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Der neue Ford Focus RS im Test

Auf dem Hockenheimring offenbaren sich die Stärken und Schwächen des neuen RS-Modells

Ford Focus RS Foto: Rossen Gargolov 28 Bilder

Autos der Marke Ford, die die Lettern RS im Namen tragen, sind den Ansprüchen sportlich orientierter Autofahrer gemeinhin in hohem Maße gewachsen. Mit dem aktuellen, turbobefeuerten und 305 PS starken Ford Focus RS haben die Kölner nun ein ganz besonders heißes und mit 33.900 Euro Grundpreis zudem sehr erschwingliches Eisen im Feuer.

28.05.2009 Anja Wassertheurer Powered by

Frontantrieb und über 300 PS? Vor nicht allzu langer Zeit galt diese Kombination noch als klares Killer-Kriterium für Fahrbarkeit und Alltagstauglichkeit. Heute stimmt das nurmehr bedingt. Moderne Differenzialsperren sind in der Lage, das bei starken Fronttrieblern ehedem bemängelte nachhaltige Zerren an der Lenkung bei voller Leistungsanforderung weitgehend zu eliminieren.

Relativ einfach lässt sich dies auf elektronischem Weg bewerkstelligen. Ein paar gezielte Bremseingriffe hier und eine sachte Zurücknahme der Leistung da – schon ist die Sache geritzt. Die anerkanntermaßen überaus sportaffinen Ingenieure des mit der Entwicklung von Hochleistungs-Automobilen beschäftigten Ford TeamRS um den Siegerländer Vollblut-Racer Jost Capito mochten es bei diesem Pflichtprogramm jedoch nicht bewenden lassen und haben sich beim Aufbau des neuen Focus RS klar der Kür verschrieben.

Ford Focus RS 2:36 Min.

Beispielhafte Traktion trotz 305 PS
 
Ergo darf der mit 1.484 Kilo nicht eben leichte Viersitzer mit dem markanten Flügel am Heck auf eine weiterentwickelte, mit sechs Planetengetrieben versehene mechanische Differenzialsperre und eine patentierte neue Vorderachskonstruktion vertrauen. Maßgeblichste Besonderheit der sogenannten „Revo“-Technologie ist, dass sich der normalerweise aus einem Stück bestehende Achsschenkel hier in zwei Teile aufteilt. Ein Teil fixiert Federbein und unteren Querlenker, das andere rotiert um die Lenkachse des Autos.
 
Gemäß der Theorie lassen sich so mittels einer sorgfältig angepassten Geometrie der vorderen Radaufhängungen die bei Fronttrieblern dieser Leistungsklasse ansonsten unangenehm auffallenden Einflüsse des Motormoments auf die Lenkung reduzieren. Tatsächlich geht auch das Traktionsvermögen des dank eines schärferen Nockenwellenprofils, eines überarbeiteten Ansaugsystems, eines modifizierten Auspuffkrümmers und vor allem eines größeren Turboladers vom Typ Borg Warner K16 mit beeindruckenden 305 PS antretenden Focus-Topmodells als beispielhaft durch.
 
Kein Scharren mit den Vorderrädern
 
Ob im Alltag oder auf der Rennstrecke – nerviges Lenkradzerren oder haltloses Scharren mit den Vorderrädern ist beim RS trotz des mit bis zu 1,4 bar Arbeitsdruck anblasenden Laders (Focus ST 0,7 bar) zu keiner Zeit ein Thema.
 
Dass der Fronttriebler die vom Werk getroffene Vorgabe von 5,9 Sekunden für den 0-100-Sprint im Test mit 6,4 Sekunden dennoch vergleichsweise deutlich verfehlt, hat demnach andere Gründe. Zum einen schnürte der leuchtendblaue Testwagen entgegen den Beteuerungen der Pressemappe im oberen Drehzahlbereich leicht zu, weshalb sich der bestmögliche 0-100-Wert nicht im zweiten Gang, wie von den Ingenieuren empfohlen, sondern unter Inkaufnahme eines weiteren Schaltvorgangs erst in der dritten Stufe realisieren ließ.
 
Anregendes Pfeifen beim Leistungsaufbau
 
Zum anderen fällt es aufgrund der recht weich geratenen Motorlager schwer, mit ausreichend Schlupf anzufahren, ohne die Vorderachse zum nachhaltigen Stempeln anzuregen. Auch die am Testtag herrschenden 25 Grad Außentemperatur dürften sich auf die Performance des Kölners negativ ausgewirkt haben. Doch halten wir uns nicht länger mit Formalien auf. Angesichts der von einem höchst anregenden Pfeifen beim Leistungsaufbau untermalten Spritzigkeit des stärksten Focus spielt derlei Zahlenwerk im Alltag keine Rolle.

