Opel Insignia Sports Tourer 1.6 Edition im Test

Der neue Opel-Insignia-Kombi im Einzeltest

Opel Insignia Sports Tourer 1.6 t Edition

Den Blitz als Erkennungzeichen trägt er im Grill. Doch sonst ist der Insignia Sports Tourer kaum als Opel zu erkennen. Er setzt auf Design statt auf die markentypischen klassischen Kombi-Tugenden.

Jetzt ist also auch noch Opel süchtig. Die Droge namens Premium war zu stark, die Begierde nach Image, die Verlockung des Lifestyle. Opel Vectra Caravan war gestern, heute heißt der große Kombi aus Rüsselsheim Insignia Sports Tourer. Und damit alle sehen, dass es Opel mit Sports ernst ist, prangt der Schriftzug Turbo auf dem Heck. Groß und unübersehbar. Fehlt noch ein Bezug zur Sparsamkeit, und fertig ist der Name: Opel Insignia Sports Tourer 1.6 Turbo Ecotec Edition. Zum ersten Test sendet Opel den Kombi mit dem neuen, aufgeladenen 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner.

Opel Isignia Basismodell mit vielen Extras

Der Opel Insignia schickt bis zu 180 PS an die Vorderräder und kostet mindestens 31.245 Euro. Dafür bietet die einfachste erhältliche Ausstattungslinie Edition schon eine Klimaautomatik, ein Navigationssystem mit sieben Zoll großem Display sowie 17-Zoll-Räder. Wer es mit dem Transportieren ernst meint, sollte dazu noch das Verzurr-Paket namens Flex-Organizer (150 Euro) bestellen; es beinhaltet vier Schienen im Laderaum samt zugehörigen Netzen und Stangen, um Gegenstände zu fixieren. Zusätzlich sei das Sicherheitsnetz (305 Euro) empfohlen, das den Koffer- vom Innenraum trennt, sowie die Bi-Xenon-Scheinwerfer mit ihrer nach Wetter und Umfeld variablen Lichtverteilung.

Und noch etwas ist im Opel Insignia Sports Tourer unerlässlich: die Einparkhilfe (520 Euro). Selbst großstädtische Extrem-Kurbler lässt der Blick zurück schlucken - durch die kleinen Fenster im Heckbereich ist die Länge des Sports Tourer kaum abzuschätzen. Zumal die hintere Scheibe nur das Ende des Kofferraums, nicht aber das der Karosserie anzeigt. Es folgen eine tresortürartige Heckklappe und ein ausufernder Stoßfänger. Diesen muss das Ladegut erst einmal überwinden - mit ungesund nach vorn gebeugtem Rücken. Schont der Opel Insignia Sports Tourer-Fahrer dagegen seine Bandscheiben und setzt etwa seine Wasserkiste ab, dann opfert er die Oberfläche der Ladekante. Wie man es auch dreht: Chiropraktiker oder Lackierer dürfen sich demnächst über neue Kundschaft freuen.

Der Opel-Kombi heißt nicht mehr Caravan

Der Sports Tourer ist lang wie kein zweiter seiner Konkurrenten, überragt mit 4,9 Metern einen ebenfalls stattlichen Ford Mondeo Turnier um rund sieben Zentimeter - genauso wie seinen Vorgänger, den Vectra Caravan. Schon dieser bot bei umgelegter Rückbank 1.850 Liter maximale Ladekapazität. Wer nun beim Nachfolger mehr Platz vermutet, erwartet von ihm zu viel: Er belässt es bei maximal 1.530 Litern. Ähnlich ist es beim Quadermaß. Der Caravan sperrte seinen Rachen weit auf (Quader-Höhe bis 750 Millimeter), der Opel Insignia Sports Tourer gibt sich verkniffen (620 Millimeter). Klar, dass Opel diesen Kombi nicht mehr Caravan nennt - er ist keiner mehr. Schließlich stand der traditionelle Name für ein Auto (car), das fast den Platz eines Transporters (van) bot.

Beim Opel Insignia Sports Tourer aber ist das Verhältnis aus Verkehrsfläche und Laderaum geradezu ernüchternd. Typische Fahrer eines Opel Omega oder Opel Vectra Caravan werden sich von Opel abwenden. Offensichtlich peilen die Strategen andere Käufer an. Motto: hip statt Hipp. Was erwartet die neu Umworbenen? Ähnlich wie die Limousine ist auch der Kombi gut verarbeitet, leicht und logisch zu bedienen und nervt nicht mit hohen Windgeräuschen. Mit dem umschaltbaren Fahrwerk (930 Euro) erwirbt der Kunde die Möglichkeit, zwischen einer komfortablen (Tour) und einer strafferen (Sport) Dämpferabstimmung zu wählen, wobei die Mittelposition meist zufriedenstellt.

