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Seat Ateca 1.4 TSI im Test

Was kann der erste SUV von Seat?

Seat Ateca 1.4 TSI, Seitenansicht Foto: Dino Eisele 22 Bilder

Seat sieht den neuen SUV als günstigere und agilere Alternative zum VW Tiguan. Doch bietet der Ateca auch einen ähnlich großen Praxisnutzen? Schließlich spricht er auch Familien an.

14.07.2016 Marcus Peters 3 Kommentare Powered by

Willkommen in Deutschlands Automitte, willkommen im Ateca. Das ist der Brandneue von Seat, ein Schwestermodell des VW Tiguan – und womöglich demnächst das erfolgreichste Auto der spanischen VW-Tochter. Schließlich ist der Run auf kompakte SUV längst zur Massenbewegung geworden, wie die Verkaufszahlen beweisen: Einen Ateca-Kaufvertrag haben laut Seat bereits 5.000 Kunden schon vor Markteinführung unterschrieben.

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Einzeltest Seat Ateca 1.4 TSI
auto motor und sport 14/2016
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Seat Ateca 1.4 TSI, FrontansichtFoto: Dino Eisele
Im Seat Ateca fühlen sich Kurven einfach freudvoller an als im VW Tiguan, auf dem er basiert.

Die einstigen Individualisten sind als Mainstreamer voll in der Bürgerlichkeit angekommen, erwecken dennoch geschickt den Anschein, etwas Besonderes zu sein. So dürften einige Familienväter, denen der Van Alhambra zu nutzwertig aussieht, auf den Neuzuwachs spekulieren. Aber ist der Ateca auf Basis des teureren und etwas größeren VW Tiguan tatsächlich so, wie man sich einen SUV von Seat vorstellt?

Seat sieht sich schließlich als dynamische Marke. Dementsprechend ließ die gedrungene Studie namens 20V20, die 2015 auf dem Genfer Autosalon gezeigt wurde, mit dem gechoppten Dach eine Mischung aus viertürigem Coupé und SUV erwarten. Doch das Serienmodell löst sich von dieser Crossover-Idee. Stattdessen zeigen die Proportionen des Ateca eher einen typischen SUV – mit etwas mehr Bodenfreiheit, einem hohem Dach und entsprechend leichtem Einstieg.

Basispreis ist nur Lockangebot

An Platz mangelt es weder vorn noch hinten, allerdings baut sich das Armaturenbrett Van-artig vor dem Fahrer auf. Der Bedienblock rund um die Klimaanlagenverstellung erklärt sich im Wesentlichen von selbst, das Infotainment ebenso. Man fühlt sich ein wenig wie in einem kleinen Bruder des Alhambra, die Optik der Instrumente erinnert jedoch an den Leon. Typisch Seat wäre auf jeden Fall ein moderater Basispreis – der Ateca soll sich schließlich gegen Fernost-Konkurrenten à la Hyundai Tucson, Mazda CX-5 und Nissan Qashqai behaupten. Als Basisvariante unterbietet er die psychologisch wichtige Schwelle von 20.000 Euro knapp – ein Lockangebot in der Ausstattung Reference mit Klimaanlage, Wärmeschutzverglasung, höhenverstellbarem Fahrersitz, Verzurrösen im Kofferraum und sieben Airbags sowie dem kleinen Audiosystem. Achtung: Für die Basisvariante lassen sich viele Extras nicht hinzubestellen.

Wer seinen SUV individuell konfigurieren möchte, muss mindestens zur Linie Style ab 23.010 Euro greifen. Unser Testwagen kommt sogar als Xcellence mit 18 Zoll großen Leichtmetallrädern, Klimaautomatik, Lederlenkrad, Tempomat, Sportsitzen, Voll-LED-Scheinwerfern, Regen- und Lichtsensor sowie Einparkhilfe. In Verbindung mit dem 150 PS starken Benziner samt Handschalter steht er ab 27.600 Euro in der Preisliste. Laut Seat kann der Kunde dafür die beste Funktionalität seiner Klasse erwarten. Also falten, schieben und verrutschen wir mal, was das Zeug hält. Per Fußschwenk unters Heck öffnet und schließt die Heckklappe elektrisch (ab 350 Euro). Daraufhin lässt sich die Lehne der Rückbank per Fernentriegelung aus dem Kofferraum im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel umklappen. Dabei entsteht eine hohe Stufe, die sich vermutlich mit dem doppelten Ladeboden (145 Euro) einebnen ließe; der Testwagen verfügt allerdings nicht darüber. Für 160 Euro zusätzlich hält ein Gepäcknetz Ordnung.

