Nissan Qashqai +2 1.6 im Test: Neue Basis für den langen Qashqai

NIssan Qashqai +2 1.6

Als neues Einstiegsmodell bietet Nissan den Qashqai +2 jetzt auch mit einem 1,6-Liter-Benziner an. Wie es sich mit dem 114 PS starken Motor leben lässt, zeigt der Test.

Nachdem Nissan die Kompaktklasse schon mit Note, Tiida und Qashqai beschickt, werden jetzt die Nischen in den Nischen gefüllt. Denn obwohl die Kundschaft beim beliebtesten des Trios, dem Crossover Qashqai, klar zu den besser ausgestatteten Varianten mit Zweiliter-Motoren tendiert, hat Nissan für die verlängerte +2-Version (4,53 statt 4,32 Meter) relativ spät einen 1,6-Liter-Basis-Benziner nachgeschoben, den es bisher nur mit kurzem Radstand gab.

Kein Allradantrieb für den kleinen Motor

In Zeiten der Krise ein geschickter Schachzug, denn der Qashqai +2 1.6 mit 114 PS ist damit bereits ab 22.190 Euro zu haben - immerhin 3.050 Euro günstiger als der weiterhin verfügbare Benziner mit zwei Liter Hubraum und 141 PS. Nissan geht davon aus, dass sich jeder fünfte +2-Kunde für die Einstiegsvariante entscheiden wird. 114 PS und 156 Newtonmeter Drehmoment klingen zunächst eher dürftig, wenn man an die mögliche Besetzung mit bis zu sieben Personen denkt - fünf Erwachsene plus zwei Kinder in Reihe drei. Allerdings entfällt beim kleinen Motor der Allradantrieb, der auch gegen Aufpreis nicht verfügbar ist und damit mehr als einen Zentner Gewicht einspart. Die Kunden scheint die geringere Traktion übrigens keineswegs zu schrecken, denn der Qashqai wurde schon bislang zu 70 Prozent als reiner Fronttriebler geordert.

Man fühlt sich ausreichend motorisiert

Trotzdem stellt sich die Frage: Ist dieser Qashqai eine Verzichtserklärung auf Rädern? Keinesfalls, selbst wenn es erwartungsgemäß länger dauert, bis ein Überholvorgang abgeschlossen ist. Aber man fühlt sich ausreichend motorisiert, wird selbst an Autobahnsteigungen nicht sofort nach hinten durchgereicht. Freilich muss man - vor allem bei hügeliger Topografie - häufiger im Fünfganggetriebe rühren, was keine große Mühe bereitet. Nur wenn man an die Grenzen des kleinen Vierventilers geht und die Tachonadel Richtung 180 km/h streben lässt, dröhnt der Antrieb bei rund 5.500/ min; darunter sind seine Manieren weitgehend tadellos. Er läuft leise und praktisch ohne Vibrationen, was angesichts niedriger Windgeräusche doppelt positiv auffällt.

Eine Verbrauchsstatistik im Info-Display hilft beim Spritsparen

Ein Sparwunder ist der 1,6-Liter allerdings nicht, bei konstant 130 km/h pendelt die Anzeige des Bordcomputers zwischen acht und neun Liter pro 100 Kilometer. Der Testverbrauch liegt bei 9,2 Liter, doch wer das Gaspedal nur streichelt, kann den Konsum auf acht Liter drücken. Als sehr hilfreich erweist sich dabei eine Verbrauchsstatistik im Info-Display, die empfängliche Naturen zum sparsamen Fahren anregt und gut zum Geist der Einstiegsversion passt.

Während der Qashqai mit dem reinen Vorderradantrieb nichts von seiner Handlichkeit einbüßt, verliert er bei engagierter Fahrweise schnell den Grip am kurveninneren Vorderrad. Dann flackert das ESP-Lämpchen auf, und die elektronischen Zügel greifen weich ins Geschehen ein - sportlich ist anders.

Gutes Platzangebot und solide Verarbeitung

Die Federung teilt diesen Wesenszug jedoch nicht - sie ist klar zu straff ausgelegt, was besonders auf Autobahnetappen mit Frostnarben und Querfugen in der Oberfläche dazu führt, dass der Aufbau des Siebensitzers ständig zittert und bebt. Dieses Manko teilt der +2 1.6 mit seinen Geschwistern, die sehr verzögert ansprechende Heizung scheint jedoch eine Eigenart des kleinen Benziners zu sein. Ansonsten sind keine wesentlichen Unterschiede zu den teuren Varianten zu erkennen - als Fünfsitzer paaren sich gutes Platzangebot und viel Platz für Gepäck mit niedriger Ladekante und solider Verarbeitung. Genügend Pluspunkte also für den Qashqai +2, selbst wenn vor Komfort und Verbrauch eher ein Minus steht.

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Christian Bangemann

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