Die raubtierhafte Präsenz des Speedster fasziniert, aber der Blitz am Bug irritiert. Die Bandbreite der spontanen Tankstellen-Reaktionen auf das Signet am Testwagen reicht von blankem Entsetzen bis hin zum lakonischen Vorschlag, den Blitz „doch einfach herunterzukratzen.“ Es könnte ein
weiter Weg werden, bis die Dy-
namik der scharf geschliffenen
Speedster-Klinge den übrigen Opel-Modellen das betuliche Image herunterhobelt.
Und das, wo sich die Opel-Zutaten zur Gemeinschaftsproduktion mit Lotus Engineering doch überhaupt nicht hinter
den Beiträgen der englischen Leichtbau-Apostel verstecken müssen: Der moderne, komplett aus Aluminium gefertigte Ecotec-Vierzylinder zählt zu den angenehmen Exemplaren seiner Gattung, und das Design aus Opel-Feder lässt auch für künftige Generationen von Astra, Vectra und Co. hoffen.
Wie ein in Bewegung erstarrtes Kristall füllt der Sport-Roadster den Raum, die aus der aggressiven Front drängenden Radhäuser setzen extrovertierte Akzente, und das klar geschnittene Heck sorgt mit der breiten Spur für einen eindrucksvollen Abgang. Explosiv, ein wenig gegen den Strich gebürstet, reich an Perspektiven und im vorausschauenden Sinne klassisch.
In der engen Pilotenkanzel weist der Speedster überdeutlich auf seine starke Verwandtschaft mit dem Lotus Elise hin: Hohe Schwellen behindern ernsthaft den Einstieg, überall blitzen die wuchtigen Strangprofile des Aluminiumchassis durch, die Schalensitze sind radikal auf den Aluminiumboden geschraubt, lediglich ein Mindestmaß an Komfort hat sich in Form von Ledersitzen (1950 Mark) und CD-Radio (1050 Mark) in das karge Cockpit eingeschlichen. Die pragmatische Atmosphäre ähnelt der im
Inneren eines Kunstflug-Tiefdeckers.
Okay für einen Lotus. In einem Opel würde man sich allerdings schon Fensterkurbeln wünschen, die nicht wackeln wie Lämmerschwänze, Türschlösser, deren Funktion auch ohne ständigen Zuspruch aus dem Ölkännchen gewährleistet ist, und ein Verdeck, das Regenwasser wirklich draußen hält.
Aus dem aufpreispflichtigen Sammelsurium an Alu-Zierrat macht angesichts der sockenkrempelnden Agilität des Speedsters eh nur die verstellbare Beifahrer-Fußstütze (180 Mark) Sinn – und dierastet nicht fest genug in ihrer Führung, um verzweifelt mitbremsenden Anhalter-Füßen genug Widerstand zu leisten.




