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Nissan GT-R Nismo im Test

Godzilla bittet zum Tanz

Nissan GT-R Nismo, Frontansicht Foto: Rossen Gargolov 23 Bilder

Wow! Was für ein Tier! Keiner trägt den Spitznamen Godzilla glaubwürdiger als der Nissan GT-R Nismo mit 600 PS. Erster, exklusiver Rennstreckentest auf der Nürburgring-GP-Strecke.

21.09.2014 Christian Gebhardt Powered by

„Wat is denn dat für ne Flunder, wollen wir tauschen?“, fragt der ältere Herr an der Tankstelle im Dunstkreis der Nürburg, während Godzilla genüsslich 102 Oktan süffelt. Tauschen? Keine Chance. Godzilla? Den martialischen Spitznamen eines Filmmonsters trugen schon die Skyline-Vorgänger, doch keiner trägt ihn so stolz wie das neueste PS-Ross im Nissan-Stall: Nach dem Europastart der japanischen Werkstuning-Kultmarke mit dem Crossover Juke Nismo und dem Einstiegssportler 370Z Nismo stürzt sich ab September der Nismo-Ableger des GT-R ins Rennen.

Fertig getankt, schnell einsteigen ins neue Nissan GT-R Nismo-Cockpit. Statt des etwas wulstigen Recaro-Gestühls der Serienversion fädelt sich der Pilot hier in filigranere Schalensitze mit Kohlefaserverschalung, die ebenfalls von Recaro stammen. Der Seitenhalt im Oberkörperbereich ist besser, die Seitenwangen der Sitzfläche könnten jedoch höher gezogen sein, um noch mehr Abstützung zu bieten. Dafür ist die Sitzposition nun tiefer, und auch größere Trackfans passen mit Helm ins Cockpit.

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Einzeltest mit Rundenzeit GP-Kurs Nürburgring Nissan GT-R Nismo
Sport Auto 09/2014
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Nissan GT-R Nismo, Frontansicht
Nissan GT-R Nismo im Test 5:43 Min.

Mit dem Nissan GT-R Nismo zur Nürburg statt nach Hockenheim

Startknopf drücken, der Antriebsstrang ist mit mechanischer Geräuschkulisse sofort hellwach, während die Drehzahlnadel im roten Rundinstrument mit Nismo-Schriftzug in Hab-acht-Stellung lauert. Gerne hätten wir mit dem Nissan GT-R Nismo den Hockenheimring unsicher gemacht, doch genau in den Testzeitraum des Sumo-Sportlers fällt das Dragster-Rennen Nitrolympx. Statt Hockenheim Kleiner Kurs heißt es diesmal Grand-Prix-Strecke Nürburgring. Leider nicht wie sonst exklusiv und alleine zur „time attack“, sondern im Rahmen eines Trackdays. Vorab: Eine absolut freie Runde ohne Verkehr war dem Nissan GT-R Nismo so nicht vergönnt.

Klick, klick, klick – wir schärfen die GTR-Sinne über die drei Kippschalter auf der Mittelkonsole: Allrad und Dämpfer in den R-Modus, ESP off. Schnell noch den Getriebewählhebel des Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebes in den manuellen Modus befördern, bevor der Nippon-Kämpfer durch die Coca-Cola-Kurve und dann infernalisch fauchend über die Start-Ziel-Gerade rennt.

50 PS mehr für Godzilla

Im Vergleich mit der 550 PS starken 2013er- und 2014er-Version leistet das Nismo-Modell 50 PS mehr. 3,4 und 11,2 Sekunden – die Beschleunigungswerte auf 100 km/h und 200 km/h bestätigen später, was wir subjektiv schon auf dem GP-Kurs spüren. Der Nismo beschleunigt kaum schneller als der zuletzt gemessene GT-R (sport auto 8/2013: 0–100 km/h: 3,3 s; 0–200 km/h: 11,5 s). Bereits nach vier Launch-Control-Starts geht die Getriebesteuerung des Nissan GT-R Nismo kurzzeitig in den Notlauf. Eigentlich schienen die Thermikprobleme der frühen GT-R-Versionen Geschichte zu sein.

Das maximale Drehmoment steigt nochmals um 20 auf 652 Nm. Immer wieder faszinierend, wie viele Leistungsreserven der einst 2007 mit 485 PS präsentierte V6-Biturbo hat. Turboloch? Ladedruckdellen? Fremdwörter für den 600-PS-Godzilla. Gefühlt zieht auch der Über-GT-R nicht die Wurst vom Teller, sondern reißt gleich den ganzen Esstisch um. Kurz vor dem Bremspunkt auf der Start-Ziel-Geraden hat der Nissan GT-R Nismo 236 km/h drauf und macht dabei fast GT-Rennwagen neidisch.