Gute SUV-Hausmannskost also – andere Allround-Profis dürften Familienväter allerdings eher zufriedenstellen. Da hat zum Beispiel der Konzernbruder Tiguan mit seiner verschiebbaren Rückbank samt im Neigungswinkel verstellbarer Lehne sowie der umklappbaren Beifahrersitzlehne in Sachen Funktionalität mehr zu bieten. Kurzer Blick auf die Assistenzsysteme; auch hier soll der Ateca ein Top-Paket bieten: Da wäre die radargesteuerte Geschwindigkeitsregelung samt Notbremsfunktion mit Fußgängererkennung und Stauassistent fürs Fahren im Stop-and-go-Verkehr erwähnenswert. Weiterhin erhältlich sind Verkehrszeichenerkennung, Assistenten zum Spurhalten sowie zum Überwachen des toten Winkels, des Querverkehrs beim Ausparken und des Fahrers, falls dieser plötzlich leblos hinterm Lenkrad klemmt. Für die Klasse der kompakten SUV ist das tatsächlich enorm – jedoch nicht mehr, als die bereits erwähnte Konkurrenz im eigenen Hause bietet.

Seat Ateca 1.4 TSI, SeitenansichtFoto: Dino Eisele
7,5 l/100 km: Dank (unmerklicher) Zylinderabschaltung und Start-Stopp-System geht der Ateca bei gemischter Fahrweise sparsam mit dem Kraftstoff um.

Und beim Fahrverhalten? Starten wir per Druck auf den pulsierenden Startknopf. Sein Flackern soll nach Auskunft von Seat den Herzschlag nachahmen. Das passt zum sportlichen Anspruch der Marke. Tatsächlich lenkt der Ateca geflissentlich ein, wirkt leichtfüßiger als der Tiguan – trotz vergleichbarer Fahrdynamikwerte. Doch Testwerte verraten wenig über die Erlebnisgüte; emotional zumindest liegt der Ateca deutlich vorn, zumal sein Schalthebel prima durch die Gassen des Sechsganggetriebes flutscht. Hat man die gut stützenden Sportsitze auf die tiefste Position gefahren, fühlt man sich perfekt ins Auto integriert – wenngleich die tiefe Position das SUV-Kaufargument Übersichtlichkeit konterkariert.

Keine Adaptivdämpfer im Seat Ateca 1.4 TSI

Auf Geländegängigkeit müssen wir hier übrigens nicht eingehen – ganz dem Trend entsprechend, dass SUV ohnehin selten bis nie jenseits der Straße eingesetzt werden, treibt der Testwagen ausschließlich die Vorderräder an und hat offroad deshalb nicht mehr als seine leicht erhöhte Bodenfreiheit zu bieten. Onroad meistert der Ateca die Untiefen einer schlecht gepflegten Autobahn trotz straffer Fahrwerksabstimmung gut, aber nicht annähernd so gekonnt wie ein mit Adaptivdämpfern ausgerüsteter VW Tiguan. Selbst bei forciertem Autobahntempo nervt der Seat nicht mit hohen Windgeräuschen, wohl aber spielt sich der Turbo-Vierzylinder beim Zwischenbeschleunigen über 4000 U/min in den Vordergrund. Der 1,4- Liter mit Zylinderabschaltung will nicht feurig drehen, hält sich lieber im Bereich seines maximalen Drehmoments auf, schiebt hier kräftig an, animiert zum frühen Hochschalten und kommt im Schnitt mit 7,5 Litern Super auf 100 Kilometer aus.

Wer angesichts des maximalen Transportvolumens von 1604 Litern häufiger an die Grenze der erlaubten Zuladung von 506 Kilogramm gehen will, sollte übrigens die Finger vom Basisbenziner lassen: Seine 115 PS wären schon mit dem Schleppen des leeren Ateca (1.384 Kilogramm) gut ausgelastet. Eine bessere Alternative ist hier sicherlich der 1.6 TDI mit ebenso 115 PS, aber 250 statt 200 Nm Drehmoment.

Wie fällt nun das Fazit aus? Obwohl der Ateca optisch weniger sportlich daherkommt als erhofft, ist er ein gut gemachter Kompakt-SUV, der mehr Agilität vermittelt und günstiger ist als ein VW Tiguan – verzichten muss man auf dessen erlesenen Federungskomfort und seine durchdachte Funktionalität. Um volle fünf Sterne zu bekommen, fehlt dem Ateca lediglich die Variabilität des VW.

Seat Ateca 1.4 TSI, CockpitFoto: Dino Eisele
Klar gegliedertes Cockpit im neuen Seat Ateca.

