gänge des verstärkten Sechsganggetriebes.

Dabei wäre die viele Schalterei nicht nötig, weil der Turbo den JCW selbst aus niedrigen Drehzahlen energisch und fast verzögerungsfrei voranzieht. Doch auch jetzt überragt er den Cooper S nicht, wie die Werte der Fahrdynamik-Prüfungen zeigen.

Sport-Taste

Erst wenn die Sport-Taste vor dem Schalthebel gedrückt wird, Lenkung und Gaspedal eine giftigere Charakteristik annehmen, pulsiert etwas mehr Gier durch den JCW als durch seine schwächeren Brüder: Diese Minitypische Gier, mit der er in Kurven einlenkt, sie auch bei hohem Tempo sicher und neutral umrundet, wenn der Fahrer nicht durch einen Lastwechsel kurz das Heck ins Übersteuernde zucken lässt - wobei das elektronische Stabilitätsprogramm DSC zu großen Übermut souverän einbremst.

Es lässt sich zweistufig regulieren: Im DTC-Modus nimmt es alles etwas lässiger und erlaubt Schlupf an den Vorderrädern - wobei es gerade daran nie mangelt. Mit starkem Lenkungszerren und radierenden Reifen schabt sich der Mini aus engen Kehren. Beim Beschleunigen trampelt oder versetzt die Vorderachse selbst bei voll aktiviertem DSC. Ein Sperrdifferenzial müsste da helfen. Der JCW hat eines, allerdings kein mechanisches mehr wie sein Vorgänger, sondern ein elektronisches. Es aktiviert sich erst, wenn DSC und DTC komplett abgeschaltet sind.

Per Bremseingriff werden die Vorderräder bei Schlupf individuell verzögert, was der Wirkung einer 50-Prozent-Sperre gleichkommen soll. Es sorgt für eine bessere Traktion, was aber ein geringer Nutzen ist, wenn man dafür ohne DSC fahren muss. Weil der JCW nichts entscheidend besser kann als seine Basis, der Cooper S, gibt es nur drei Sterne. Wer damit leben kann, bekommt mit dem Works ein zu teures, zu hartes und zu lautes Auto mit markanten Schwächen und eklatanten Stärken. Weniger frenetische Mini-Fans wählen besser den S. Und alle anderen sollten ihn eben kaufen, ihren Golf GTI - mit Klima.

3 5 1
Kommentare
Bild vergrößern
Sebastian Renz

Autor:

Anzeige
Top Artikel
Alfa Mito und Mini Cooper: Kurz und Mut

Dank seiner Herkunft und seinem eigenständigen Design hat der neue Alfa Romeo Mito das Zeug zum ernsthaften Mini-Rivalen. Ein Vergleich des Newcomers mit dem Bestseller zeigt beider Stärken und Schwächen.


Mini Cooper: Funny Knödel

Die Neuauflage des urbritischen Kleinwagen-Klassikers entsteht vollständig unter BMW-Regie. Ist es gelungen, nicht nur das knuffige Äußere der englischen Ikone zu zitieren? Ein erster Test des 115 PS starken Autos.


Newsletter
Neuwagen suchen

Neuwagen zu Internet-Preisen

Konfigurieren Sie jetzt Ihr Wunschfahrzeug zu besonders günstigen Konditionen!

Aktuelle Ausgabe
auto motor und sport - Heft 5/2012
Ab jetzt im Handel auto motor und sport - Heft 05/2012
Sportauto
Tuner 0-300-0 km/h 2011: Tuning-Elite beim High-Speed-Test

Acht getunte Sportmodelle mit 5.481 PS nahmen beim Beschleunigungs- und Bremsentest 0-300-0 km/h teil.

Tuning-Elite beim High-Speed-Test
Motor Klassik
Opel Diplomat B V8: Groß-Projekt - Aufbau statt Schrottplatz

Ein schleudernder Mercedes verwandelt Steffen Exners Opel Diplomat in einen Totalschaden. Doch Exner baut ihn wieder auf.

Groß-Projekt - Aufbau statt Schrottplatz
4WheelFun
Kälte-Chaos für Dieselfahrer: Was tun, wenn der Diesel streikt?

Eiseskälte in Deutschland, und immer mehr Diesel-Fahrzeuge bleiben liegen. Woher kommt das und was lässt sich dagegen tun?

Was tun, wenn der Diesel streikt?
Alle Autos von A-Z
  • Loading...
  • Loading...