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Opel Sintra 3.0 V6 im Test

Opel Sintra 3.0 V6

Opel- und GM-Ingenieure haben gemeinsam den Trans Sport-Nachfolger Sintra entwickelt, der im GM-Werk Doraville im US-Bundesstaat Georgia gefertigt wird und ab 14. März bei den deutschen Händlern steht. Im Test die Siebensitzer-Variante mit dem 201 PS starken Dreiliter-Sechszylinder und Automatik.

02.04.2003

Weil Amerikaner in ihrem Land noch die Freiheit haben, mit Raum etwas großzügiger umzugehen, fallen USAutos nach dem engen europäischen Maßstab oft viel zu groß aus. Die deutsche Fertigbaugarage überragen sie meist ebenso wie die knapp bemessenen Innenstadt-Parkplätze. Kein Wunder also, daß das Raumfahrzeug Pontiac Trans Sport aus dem Hause GM für seinen Einsatz in der neuen Welt unter dem Opel-Blitz schrumpfen mußte: Als Sintra mißt er in der Länge 25 Zentimeter und in der Breite fünf Zentimeter weniger als der Vorgänger. Nur der Radstand ist um 5,7 Zentimeter gewachsen.

Der Euronorm hat sich das GM/Opel-Co-Produkt damit nicht vollständig unterworfen, schließlich fallen die Eurovans (Peugeot 806, Citroën Evasion, Fiat Ulysse, Lancia Zeta) 22 Zentimeter kürzer aus, VW Sharan/Ford Galaxy immerhin noch fünf Zentimeter. Zahlen, die bereits verraten, daß der Grenzgänger sich nicht nur in seinen Abmessungen, sondern auch im Raumangebot weiterhin als amerikanisches Urgestein erweist. Neben dem Chrysler Voyager ist der Sintra der einzige Van, der selbst bei voller Bestuhlung mit 460 Liter Volumen noch über einen akzeptablen Kofferraum verfügt.

Viel ist das angesichts sieben reiselustiger Personen jedoch immer noch nicht. Serienmäßig als Fünfsitzer ausgelegt, bietet der Opel maximal Platz für acht. In den hinteren Reihen müssen die dann jeweils zu dritt nebeneinander sitzenden Passagiere wegen der eingeschränkten Ellenbogenfreiheit auf Tuchfühlung gehen. In den Siebensitzer-Varianten kommen in der dritten Reihe zwei Einzelsitze zum Einsatz, die zwar mehr Bewegungsfreiheit ermöglichen, über den schlechten Sitzkomfort aber auch nicht hinwegtäuschen können: Die Sitzflächen sind im Fond generell zu kurz und verhindern eine vernünftige Schenkelauflage. Erinnerungen an üppiges US-Gestühl wecken nur die Vordersitze, die – gut gepolstert und konturiert – auch längere Fahrten nicht zur Tortur werden lassen. Für die bei Amerikanern und Deutschen gleichermaßen beliebte Spritztour ins Wochenende ist der Sintra gut gerüstet, weil er sich innerhalb kürzester Zeit je nach Anforderung individuell einrichten läßt: Die Sitze können mit wenigen Handgriffen ganz ausgebaut, verschoben, versetzt oder zusammenklappt werden, um die Sitzlehnen als Tischchen zu benützen – Umbaumaßnahmen, die allesamt wenig Kraft kosten, weil der Einzelsitz dank Magnesium- und Aluminium-Bestandteilen lediglich 17,25 Kilogramm wiegt.

Zum Vergleich: Ein Stuhl der Mercedes V-Klasse bringt über 40 Kilogramm auf die Waage. Überhaupt fällt der Umgang mit dem Sintra wegen seiner hohen Funktionalität leicht: Dafür sorgt zunächst einmal die Fernbedienung der Zentralverriegelung, die wirklich aus der Ferne anspricht. Einen problemlosen Einstieg ermöglichen außerdem selbst in engen Parklücken die serienmäßigen Schiebetüren. Ein weiterer Vorteil: Die Sitze schwingen komplett vor und ermöglichen es im Gegensatz zum Peugeot 806, der auch über Schiebetüren verfügt, selbst die dritte Reihe ohne Blessuren zu erreichen. Zu Hause fühlt man sich im Sintra auch aufgrund der lo- 6/1997 35 gisch angeordneten Instrumente und Bedienelemtente sowie der insgesamt soliden Karosserieverarbeitung. Opel, wegen des schlechten Qualitätsniveaus seit geraumer Zeit in der Diskussion, scheint nach massiven Problemen bei Astra, Vectra und besonders beim Omega dazugelernt zu haben. So wurde der Sintra-Verkaufsstart von November letzten Jahres auf März verschoben, um die Anlaufprobleme im Werk Doraville zu beseitigen.

Zumindest karosserieseitig machte der Testwagen einen guten Eindruck ohne nennenswerte Klappergeräusche. Die Handlichkeit ist ebenfalls tadellos: Die Servolenkung mag manchem eine Spur zu schwergängig sein, aber sie setzt die Lenkbewegungen direkt um und ermöglicht ein präzises Handling, das in dieser Klasse nur von den außerordentlich handlichen Eurovans überboten wird. Kurven umrundet der frontgetriebene Sintra mit gutmütigem Untersteuern und einer geringen Seitenneigung. Im Gegensatz zu VW Sharan, Ford Galaxy und Renault Espace erstreckt sich unter der Frontscheibe keine weite Plastiklandschaft, die beim Fahrer den Eindruck erweckt, im Führerhaus des ICE zu sitzen.