Navigation Plus mit Full Link

Die Integration unterschiedlicher Smartphones haben die Ateca-Entwickler sehr gut gelöst. In einem anderen Punkt ist das Infotainment-System von Seat jedoch schon jetzt veraltet. Schon in der mittleren Ausstattung Style rollt der Ateca mit einem Mediasystem vom Band, das ein Fünf-Zoll-Farbdisplay, Radio und Bluetooth-Freisprecheinrichtung enthält und sich über SD-, USB- sowie Aux-Anschlüsse erweitern lässt. Beim Mediasystem Plus für 420 Euro Aufpreis kommen ein großer, sensibel reagierender Acht-Zoll-Touchscreen sowie eine Spracheingabe hinzu, die im Test mit ihrer hohen Erkennungsquote begeisterte. Highlight im Infotainment-Programm ist jedoch die Handy-Integration: So verbindet die 200 Euro teure Connectivity-Box das Smartphone induktiv mit der empfangsverbessernden Dachantenne und lädt es kabellos auf (das Handy muss den Qi-Standard unterstützen).

Beim Samsung Galaxy S7 funktionierte dies bestens: Selbst beim gleichzeitigen Musik-Streamen via Bluetooth füllte sich der Akku während der Fahrt recht flott. Wer für weitere 190 Euro die Full-Link-Option wählt, kann zudem Handy-Apps über alle drei derzeit gängigen Schnittstellen (Carplay, Mirrorlink und Android Auto) auf den Bordmonitor spiegeln und über ihn bedienen. Preisbewusste Ateca-Käufer sparen sich daher den mäßigen Seat-Routenführer (ab 820 Euro) mit seinem ungenauen TMC-Staudienst und navigieren lieber über eine der Smartphone-Apps ans Ziel, die sich im Minutentakt die neuesten Verkehrsmeldungen besorgen. Das gesparte Geld lässt sich nämlich prima in das mit 350 Euro günstige, aber sehr ausgewogen und wuchtig klingende Soundsystem und den mit 210 Euro ebenfalls vergleichsweise preiswerten Digitalradio-Tuner stecken.

Beste Handy-Anbindung

Das Ateca-Infotainment begeistert mit seiner herausragenden Handy-Integration, vielen Schnittstellen sowie den günstigen Sound- Optionen. Im Jahr 2016 ein Auto auf den Markt zu bringen, dessen Navi keine Online- Staudienste nutzt, enttäuscht jedoch – die Technik ist schließlich im Konzern vorhanden.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • großzügiges Raumangebot
  • vorn und hinten bequemer Einstieg
  • großer Kofferraum
  • einfache Bedienung
  • anständige Verarbeitung
  • hohe Verwindungssteifigkeit
  • geringe Variabilität
  • Stufe beim Umklappen der Rücksitzlehnen
  • mäßige Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • ordentlicher Federungskomfort
  • gut positionierte Sportsitze (Ausstattung Xcellence)
  • niedriges Geräuschniveau
Antrieb
  • exakte Schaltung
  • kräftiger Durchzug
  • eingeschränkte Laufruhe
  • bei hohen Drehzahlen
  • geringes Motortemperament
Fahreigenschaften
  • subtile Agilität
  • präzise Lenkung
  • sicheres Kurvenverhalten
  • stabiler Geradeauslauf
  • geringe Karosserieneigung
Sicherheit
  • zahlreiche Assistenzsysteme
  • standfeste Bremsanlage
  • sichere ESP-Abstimmung
  • keine mitlenkenden LED-Scheinwerfer erhältlich
Umwelt
  • angesichts der Größe niedriger Verbrauch und CO2-Ausstoß
  • geringes Fahrgeräusch
Kosten
  • angemessener Basispreis
  • geringe Kaskokosten
  • nur 2 Jahre Garantie
  • eingeschränktes Optionsangebot bei Basisversion
  • jährliche Inspektion nötig

Fazit

Im Seat Ateca 1.4 TSI fühlen sich Kurven einfach freudvoller an als im VW Tiguan, auf dem er basiert. Der neue SUV bietet eine angenehme Sitzposition und reichlich Assistenzsysteme. Minuspunkt: die geringe Variabilität.

Technische Daten
Seat Ateca 1.4 TSI
Grundpreis27.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4363 x 1841 x 1615 mm
KofferraumvolumenVDA510 bis 1604 L
Hubraum / Motor1395 cm³ / 4-Zylinder
Leistung110 kW / 150 PS (250 Nm)
Höchstgeschwindigkeit201 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,5 s
Verbrauch5,4 L/100 km
Testverbrauch7,5 L/100 km
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    Neuester Kommentar

    "Es ist immer erstaunlich, daß Ihre Tester nicht immer alles über das Tesfahrzeug wissen oder nicht sehen wollen.

    als Nachteil wird gesagt, saß der Ateca kein LED Kurvenlicht hat. Aber dafür hat er, wie der alte Tiguan das Kurvenlicht in den Nebelscheinwerfer intrigiert wurde."


    Sie verwechseln hier Kurven- mit Abbiegelicht!

    fechti2000 30. September 2016, 09:09 Uhr
    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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