Vor 14 Jahren gab es weder Telekom- Aktien, Hartz IV-Empfänger, einen Daimler-Chrysler- Konzern oder gar eine Internet- Community im Web 2.0. Nur den Renault Twingo, den gab es damals schon.
Seit seinem Verkaufsstart 1994 ist es dem französischen Cityfloh gelungen, die Herzen zahlreicher Männer und vor allem Frauen zu erobern: Bis heute wurden weltweit 2,4 Millionen Einheiten verkauft, davon allein 520 000 in Deutschland (siehe Kasten). Das Erfolgsrezept: anders als die anderen zu sein und in dieser Andersartigkeit beständig zu bleiben.
Doch dem Original folgt nun etwas, was zumindest in puncto Design nicht als originell durchgehen kann: Keine Spur mehr vom niedlichen Kulleraugengesicht des Vorgängers, der Nachfolger wirkt so konservativ-seriös wie der neue französische Regierungschef Nicolas Sarkozy.
Auch im Innenraum dominiert Langeweile, so weit das Auge reicht: Erinnern Sie sich noch an den Warnblinklichtschalter in Form einer lustigen roten Stupsnase? Aus ihm ist ein uninspirierter ovaler Schalter geworden, angeordnet unter dem digitalen Tacho als Zentralelement in einer riesigen Plastik- Cockpitlandschaft, die sich stark in der Windschutzscheibe spiegelt. Kreativität beim selbst ernannten Createur d’Automobiles? Fehlanzeige.
Aber bekanntlich zählt der Inhalt mehr als die Verpackung, und schon nach kurzer Teststrecke steht fest, dass der Twingo kein schlechter Kleinwagen ist. Neu ist allerdings, dass er nur noch einer unter vielen ist. Im Wesentlichen unterscheidet sich das auf dem Clio II aufbauende Modell nur noch durch die um 22 Zentimeter verschiebbaren zwei Einzelsitze im Fond von den Konkurrenten Toyota Aygo oder Peugeot 107.
Dadurch variiert der Gepäckraum je nach Stellung der Sitze von 165 bis 285 Liter, Fondpassagiere können sich ihr Platzangebot praktisch maßschneidern. Ein weiterer Clou: die umklappbare Beifahrersitzlehne, die den Transport von Regalbrettern oder Leitern ermöglicht. In der Länge ist der Twingo um knapp 17 Zentimeter gewachsen, der Zuwachs in der Höhe beläuft sich auf fünf Zentimeter.
Ein Gardemaß, das den Bordinsassen Luft und Laune sogar für Autobahnetappen verschafft, wobei die zu kleinen, weichen und ohne Lordosestütze ausgerüsteten Sitze den Spaß auf Dauer einschränken. Immerhin: Dem 76 PS starken Benziner geht auf solchen Touren die Luft nicht so schnell aus. Er spricht gut an, dreht wacker hoch und überzeugt mit guter Laufkultur.




