Den Kleinwagen können Sie vergessen.
Denn was, wie der neue Corsa, aus diesem Segment dem Käufer schöne Augen macht, hat alles Mickrige abgestreift, das mit diesem Begriff über Jahrzehnte verbunden wurde. Selbst klein ist der Corsa nur, wenn man ihn neben automobile Respektspersonen stellt. Aber mit einer Länge, die nur um einen winzigen Millimeter die Vier-Meter-Grenze verfehlt, präsentiert er sich als gestandenes Automobil, dessen Maße nahezu identisch sind mit denen des historischen VW Golf. Nein, nicht des Urmodells, sondern des Golf III. Da hat sich wahrhaftig viel getan – ein Eindruck, der sich nach dem Betreten des Innenraums fortsetzt. Der Testwagen bietet die Ausstattung „Edition“, die nach den Erwartungen des Opel- Marketings den Löwenanteil am Verkauf ausmachen wird.
Er ist aber bemüht, durch Extras Eindruck zu schinden. Klima-Automatik ist an Bord, ein aufwendiges Entertainment- System, beheizbare Sitze. Und selbst das Oberklasse-Merkmal „beheizbares Lenkrad“ hat sich eingeschlichen. Andere nette Zutaten wiederum fehlen unverständlicherweise (siehe Spotlight), was einen – jugendlichen – Tester bewog, kritische Worte ins Fahrtenbuch zu schreiben: ein Junge-Leute- Auto mit Altherren-Extras. Dass die Ausstattungsunterschiede zwischen den Autoklassen ebenso verschwimmen wie die Klassen selbst, ist ein Zug der Zeit. Was bleibt also vom Corsa übrig, wenn man sich die Sonderposten wegdenkt, die wohl nur wenige Käufer bei der Bestellung ankreuzen werden? In erster Linie ein Coupé. Die zweitürige Version des Corsa tritt nicht als biedere Familienkutsche an, sondern entfernt sich optisch deutlich vom Viertürer. Das dient der Attraktivität der Figur und mag insofern schlüssig sein, als Menschen, die Zweitürer kaufen, selten mit voller Besatzung unterwegs sind.
Beim Corsa ist der Zugang zum Fond durch die beim Klappen der Lehnen nach vorn gleitenden Sitze noch erträglich. Der lange Radstand, sichtbar gemacht durch den knappen Karosserieüberhang hinten, sorgt dafür, dass es an Beinraum nicht mangelt. Das stark abfallende Dach allerdings schränkt die Kopffreiheit ein, und die winzigen Dreiecksfenster tun ein Übriges, dass man sich beengt fühlt. Auf eine große Reise möchte man im Corsa- Fond nicht gehen. Wer vorn sitzt, hätte nichts dagegen. Platz gibt es genug, das Ambiente ist freundlich. Rote Farbtöne und eine klavierlackähnliche Oberfläche auf der Mittelkonsole wirken jugendlich und durchaus hochwertig.
Opel Corsa: Blitz-Gescheit
Größer, dynamischer, komfortabler. Auch für den neuen Opel Corsa gilt das gängige Vokabular. Im Test die mit 1,3-Liter-Diesel ausgerüstete Version eines Autos, das sich von gängigen Kleinwagen-Maßstäben verabschiedet.
Autor: Götz Leyrer



