Porsche Cayman S im Test: Mittelmotor-Sportler auf dem Prüfstand

Porsche Cayman S PDK

Billig war der Porsche Cayman S noch nie, aber mit modifizierter Optik, Direkteinspritzung, mehr Leistung und optionalem Doppelkupplungsgetriebe will er nun noch mehr Fans für sich entflammen.

Es muss da einen geheimen Raum bei Porsche geben. Ohne Türschild, stets verschlossen. Nur ab und zu dreht sich der Schlüssel und gibt den Weg frei: zur Goldwaage. Mit ihr wiegen sie in Zuffenhausen die Leistung ihrer Modelle ab. Etwa die 320 PS des Porsche Cayman S. 25 mehr als beim Vorgänger und zehn mehr als beim ebenfalls neuen Porsche Boxster S sollten es werden, weniger als beim Einstiegs-Elfer (345 PS) mussten es sein. Wäre ja auch noch schöner, wenn der Mittelmotor­Cayman die Heckmotor-Ikone fressen würde.

Schnappen darf er schon, dokumentiert durch die angriffslustigere Front mit modifizierten Lufteinlässen und Scheinwerfern, die mit ihrem Röhren-Innenleben an den Porsche Carrera GT erinnern. Hinzu kommt neben LED-Rück- und Positionsleuchten ein netzhautpiekendes LED-Tagfahrlicht, das den Platz der Nebelscheinwerfer einnimmt. Sofern man das sauber ausleuchtende Bi-Xenon mit dynamischem Kurvenlicht für knapp 1.600 Euro ordert. Die Heimleuchtautomatik ist beim 61.493 Euro teuren Porsche Cayman S serienmäßig. Und heimleuchten kann er, auf Basis der spürbar verwindungssteifen Karosserie - Rechtfertigung der knapp 6.000 Euro Mehrpreis gegenüber dem Boxster mit seiner Offenfahroption.

Porsche Cayman S schaltet über PDK

Doch beim Losrollen fühlt sich der Cayman S erst mal nicht nach zugespitzter Dynamik an, schlüpft lieber dezent durch die Gänge. Der linke Fuß kann in Rente, das Doppelkupplungsgetriebe (PDK; 2.945 Euro) übernimmt. Es arbeitet mit zwei im Ölbad laufenden Lamellensätzen, die simultane Gangwechsel ohne Zugkraftunterbrechung ermöglichen. Flauschiges Losrollen, sanfte Gasannahme, und schon säuselt der Porsche Cayman S im Sechsten durch den Ortsverkehr. Spätestens auf der Landstraße empfiehlt er sich mit 2.000/min bei Tempo120 im extrem lang übersetzten Siebten als Hybrid-Simulator.

Wie gehabt mit perfekt-sportlicher Sitzposition, aber neuer Infotainment-Abteilung, intuitiv bedienbar über Berührungsbildschirm und Direkttasten. Tasten, richtig: Seit Neuestem schaltet man seinen Cayman eigentlich nicht mehr per Schlüsseldreh links, sondern per Tastendruck auf der Mittelkonsole ein. Sport und Sport Plus steht dort, doch eigentlich müsste es "Normal" und "Rennstrecke" heißen. Erst im Sport-Modus wird aus dem PDK-Cayman ein Porsche, zelebriert er die erwartungsgemäß zackige Gasannahme. Schnorcheln und Lüfterrad-Reminiszenz-Heulen entwickelt er schon beim nachdrücklichen Tritt aufs Gaspedal mit unmittelbarem Herunterschalten. Er kann es also noch, der Sechszylinder-Boxer.

