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Seat Toledo TDI im Test

Spanish Eyes

Der VW-Konzern möchte die spanische Marke Seat zum Alfa Romeo-Konkurrenten hochstilisieren. Der neue Toledo soll ein erster Schritt in diese Richtung sein.

20.06.2000

Was man aus einem VW Golf alles machen kann: einen Bora (siehe Doppeltest Seite 52), einen Beetle, einen Audi A3, einen Audi TT, einen Skoda Octavia und – jüngstes Derivat – einen Seat Toledo. Der Golf der vierten Generation entpuppt sich immer mehr als eine automobile Wundertüte, aus der sich wie Kaninchen aus dem Zylinderhut Zug um Zug neue Modelle zaubern lassen. Der Magier dahinter ist VW-Konzernchef Ferdinand Piëch, und seine Zauberformel nennt er Plattformstrategie.

Über ein und dieselbe technische Basis – dazu gehören im wesentlichen Bodengruppe, Antriebsstrang und Fahrwerk – läßt er immer wieder neue „Hüte“ (Piëch), sprich Karosserien, stülpen: Fertig ist der Lack. Das spart durch die massenhafte Verwendung von Gleichteilen (die Golf-Plattform wird zukünftig im Konzern rund 1,2 Millionen mal pro Jahr produziert) finanzielle und zeitliche Ressourcen, die dann wieder in neue Modellvarianten investiert werden können. Für den Laien, der nur die Verpackung sieht und nicht das, was druntersteckt, ist dieses Hütchenspiel schwer durchschaubar. Auch das gehört zur Strategie, schließlich soll der Kunde je nach Markenimage für die gleiche Technik Aufschläge von mehreren 1000 Mark bezahlen.

Um das Image der spanischen VW-Tochter Seat war es bislang weniger gut bestellt. Die neben Skoda zweite Billigmarke des Konzerns gilt nicht zu Unrecht als graue Maus, weil sie bisher zwar gebrauchstüchtige, aber stilistisch langweilige Autos produzierte. Bestes Beispiel: der Arosa (siehe Doppeltest Seite 70). Das soll sich mit der Neuauflage der Mittelklasselimousine Toledo ändern. Ab jetzt, so Piëchs kühner Plan, soll Seat Konkurrenten wie Alfa Romeo und BMW attackieren. Zu diesem Zweck wurde kürzlich sogar Alfa-Designchef Walter de Silva zu Seat geholt. Der Toledo entstand allerdings noch unter Mitwirkung des italienischen Styling-Maestros Giugiaro.

Die Frontpartie soll das „neue Gesicht von Seat“ verkörpern. Das Karosseriedesign, so die Seat-Leute, sei so „stabil und sinnlich wie eine Michelangelo-Skulptur“ – eine hochgestochene Umschreibung dafür, daß der Toledo gut aussieht. „Mediterranes Flair“, wie Pierre-Alain de Smedt, der Seat-Chef, schwärmt, verströmt der Toledo allerdings kaum. Strenggenommen stammt der neue Seat ja auch nicht aus Spanien. Er ist eher eine Brüsseler Spitze. Denn im VW-Werk Brüssel, wo der Golf produziert wird, entsteht auch der Toledo (75 000 Autos pro Jahr).

Die Verwandtschaft zum Golf ist ihm auf den ersten Blick nicht anzumerken. Auf den zweiten schon, im guten wie im schlechten. Positiv erscheint vor allem der glänzende Qualitätseindruck. Daß hier VW in Person von Entwicklungschef und Qualitätsfanatiker Martin Winterkorn die Hände mit im Spiel hat, spürt man sofort. Hochwertige Cockpitanmutung, ästhetische Details, praxisgerechte Bedienung, viele Ablagen und eine auch auf schlechten Straßen solide wirkende Karosserie: Das alles hat VW-Format. Der Knieraum im Fond allerdings auch. Hier macht sich eine Konzeptschwäche der Plattformstrategie bemerkbar: Da der Radstand (2513 Millimeter) nicht länger ist als beim Golf, bietet der Toledo wie schon die anderen Stufenheck- Schwestermodelle VW Bora und Skoda Octavia auf der Rückbank nur wenig Beinfreiheit. Auch der Kofferraum ist mit 500 Litern zwar groß, aber 50 Liter kleiner als beim Vorgänger. Schmerzlicher ist jedoch die schlechte Nutzbarkeit: Nach dem Öffnen des Kofferraumdeckels wird nur ein ganz schmaler Ausschnitt frei, der das Be- und Entladen sperriger Gegenstände erschwert.