Die offerierte Leistung von 305, sich progressiv entfaltenden Pferdestärken und das zwischen 2.300 und 4.500 Touren gleich dem Tafelberg über Kapstadt aufragenden Drehmomentbergs von beachtlichen 440 Newtonmeter lassen im Focus RS keine Wünsche offen. Ob schaltfaul oder aktiv gefahren – das kompakte Ford-Flaggschiff muss bei schnellen Autobahnüberflügen kaum Gegner fürchten. Dabei bleibt das Innengeräuschniveau moderater, als es die mächtigen Ofenrohre am Heck vermuten lassen.
 
Der Focus RS ist erstaunlich alltagstauglich
 
Von einer leichten Stupfeligkeit beim Überfahren kurz aufeinanderfolgender Bodenwellen abgesehen, gibt sich der Focus RS erstaunlich alltagstauglich, ohne aus seinem Sportlerherz ein Hehl zu machen. Ein bisschen Pfeifen und Prusten gehört bei einem Fünfzylinder-Turbo dieses Kalibers ja auch zum guten Ton.
 
Ob der insgesamt recht muskulös geratene Auftritt des Newcomers schreckt oder entzückt, muss jeder für sich entscheiden. Dem Überholprestige kommt die von großen Kühllufteinlässen gekennzeichnete Front des RS jedenfalls entgegen. Die Ergonomie im Cockpit ist gut, die Bedienung weitgehend selbsterklärend. Einzig die Sitzposition und das Lenkraddesign überzeugen nicht wirklich. Erstgenannte hätte ruhig etwas tiefer, letzteres einen Tick eleganter ausfallen können.
 
Flott Kurvenhatz wird zum Vergnügen
 
Über jeden Zweifel erhaben ist hingegen das Gebaren des Focus RS im fahrdynamischen Grenzbereich. Die Art und Weise, mit der der Rheinländer den 2,6 Kilometer langen Kurs im Badischen in Angriff nimmt, ist allemal dazu angetan, Fans sportlicher Fronttriebler ein breites Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Lenkbefehle werden spontan und ohne jedwede Verzögerung umgesetzt, der anstehende Richtungswechsel durch das willige Mitlenken des Hecks wirkungsvoll unterstützt.
 
Dabei lässt sich die Größe des Gierwinkels quasi nach Belieben dosieren: Wird ruhig und gleichmäßig eingelenkt, folgt das flügelbewehrte Hinterteil sanft und spurstabil. Zackige Richtungswechsel quittiert der Sport-Ford mit markant vorgetragenen Sidesteps, die die flotte Kurvenhatz ausgesprochen vergnüglich gestalten. Die mit 336-Millimeter-Discs vorn und 302 Millimeter großen Scheiben hinten ordentlich dimensionierte Bremsanlage hat den 4,40 langen Kompaktsportler gut im Griff und lässt keinerlei Fadingneigung erkennen.

Reifen verhindern Best-Werte
 
Wäre da nicht die suboptimale Reifenwahl, der Ford Focus RS hätte in Hockenheim ganz klar das Zeug zum Überflieger gehabt. So aber muss der Kölner bei der Zeitenhatz wie auch im Slalom den ihm ins Lastenheft geschriebenen Allroundqualitäten Tribut zollen. Zugunsten verbesserter Nässe-Eigenschaften wurde der RS mit Conti SportContact3 der Dimension 235/35 R 19 ins Rennen geschickt.
 
Reifen also, die weniger kompromisslos auf Sport getrimmt sind als die Gummis der italienischen und japanischen Konkurrenz. Ein Umstand, der bei 25 Grad Luft- und 38 Grad Asphalttemperatur Spuren hinterlässt. Die schnellste Zeit fiel mit 1.17,8 Minuten gleich in der ersten Runde. Anschließend schmierten die Reifen hier wie auch im Slalom zusehends.
 
Die für rennbegeisterte Fahrer seitens des TeamRS für den Focus derzeit in der Erprobung befindlichen Toyo-Sportpneus könnten hier Abhilfe schaffen und dem Focus RS bescheren, was er verdient: eine Rundenzeit von round about 1.16 Minuten und über 68 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit in der Wechselgasse.

Technische Daten
Ford Focus RS
Grundpreis35.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4402 x 1842 x 1497 mm
KofferraumvolumenVDA385 L
Hubraum / Motor2521 cm³ / 5-Zylinder
Leistung224 kW / 305 PS (440 Nm)
Höchstgeschwindigkeit263 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,9 s
Verbrauch9,4 L/100 km
Testverbrauch14,4 L/100 km
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