42 Kilo leichter als Serien-GT-R

Einen Wimpernschlag später verrichtet die Brembo-Bremsanlage Schwerstarbeit. Die guten Verzögerungswerte bei der Standmessung aus 100 und 200 km/h toppt das Nismo-Modell mit 12,7 m/s beim Anbremsen auf den Yokohama-S-Rechtsbogen nach Start-Ziel. Frühe Bremspunkte sind Pflicht. Spätbremser mag der Nissan GT-R Nismo nicht, denn dann kann er sein hohes Gewicht von 1.729 Kilo nicht mehr verheimlichen und schiebt über die Vorderachse. Dank verschiedener Kohlefaserteile (Sitze, Heckdeckel, Flügel, Seitenschweller und Diffusor) wiegt die Nismo-Dampfwalze immerhin 42 Kilo weniger als das Serienmodell.

Die mit gleicher Rad-Reifen-Kombination bestückte Nismo-Version lenkt präzise ein. Unter Schleppgas drängt der GT-R dann jedoch leicht ins Untersteuern, das entweder vorher durch bewusst platzierte Lastwechsel oder abrupten Lasteinsatz neutralisiert werden kann. Bei Volllast merkt man dann, wie der variable Allradantrieb die Kraft zur Hinterachse verteilt und der Nissan GT-R Nismo leicht sein Heck raushängen lässt. Voll auf dem Gas stehen bleiben, eine kurze Lenkkorrektur, und weiter geht die Erstürmung der Ideallinie – auch der Nismo-Allradler zählt zur Gattung der einfach beherrschbaren PS-Tiere.

Straffes Set-up bei leichtem Untersteuern

Mercedes-Arena, Dunlop-Kehre, Schumacher-S – der Nissan GT-R Nismo carvt im Test mit leicht modifiziertem Fahrwerk samt adaptiven Bilstein-Dämpfern sowie höheren Nachlaufwerten. Insgesamt wirkt das Set-up straffer. Um die Rollneigung weiter zu minimieren, arbeitet an der Hinterachse ein 17,3 mm dicker und hohl gebohrter Querstabi. Mit 71,9 km/h wedelt der Nissan GT-R Nismo später schneller als sein Serienbruder (70,5 km/h) durch den 18-Meter-Slalom. Auch hier untersteuert er leicht und muss per Lastwechsel zum Einlenken bewegt werden.

Vier Kilometer der insgesamt 5.137 Meter sind abgefeiert, als der Nismo mit 218 km/h durch den Hatzenbachbogen rennt und anschließend, kurz vor der NGK-Schikane, seine Höchstgeschwindigkeit von 237 km/h auf dem Grand-Prix-Kurs erreicht. Nach 2.13,8 Minuten fegt der Nissan GT-R Nismo über die Ziellinie. Drei schnelle GP-Runden, mit jeweils einer längeren Abkühlphase dazwischen, und der Ring-Ausflug ist beendet.

Rätselhafte Reifenpanne

Ein Aha-Erlebnis gab's noch: Auf der Rückfahrt vom Ring löste sich bei Höchstgeschwindigkeit (315 km/h) auf einer leeren Eifel-Autobahn die Lauffläche des rechten Hinterreifens. Dabei blieb der Power-Nissan glücklicherweise fahrstabil.

Der ausschließlich für den Nissan GT-R Nismo produzierte Reifen läuft zwar unter dem Namen Dunlop SP Sport Maxx GT 600 DSST CTT, ist jedoch eine komplette japanische Eigenentwicklung, die von Sumitomo Rubber Industries in Japan entwickelt und produziert wird.

Bereits 2012 hatten wir einen ähnlichen Fall, als auf einem GT-R-Testwagen der linke Vorderreifen bei hohem Tempo platzte. Ob der aktuelle Fall auf eine Vorschädigung oder auf die tendenziell eher niedrigen werksseitigen Luftdruckangaben bei gleichzeitig recht hohem Fahrzeuggewicht zurückzuführen ist, wird noch analysiert.

Technische Daten
Nissan GT-R Nismo
Grundpreis149.990 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4680 x 1895 x 1370 mm
KofferraumvolumenVDA315 L
Hubraum / Motor3799 cm³ / 6-Zylinder
Leistung441 kW / 600 PS (652 Nm)
Höchstgeschwindigkeit315 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h2,7 s
Verbrauch11,8 L/100 km
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