Es ist wie im richtigen Leben: Auch in der Auto-Szene gibt es aufgespritzte Bizeps-Heroen, grell geschminkte Mode-Opfer und breitspurige Maulhelden. Oder aber die Stillen, Normalen, die ihr Ding dezent, aber erfolgreich durchziehen.
Der Clio war immer so einer: weder prolliger Vorstadt-Macho noch blechgewordener kulleräugiger Retriever- Ersatz für den Boutiquen-Slalom. Stattdessen ein solider, praktischer Kleinwagen. Na ja, bis auf den Mittelmotor- Rabauken V6, der weniger für vordere Ränge in den Verkaufs-Charts als für Herzklopfen und nasse Händflächen zuständig war.
Clio Nummer drei hüpft nun in die Pragmatik-Fußstapfen seines als preiswerte Campus-Version weiterhin angebotenen Vorgängers. Allerdings mit markanterem Scheinwerferblick, ausgeprägteren Kühlernüstern, abfallender Dach- und ansteigender Gürtellinie – jedoch ohne Experimente.
Die Rolle des trendigen Variabilitäts-Zauberers mit trickreichem Schiebe- Klapp-Mobiliar überlässt Renault dem kürzer und höher bauenden Modus. Mit ihm teilt der Clio seine Plattform, wenn auch in vergrößerter Ausgabe: 3,99 Meter, das klingt schon schwer nach Kompaktklasse.
So bietet die gegenüber dem Vorgänger 21 Zentimeter längere und sieben Zentimeter breitere und höhere Karosserie speziell vorn luftige Platzverhältnisse bei angenehmem Raumgefühl. Dazu trägt bei der Luxusversion Privilège – als viertüriger 86-PS-dCi 16 550 Euro teuer – die unaufgeregte, pfiffig-wohnliche Interieurgestaltung mit mehrfarbigen Kunststoff-Oberflächen bei.
Die knubbeligen Lenkstockhebel, der Bediensatellit für die Stereoanlage und die viel zu kleinen Knöpfe am Radio kommen Renault-Erfahrenen bekannt vor – Fremde brauchen kurze Eingewöhnung. Optisch saubere Passungen und griffsympathisches Material, etwa bei den kugelrunden Verstellern der Lüftungsdüsen, gefallen ebenso wie praxisgerechte Ablagen in Türen und Mitteltunnel. Das 9,4 Liter große Handschuhfach schließlich verpackt mächtige Atlanten ebenso cool wie die Reise- Ration Schoki – Klimaanlagenanschluss sei dank.
Und die Klimaanlage – gegen 400 Euro Aufpreis sogar mit automatischer Regelung – ist beim Privilège ebenso Serie wie ein CD-Radio mit sechs Lautsprechern, Lederlenkrad, elektrische Fensterheber vorn und hinten sowie der Bordcomputer inklusive elektronischer Ölstandskontrolle.
Die optionale Reifendruckkontrolle (200 Euro) verarbeitet nicht einfach die Reifendrehzahl anhand der ESP-/ABS-Sensorik, sondern besitzt eigene Drucksensoren plus Sender in den Ventilen.




