Irgendwann, mitten im Fränkischen, haben wir die Wolkenlücke dann doch gestellt. Schon den ganzen Vormittag hat sie uns genarrt, hat sich verschleiert, um sich an völlig anderer Stelle wieder hämisch leuchtend zu demaskieren. Hat auf dem Weg Richtung Osten durchbeschleunigt. Wir auch. Hat von der Autobahn weg Haken geschlagen. Wir auch.
Das 911 Turbo Cabrio hat alles gegeben. Wir auch. Abschütteln lassen? Niemals. 480 PS und 620 Nm geben nicht so schnell auf. Wir sind dran geblieben, ohne Wenn und Aber, haben uns vom Platzregen fast wegschwemmen lassen, uns wie ein nasser Pudel geschüttelt, aber wie ein Terrier in der Fährte verbissen. Man muss hartnäckig sein, wenn der Sommer auf der Flucht ist.
Nicht, dass es einem schwerfallen würde, im offenen Turbo. Er ist schnell auf der Autobahn, verdammt schnell. Springt mit drei Gasstößen auf Tempo 200 und bleibt dann langstreckenleise. Dem dreilagigen Stoffverdeck sei Dank – es ist gut gegen Lärm imprägniert. Und gegen Feuchtigkeit. Mag der Regen sein Free-Jazz-Solo noch so kreativ auf dem Stoffdach trommeln – das Wetter bleibt draußen.
Notfalls auch akustisch, denn die serienmäßige Bose- Anlage überstimmt Wind- und Fahrgeräusche locker. Fast schon behaglich ist es, lederumwoben im Trockenen zu sitzen, das Feuer der Sitzheizung unter dem Hintern. Heimelig, aber nicht zu eng; lediglich mitreisendes Gepäck leidet im hohlwangigen Kofferraum vorn an Platzangst.
Alles Wichtige sammelt sich im Turbo schließlich hinter der Vorderachse; Sperrgut reist auf dem, was Porsche euphemistisch Rücksitz nennt. Auch das ist Brauchtum. Dennoch ist der 911 Turbo alles andere als ein Puritaner, arrangiert sich erstmals mit den Komfort-Wünschen seiner Best-Age- Klientel, dehnt dabei die Tradition.
Die Stoßdämpfer des PASM-Fahrwerks passen sich selbständig dem Temperament des Fahrers an, lassen sich aber auch manuell in ihrer Grundkennung zwischen Normal und Sport umschalten. Typ gusseisern? Okay, dann die Sporttaste drücken, durchschütteln lassen und den guten alten Zeiten huldigen, als der Porsche-Pilot noch Rückgrat und Nerven aus Stahl besaß.
Und einen robusten Magen, der sich nicht einmal von ungefilterten Bodenwellen umstülpen ließ. Auf Stellung Normal ist das aktive Fahrwerk dagegen leicht verdaulich. Man muss nicht hart sein, um mit dem Turbo Cabrio der Sonne hinterher zu jagen.
Porsche 911 Turbo Cabrio: Luft-Steigerung
Mehr Luft für mehr Lust: Das Porsche 911 Turbo Cabrio fängt den Sommer ein. Sein 3,6-Liter-Biturbo-Boxer lässt fliehenden Hochdruck-Gebieten kaum eine Chance. Dabei ist der offene Turbo sanft wie nie zuvor.
Autor: Marcus Peters
Ist der offene 911 Turbo die Nummer eins unter den Cabrios?