Sturm aufs Limit bei 7.500/min
 
Wie bisher 3,4 Liter groß, doch vom Rumpf bis zu den Köpfen erneuert. So reduziert das zweiteilige Kurbelgehäuse mit integrierten Kurbelwellenlagern die Zahl der Bauteile bei erhöhter Steifigkeit. Außerdem stellte man von Open- auf Close-Deck-Bauweise um. Standen die Laufbüchsen im Bereich der Zylinderkopfdichtung bisher frei, sind sie nun durch eine gegossene Platte mit dem Gehäuse verbunden. Das erfordert akkurate Gusspräzision, bringt aber höhere Stabilität, geringere Reibung und damit höhere Effizienz. Spätestens hier bekommt die Direkteinspritzung ihren Einsatz. Statt ins Saugrohr zerstäuben die Düsen das Super Plus mit bis zu 120 bar mitten in die Brennräume. Fein dosiert und innenkühlend, für höhere Verdichtung, bessere Zylinderfüllung und spontaneres Ansprechen. Diesen Effekt dürften nur Seismologen spüren, allen anderen gefällt der Neue Porsche Cayman S wie sein Vorgänger durch den - bei Sport und Sport Plus - fast vorauseilenden Gehorsam bei der Gasannahme. Auf soliden Antritt ab 1.500/min folgt Drang durchs Mittelfeld und schließlich Sturm aufs Limit bei 7.500/min. Vor allem oberhalb der 5000er-Marke dreht der Neue dank eines leichteren Ventiltriebs fast schon schwerelos, bevor PDK den nächsten Gang einklinkt. Im Sport-Plus-Modus fackelt der elektronische Schaltstratege nicht lange, wählt stets niedrige Gänge - und hält sie konsequent.

So konsequent, dass dem Cayman-Fahrer kopfschüttelnde Passantenblicke sicher sind, wenn er mit 5.000 Touren im ersten Gang über den Boulevard grölt. Sportlich betrachtet macht die Plus-Nummer Sinn: Der Motor bleibt beim Porsche Cayman S im leistungsbereiten Bereich, zeitraubende Schaltvorgänge und störende Schleppmomente entfallen. Faktoren, die sowohl auf dem Rundkurs als auch in schnellen Autobahnkurven gern zur Kenntnis genommen werden. Weniger Begeisterung erntet die manuelle PDK-Bedienung. Weder die Bedienklötze am Lenkrad noch der Wählhebel mit seinem Hochschaltschema nach vorn können Sportler überzeugen. Wohl aber die Laufkultur des Motors ohne eine Spur von Niedrigdrehzahl-Schaben oder Hochdrehzahl-Schwingungen. Der von einem überarbeiteten Klappensystem beatmete Boxer gibt sich massenkräftemäßig so balanciert, als ob seine Innereien auch über die Zuffenhausener Goldwaage gegangen seien. Balanciert. Da scharrt der Cayman S endgültig mit seinen Bridgestones.

Zuffenhausener Sprint: In 4,6 Sekunden auf Tempo 100 

Sollen die anderen untersteuern, er lenkt wie selbstverständlich ein. Kalkulierbar, proportional. Die Lenkung bietet Servounterstützung mit hauchzarter Schwere sowie eine - wie bei allen Porsche-Modellen - mechanisch variable Lenkübersetzung. Heraus kommen sauberer Geradeauslauf und skalpellartige Kurvenpräzision, unterstützt durch die feinnervig rückmeldende Federung. Der Grenzbereich liegt hoch, kündigt sich auf feuchter Piste relativ sanft, auf griffiger Piste spät an. Mittelmotor eben. Wer ESP (hier PSM) ausschaltet und mit schwerem Gasfuß auf den Haftungsabriss wartet, sollte wache Reflexe mitbringen.
 
Der elektronische Anker kommt erst zurück, wenn eines der Vorderräder in den ABS-Regelbereich gerät. Doch selbst mit PSM wird der Porsche Cayman S nicht zum Verkehrshindernis. Dafür sorgt schon die ebenso feine wie tolerante Abstimmung, die unterhalb 70 km/h zusätzlich Leine lässt. Etwa für einen zarten Heckschwung, der die Einlenkneutralität beim Herausbeschleunigen krönt. Und beschleunigen kann er. Mit seinem erstarkten Motor plus PDK und Sport Chrono Plus in begeisternden 4,6 Sekunden auf Tempo 100, bei leicht reduziertem Verbrauch (12,7 Liter/100 km). Und genau das ist es doch, was Porsche-Fans wollen. Auch ohne Goldwaage.

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Jörn Thomas

Autor:

auto motor und sport, Heft 01 / 2009

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