Für die Porsche-Techniker galt es, das Unmögliche möglich zu machen. Sie mussten dem Cayenne ein sportliches Gebaren anerziehen, wie es Autos dieses Genres ansonsten fremd ist. Einen entscheidenden Beitrag dazu leistet der neue 4,5-Liter-V8-Motor. Im Gegensatz zur Plattform und zur Karosseriestruktur, die sich der Cayenne mit dem VW Touareg teilt, ist der zu 100 Prozent Porsche. Mittels zweier Turbolader und bis zu 0,6 bar Ladedruck schafft der Achtzylinder 450 PS und 620 Nm.
5,5 Sekunden - und 2.504 Kilo sind auf Tempo 100
Über eine Sechsgang-Automatik, ein Verteilergetriebe und zwei Differenziale gelangt die Kraft an Vorder- und Hinterräder, wo sie die schwierige Aufgabe erwartet, 2.504 Kilogramm Masse (plus Zuladung) sportwagenmäßig zu beschleunigen.
Dass dies gelingt, weiß der Fahrer schon beim ersten Gasgeben. Ohne nennenswerten Verzug stiebt der Koloss davon. Nur 5,5 Sekunden verstreichen bis 100 km/h, aber noch mehr verblüfft, dass auch bei Tempo 200 der Drang nach vorn noch längst nicht versiegt.
Mit seinem großzügigen Drehmoment fördert der Turbomotor die Gelassenheit, wobei die Automatik ihren Part dazu beiträgt. Im Normalfall muss sie nur selten schalten, was sich dann fast unmerklich vollzieht. Ist Eile geboten, greift man jedoch gern zu den perfekt bedienbaren Schaltwippen am Lenkrad, denn ansonsten reagiert der Automat mitunter etwas zögerlich.
Blanker Horror: Der Blick auf die Tankuhr
Zur Hochform läuft der Cayenne freilich erst dann auf, wenn verschärftes Kurvenfahren auf dem Programm steht. Nur in engen Kurven bleibt eine gewisse Restträgheit.
In einem entscheidenden Punkt aber muss er passen: Die serienmäßigen Hochgeschwindigkeitsreifen stoßen schon beim Durchqueren einer feuchten Wiese an die Grenzen der Geländegängigkeit. Griffige Gummis, die zugleich dem Geschwindigkeitspotenzial eines Cayenne Turbo standhalten, müssen erst noch erfunden werden.
Doch schon vor Antritt der Fahrt dürfte es manchem Cayenne Turbo-Kunden bitter aufstoßen. Sollte er für seine 99.876 Euro exklusives Innendesign und erlesene Materialqualität erwartet haben, dann hat er sich verrechnet. Im profan gestalteten Cockpit mischt sich edles Leder mit silbern gestrichenem Kunststoff und zahlreichen Details aus dem VW-Fundus.
Schlimmeres noch offenbart aber der Blick auf die Tankuhr: Für den Testdurchschnitt von 23,3 Liter pro 100 Kilomter braucht es Disziplin - viel zu viel für ein Auto der Marke Porsche, die sich in der Vergangenheit nicht nur der Sportlichkeit, sondern meist auch der Effizienz verpflichtet fühlte.