Opel Insignia Sports Tourer mit guten Fahreigenschaften

Auf Tour ist die Lenkung des Opel Insignia Sports Tourer leichtgängig, und der große Wagen wirkt handlich, solange man nicht rangieren muss. Vor allem im Sport-Modus folgt die Insignia-Karosserie präzise den Richtungsvorgaben, der Kombi bleibt neutral auf Spur, um bei Lastwechsel leicht einzudrehen. Erfreut registriert es der ambitionierte Fahrer aus seinem bequemen und zugleich vorbildlich stützenden Sitz heraus. Auch die gut zu dosierende Bremse langt ordentlich zu. Trotzdem ist das Wort Sports im Namen eine Übertreibung, denn Rückmeldung erteilt die Lenkung nur in Form von derben Stößen auf buckeliger Fahrbahn, während die angetriebenen Vorderräder um Bodenhaftung ringen.

Opel Insignia Sports Tourer mit recht hohem Verbrauch

Vielleicht kommt an dieser Stelle doch noch das Sport-Versprechen des Opel Insignia Sports Tourer zum Tragen - im gewaltigen Leistungseinsatz des Turbomotors. Immerhin besitzt der aufgeladene 1,6-Liter sogar eine Overboost-Funktion und produziert dann kurzzeitig bis zu 266 Nm. Obwohl Opel das maximale Drehmoment bei 2.200/min angibt, kommt der Motor frühestens bei 2.500/min in Schwung. Darunter gähnt das Turboloch. Bei niedrigen Drehzahlen läuft der Vierzylinder im Insignia zwar ruhig, aber ruckelig, ab 4.000/min dröhnt er. Zudem ist seine Leistungsentfaltung ungleichmäßig. Dies alles könnte man verschmerzen, wäre das Aggregat besonders sparsam. Doch weder bei der auto-motor-und sport-Verbrauchsrunde (sieben Liter auf 100 Kilometer) noch im Durchschnittsverbrauch (10,9 Liter) brilliert der Opel in seiner Klasse.

Sport? Kaum. Öko? Bedingt. Lifestyle? Unbedingt, bezogen aufs moderne Design - der Kaufgrund schlechthin. Nicht zu vergessen die solide Verarbeitung, der gute Komfort und die umfangreiche Ausstattung mit serienmäßigem Navigationssystem sowie Klimaautomatik samt fairer Kalkulation. Eigentlich schade, dass Opel nicht den betont praktischen Vorgänger weiterbaut. Denn dann wäre der Opel Insignia Sports Tourer Insignia die perfekte, schicke Alternative.

- Opel auf der IAA

4 5 1
Kommentare
Bild vergrößern
Marcus Peters

Autor:

auto motor und sport, Heft 09 / 2009

Anzeige
Thema
Caravan Salon 2011: Weitere Artikel zu diesem Thema
Toyota Prius Camper Van : Hoch auf dem grünen Wagen

Camping-Spezialist Relax Cabin hat sich den Toyota Prius zur Brust genommen und aus dem Hybrid-Pionier ein Wohnmobil gemacht.

Toyota Prius Camper Van
Unicat Unimog: Extrem-Wohnmobil mit Sechsrad-Antrieb

Aus einem Mercedes Unimog hat Unicat ein extremes 6x6-Reisemobil für den grenzenlosen Offroad-Urlaub geschaffen.


Top Artikel
Opel Insignia Sports Tourer : Der Opel Insignia-Kombi im Fahrbericht

Es gibt auch gute Opel-Nachrichten: Der neue Insignia geht deutlich besser als bisher erwartet. Dabei kommt mit dem Kombi erst jetzt die wichtigste Variante.

Opel Insignia Sports Tourer
Opel Insignia: Der neue Mittelklasse-Konkurrent

Mit dem Insignia strebt Opel einen Spitzenrang in der Mittelklasse an. Ob der Neue den Ansprüchen gerecht wird, klärt der erste Test des 160 PS starken 2.0 CDTi.

Opel Insignia 2.0 CDTi Cosmo
Newsletter
Neuwagen suchen

Neuwagen zu Internet-Preisen

Konfigurieren Sie jetzt Ihr Wunschfahrzeug zu besonders günstigen Konditionen!

Aktuelle Ausgabe
auto motor und sport - Heft 5/2012
Ab jetzt im Handel auto motor und sport - Heft 05/2012
Sportauto
Tuner 0-300-0 km/h 2011: Tuning-Elite beim High-Speed-Test

Acht getunte Sportmodelle mit 5.481 PS nahmen beim Beschleunigungs- und Bremsentest 0-300-0 km/h teil.

Tuning-Elite beim High-Speed-Test
Motor Klassik
Opel Diplomat B V8: Groß-Projekt - Aufbau statt Schrottplatz

Ein schleudernder Mercedes verwandelt Steffen Exners Opel Diplomat in einen Totalschaden. Doch Exner baut ihn wieder auf.

Groß-Projekt - Aufbau statt Schrottplatz
4WheelFun
Kälte-Chaos für Dieselfahrer: Was tun, wenn der Diesel streikt?

Eiseskälte in Deutschland, und immer mehr Diesel-Fahrzeuge bleiben liegen. Woher kommt das und was lässt sich dagegen tun?

Was tun, wenn der Diesel streikt?
Alle Autos von A-Z
  • Loading...
  • Loading...