Den Nissan Murano sieht man auf deutschen Straßen fast so oft wie Wölfe außerhalb von Tierparkgehegen. Von der ersten Generation wurden hierzulande seit Markteinführung im März 2005 insgesamt nur 3.920 Fahrzeuge verkauft. Dafür rollte der japanische SUV mit seinem hubraumstarken Sechszylinder-Benziner 60 Mal so oft aus amerikanischen Showräumen. Auch der Nachfolger scheint weiterhin mehr auf amerikanische Highway-Jünger zu zielen, denn am Grundkonzept hat sich wenig geändert. Selbst das Design mit spitz zulaufenden Scheinwerfern und markantem Chromgrill wirkt wie eine sanfte Evolution des Ur-Modells.
Die Variabilität überzeugt
Zwar ist der Nachfolger 65 Millimeter länger, Breite und Höhe sind jedoch mit dem Vorläufer nahezu identisch. Am Radstand wurde nichts verändert (2.825 mm). Mit 402 Litern (bis Unterkante Kofferraumabdeckung) bietet der Novize allerdings nochmals 36 Liter weniger Gepäckraumvolumen als bisher. Pragmatiker werden trotzdem von der Bein- und Kopffreiheit auf allen Sitzplätzen begeistert sein. Auch die Variabilität der asymmetrisch umklappbaren Rücksitzbank (60:40) überzeugt. Für die hinteren Passagiere stehen sechs verschiedene Lehnenpositionen zur Wahl. Per Hebelmechanismus im Kofferraum mutiert die Sitzbank durch Vorkippen blitzschnell zu einer ebenen Ladefläche mit bis zu 838 Liter Kofferraumvolumen (bis Fensterunterkante). Ebenso komfortabel lassen sich die Rücksitze per Knopfdruck im Cockpit oder Gepäckabteil elektrisch aufrichten. Im Interieur glänzt der Nissan mehr als sein Vorgänger mit edel verarbeitetem Leder und hochwertigen Alu-Applikationen. Schon die Basisversion bietet eine umfangreiche Serienausstattung (Bixenon, DVD-Navigation mit Sieben-Zoll- Bildschirm, Multifunktionslenkrad). Hilfreicher als die beiden serienmäßigen Kameras, die den Rückraum und den Platz um das rechte Vorderrad ausspähen, wäre eine akustische Einparkhilfe im Basisumfang. Verzerrte Bilder auf dem Navigationsbildschirm tragen ebenso wenig zur Rundumsicht bei wie die winzigen hinteren Dreiecksfenster.
3,5-Liter-V6 mit mehr Leistung
Beim Blick in den Motorraum stößt man auf einen alten Bekannten. Hier arbeitet weiterhin ausschließlich ein 3,5-Liter-V6, dessen Leistung durch leichte Modifikationen um 22 auf 256 PS stieg. Aus dem unteren Drehzahlbereich gleitet der Murano mit stufenlosem CVT-Getriebe dank guter Motordämmung und stärker schallisolierten Radkästen zwar flüsterleise, aber eher gemächlich los. Beim Sprint auf Landstraßentempo verfehlt der 1,9-Tonner (leer) die Werksangabe mit 8,5 um eine halbe Sekunde. Auch bei der Bremsleistung gibt es Abzüge - 42 Meter aus 100 km/h bis zum Stillstand sind nur Mittelmaß. Wie der Vorgänger giert der Neuling nach entspanntem Gasfuß; lockeres Cruisen ist seine Lieblingsdisziplin. Im Normalfall wird die Antriebskraft dabei an die Vorderräder weitergeleitet. Tritt erhöhter Schlupf auf, überträgt eine Lamellenkupplung automatisch oder per Knopfdruck bis zu 50 Prozent der Kraft an die Hinterachse.
Bei der Abstimmung des Fahrwerks stand der Komfort im Vordergrund. So schwankt der weich gefederte Murano bei forcierter Fahrweise wie ein Kutter auf hoher See. Wenig elegant bremsen ruppige ESP-Eingriffe problemlos zu kritische Schaukeleinlagen ab. Unbefriedigender ist der hohe Testverbrauch von durchschnittlich 15,9 Litern auf 100 Kilometer. Ohne einen sparsamen Diesel im Programm, der frühestens Ende 2009 als 2,5-Liter-Vierzylinder kommen soll, könnte selbst der Absatz von 1.000 für 2009 geplanten Einheiten in Deutschland problematisch werden.




