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Quer und weg

Driftkurs letzter Teil

Foto: Rossen Gargolov 8 Bilder

Die dritte Folge des sport auto-Drifttrainings behandelt das Ende des Drifts, das so genannte Absetzen und beschreibt den optimalen Tanz durch die Kurvenkombinationen.

09.03.2007 Jochen Übler Powered by

Nach zwei Folgen „Drift im Detail“ sollten alle Unklarheiten beseitigt sein. Oder etwa doch nicht? Zugegeben: Zwischen schlauer, aber doch grauer Theorie und der praktischen Umsetzung der Tipps klafft eine nicht zu unterschätzende Lücke. Und die ist nur durch reichlich Übung zu schließen. Denn auch beim Erlernen des instabilen Fahrzustands ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Ein eingehendes Probieren am driftenden Objekt geht bei dieser hohen Schule der Fahrzeugbeherrschung deutlich über Studieren. Am sinn- und wirkungsvollstem natürlich bei speziellen Drifttrainings auf den entsprechend dafür präparierten Strecken.

Kurvenkombinationen – die Kür des Driftens

Denn die ganz große Kunst, sozusagen die Kür des Driftens, geht über die einfache Kurve mit einem konstanten Radius hinaus. Aufeinanderfolgende Kurvenkombinationen, so genannte Wechselkurven, sind das Salz in der Suppe. Ist der Konterschwung des Hecks normalerweise das drohende Unheil, das uns von der Strecke treibt, hilft der Gegenpendler des Fahrzeughecks beim Umsetzen von der einen in die andere Richtung für einen gezielten und prompten Kurswechsel.

Für ungeübte Autofahrer ist der schlagartig einsetzende Konterschwung des Hecks zunächst eine Art Krisenzustand. Rallyepiloten hingegen heißen dieses agile Fahrverhalten willkommen. Wie in der Fotoshow zu erkennen, wird der erste Drift (in unserem Beispiel eine Linkskurve) stark verlängert, um den Konterschwung dafür zu missbrauchen, gezielt und möglichst effektiv in die nächste Rechts einzufahren.

Müsste bei aufeinanderfolgenden Kurvenkombinationen jeder Drift einzeln eingeleitet werden, droht leicht die Gefahr, ein Untersteuern zu provozieren. Derart wird die Fahrt stockend und unkontrolliert – letztlich bleiben dadurch wertvolle Sekunden auf der Strecke.

Der Lastwechsel

Also wird sich die Physik der Fliehkraft zu Eigen gemacht und der Drift in der ersten Kurve bereits bis zum maximal Möglichen hinausgezögert. Kurz vor dem Mittelpunkt zwischen den beiden aufeinanderfolgenden Kurven wird das Gas schlagartig reduziert. Dies provoziert einen Lastwechsel, gleichbedeutend mit der Technik beim Einleiten des Drifts durch ein „Anstellen“.

Der Driftwinkel bestimmt den Konterschwung

Je größer der Driftwinkel am ersten Kurvenausgang, desto stärker ist der darauf folgende Konterschwung. Letzterer bewirkt, dass das Fahrzeug im wahrsten Sinn des Wortes in die folgende Biegung „geschmissen“ wird. Somit gestaltet sich die Fahrt weitgehend flüssig, und der Richtungswechsel erfolgt mit einem möglichst geschmeidigen Übergang.

Voraussetzung für den rhythmischen Tanz ist wie immer ein schneller und geschickter Umgang mit dem Lenkrad. Bei engen, langsamen Kurven ist es unumgänglich, den gesamten Bereich zwischen den beiden Lenkeinschlägen zu nutzen. Schließlich gilt die maßgebende Regel: Die Vorderräder müssen dort hinzeigen, wo man auch hinfahren möchte, sonst endet die Driftarie schlagartig in einer Pirouette.

Je flinker der Fahrer, umso zahmer das Fahrzeug

Der Konterschwung ist durch das Gegenlenken zu beeinflussen. Je flinker die Arbeit am Lenkrad, desto zahmer fallen die Pendelreaktionen des Fahrzeughecks aus.

Eine vorausschauende Fahrweise ist gefragt. Vor allem dann, wenn nach der Kurvenkombination eine längere Gerade folgt. Ziel ist es schließlich, möglichst viel Schwung auf die Gerade mitzunehmen. Es empfiehlt sich also, die Eingangskurve einen Tick langsamer anzugehen, damit das Auto in der zweiten Kurve absolut exakt platziert werden kann, um bestmöglich und progressiv auf die Gerade zu beschleunigen.

Das Absetzen des Drifts

Der Endposition bei der Quertreiberei, dem Absetzen des Drifts, kommt demnach ebenfalls eine gewichtige Rolle zu. Um mit Maximum an Traktion und Geschwindigkeit aus der Kurve herausbeschleunigen zu können, muss das Fahrzeug am Driftende parallel zum Kurvenausgang stehen. Hier entscheiden der wohl dosierte Gaseinsatz und die optimale Lenkarbeit.

Nur Pseudo-Drifter lassen am Ende einer Kurve das Heck auskeilen. Zudem besteht hierbei die Gefahr, den Drift zu überziehen. Wer angesichts des drohenden Ungemachs schlagartig vom Gas geht, provoziert einen unkontrollierten Pendelschwung – der für Ungeübte in einem sicheren Abflug endet. Nur wer sich langsam und gefühlvoll an das notwendige verschliffene Zusammenspiel von Lenkradarbeit und Leistungseinsatz herantastet, kann mit etwas Übung die erforderlichen Abläufe vom harmonischen Einleiten bis zum optimalen Absetzen des Drifts automatisieren.

Für Fortgeschrittene

Im Rallyesport wird der exakt platzierte Drift auch angewandt, um die Verzögerung bei so genannten zumachenden Kurven zu verstärken. Verengt sich der Radius im Verlauf der Kurve, wird das Auto vor dem schärferen Knick noch weiter quer gestellt. Durch den extremeren Driftwinkel mit dabei einhergehender Gaswegnahme entsteht eine höhere Bremswirkung. Zudem ergibt sich die Situation, dass das Fahrzeug optimal für den Kurvenausgang positioniert ist.

Das Querbremsen

Auf die Spitze getrieben wird die Kunst der Beherrschung des instabilen Fahrzustands durch das so genannte Querbremsen. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Bremsbalance mit genügend Bremswirkung an der Hinterachse. Ziel ist es, das Heck vor dem Kurvenknick in einen stärkeren Driftwinkel zu zwingen. Einerseits, um ein Untersteuern zu vermeiden. Andererseits, um Geschwindigkeit abzubauen. Um dies zu erreichen, wird durch gefühlvolles Bremsen eine Radlastverschiebung auf die Vorderachse erzeugt – das Heck wird leicht und drängt zum Kurvenausgang.

Wer bremst – verliertWer zu stark bremst und die Vorderräder in den Regelbereich des ABS zwingt oder je nach Fahrzeug ein Blockieren der Vorderachse provoziert, sieht sich mit der Fahrsituation konfrontiert, die in diesem Umfeld ganz und gar nicht gefragt ist – dem leidigen Untersteuern.

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