Im Sintra fühlt man sich trotz der imposanten Abmessungen wie in einer Mittelklasselimousine untergebracht. Dieser steht er auch hinsichtlich des Federungskomforts kaum nach. Einzelradaufhängung vorne mit Dreiecklenkern, McPherson-Federbeinen und Gasdruckstoßdämpfern sorgen in Kombination mit der hinteren Verbundlenkerachse für gutes Schluckvermögen. Seine amerikanische Herkunft verrät der Sintra einmal mehr durch die weiche Abstimmung, die bei großen Bodenwellen allerdings für eine leichte Vertikalbewegung der Karosserie sorgt. Störender erweisen sich aber Poltergeräusche auf Kanaldeckeln und die Stukkerneigung auf Querfugen – Fahrwerksschwächen, die den Eindruck eines insgesamt komfortablen Fahrzeugs aber nicht gravierend schmälern können. Schließlich klingt auch der Sechszylinder, aus dem Omega nicht eben als Leisetreter bekannt, im Opel Van überraschend kultiviert.

An die Ohren der Passagiere dringen selbst bei hohen Geschwindigkeiten in erster Linie nur Windgeräusche, das Triebwerk bleibt dagegen akustisch immer dezent im Hintergrund. 201 PS aus drei Liter Hubraum reichen aus, um dem 1730 Kilogramm schweren Wagen ausreichend Vortrieb zu verschaffen: Der Sintra, der in nur 10,1 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigt, wirkt überraschend temperamentvoll und bietet wegen des hohen maximalen Drehmoments von 260 Nm, das bereits bei 3600/min anliegt, über den gesamten Drehzahlbereich gute Durchzugskraft. Die Kraftübertragung erfolgt – wie es sich für ein Auto amerikanischer Herkunft schickt – in der Dreiliter-Version ausschließlich über eine Vierstufenautomatik, die mit angenehm ruckfreien Schaltvorgängen den guten Gesamteindruck der Motor-Getriebe- Einheit abrundet. Das hohe Leistungsangebot erfordert natürlich seinen Tribut an der Tankstelle: 12,8 Liter Super bleifrei benötigt der Sintra auf 100 Kilometer – absolut gesehen ein hoher Wert, der sich allerdings bei einem Konkurrenzvergleich etwas relativiert.

Gute Wirtschaftlichkeit ermöglicht Opel durch den Anschaffungspreis: Die 141 PS Basis kostet 46 000 Mark. Renault verlangt für den Espace mit 114 PS-Motors bei vergleichbarer Ausstattung bereits 46 800 Mark. Den Dreiliter- Sintra gibt es nur in der luxuriösen CD-Ausführung, die für 59 500 Mark alle erdenklichen Extras bereits mitbringt. Mit Doppel-Airbags, ABS, Gurtstraffern vorne und höhenverstellbaren Kopfstützen auf allen Plätzen schreibt Opel das Thema Sicherheit im Hinblick auf die Ausstattung groß. Die Bremsen können diesen Anspruch aber nicht erfüllen. Bereits kalt verzögern sie mit 8,8 m/s² nur mäßig, auf hohe Belastung reagieren sie zudem mit Fading.

Nach der zehnten Vollbremsung aus 100 km/h bei voller Zula- dung beträgt die Verzögerung nur noch 7,9 m/s². Ausgebremst werden könnte der Opel, der hinsichtlich Raumangebot, Federungskomfort und Handlichkeit einen beachtlichen Reifegrad aufweist, auch, wenn er die Erwartungen an die Verarbeitung nicht erfüllen sollte. Erste Warnsignale gibt es: Zum Testende leuchteten die Airbagkontrollampe und die Kühlwasserstandsanzeige grundlos auf.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot
  • hohe Zuladung
  • leichter Einstieg durch Schiebetüren
  • knappe Beinfreiheit hinten
  • eingeschränkte Übersichtlichkeit
Antrieb
  • gute Leistungscharakteristik
  • gute Fahrleistungen
  • angenehme Laufkultur
  • Automatik mit spontanen Schaltreaktionen
Fahrkomfort
  • guter Federungskomfort
  • bequeme Sitze vorne
  • Fahrwerksgeräusche
  • hinten zu kurze Sitzflächen
Fahreigenschaften
  • leicht untersteuerndes Kurvenverhalten
  • geringe Seitenneigung
  • exakte Lenkung
  • Traktionsprobleme bei Nässe
Sicherheit
  • Doppelairbag und ABS Serie
  • verstellbare Kopfstützen auf allen Plätzen
  • Gurtstraffer vorn
  • fadingempfindliche Bremsen
Kosten
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • kurze Garantie (1 Jahr)
Umwelt
  • Einsatz wasserlöslicher Lacke
  • schadstoffarm nach Euro 2
  • hoher Verbrauch
  • keine Rücknahmegaranti
Technische Daten
Opel Sintra 3.0 V6
Grundpreis32.774 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4670 x 1830 x 1757 mm
KofferraumvolumenVDA460 bis 3763 L
Hubraum / Motor2962 cm³ / 6-Zylinder
Leistung148 kW / 201 PS (260 Nm)
Höchstgeschwindigkeit201 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,8 s
Verbrauch11,5 L/100 km
Testverbrauch12,8 L/100 km
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