Außerdem hat der Kofferraum die Anmutung einer tiefen dunklen Höhle, in die man zum vollständigen Ausnutzen des Stauraums fast hineinklettern muß – am besten mit einer Grubenlampe. Leichteren Zugang zum Gepäckabteil verspricht ab dem Jahr 2000 eine Schrägheck- Variante. Die Alternative beim Stufenheck-Modell: Sofern die Rücksitze nicht besetzt sind, können Bank und Lehne (asymmetrisch geteilt) nach vorheriger Demontage der hinteren Kopfstützen zum Durchladen umgeklappt werden. Enttäuschend aber auch die reale Zuladung: nur 353 Kilogramm. Es dürfte auch deshalb mehr sein, weil das Fahrwerk noch stille Reserven hat. Leer wie beladen fährt sich der Fronttriebler sehr handlich und agil. Die Lenkung wirkt angenehm direkt und vermittelt guten Fahrbahnkontakt, ohne störende Antriebseinflüsse durchdringen zu lassen.

Der Toledo läuft außerdem sauber geradeaus, und auch auf verwinkelten Landstraßen fühlt man sich hinter dem Lenkrad pudelwohl. Denn der Seat giert förmlich nach Kurven, die er sanft untersteuernd umrundet. Mit beladenem Kofferraum neigt er zu leichten Lastwechselreaktionen beim Gaswegnehmen, aber das Heck drückt nur ganz sachte nach außen, ohne den Fahrer zu überfordern. Ein hohes Maß an Sicherheit bietet auch die Bremsanlage: Bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 steht der Toledo bereits nach 40,6 Metern. Und selbst unter höchster Beanspruchung läßt die Bremswirkung nur unwesentlich nach.

So hartnäckig wie die Bremsanlage ist die Federung glücklicherweise nicht. Das Fahrwerk hat zwar eine straffe Abstimmung, offeriert aber einen guten Abrollkomfort und steuert Unebenheiten kleiner wie großer Natur wirksam aus. Nur bei voller Beladung nehmen die Vertikalbewegungen des Aufbaus zu – zu einem Durchschlagen der Federung kommt es jedoch nicht. Durchschlagenden Erfolg verspricht sich Seat vor allem von den beiden TDI-Versionen mit 90 und – wie hier im Test – 110 PS. Auch wenn es inzwischen leisere und kultivierte Direkteinspritzer-Diesel gibt – das heftige Nageln nach dem Kaltstart, im Leerlauf und beim Beschleunigen bleibt unüberhörbar –, so ist der TDI hinsichtlich Leistungscharakteristik und Sparsamkeit immer noch ein Erlebnis.

Wie er am Gas hängt und bereits aus niedrigen Drehzahlen schwungvoll beschleunigt, verblüfft ebenso stets aufs neue wie der geringe Verbrauch von 6,8 L/100 km – und das bei einem Auto, das leer bereits mehr als 1,3 Tonnen wiegt, in 11,4 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigt und 193 km/h erreicht. Und was will Seat mit dem Toledo erreichen? Das Verkaufsziel von jährlich 15 000 Einheiten in Deutschland klingt sehr bescheiden, wenn man bedenkt, daß der Vorgänger in seinen besten Zeiten 23 000 mal verkauft wurde – zuletzt waren es allerdings nur noch 11 000. Den Toledo gibt es in fünf Leistungssstufen (von 90 bis 150 PS) und Ausstattungslinien (Select, Stella, Sport, Signum und V5). Die Preisspanne reicht von 31 500 bis 43 000 Mark. Da der Verkauf erst im April beginnt, stehen Preise und Ausstattungsumfänge noch nicht exakt fest. Der getestete Toledo TDI Sport soll ab Werk mit ABS, vier Airbags, Klimaanlage und elektrischen Fensterhebern ausgestattet sein und rund 37 000 Mark kosten. Da dürfte es leichter denn je fallen, mit einem Seat zu liebäugeln.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • sehr gute Verarbeitung
  • umfangreiche Serienausstattung
  • funktionelle Bedienung
  • großes Kofferraumvolumen mit Durchlademöglichkeit in den Fond
  • wenig Knieraum im Fond
  • unpraktische Kofferraumform
  • geringe Zuladekapazität
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze
  • gute Federung
  • schwache Heizung beim TDI
  • lauter TDI-Motor
Antrieb
  • temperamentvolle Fahrleistungen
  • gute Schaltung
  • niedriger Verbrauch
Fahreigenschaften
  • guter Geradeauslauf
  • sicheres Kurvenverhalten
  • präzise Lenkung
  • sehr gute Handlichkeit
  • leichte Lastwechselreaktionen bei voller Zuladung
Sicherheit
  • wirksame und standfeste Bremsen
  • gute Sicherheitsausstattung mit Fahrer und Beifahrerairbag sowie Sidebags
Umwelt
  • niedrige C02-Emission
  • lautes Kaltstartnageln
  • Motor erfüllt nur Euro 2-Norm
Kosten
  • günstiger Grundpreis
  • geringe Kraftstoffkosten
  • niedrige Unterhaltskosten
  • 12 Jahre Garantie gegen Durchrostung
  • speziell beim TDI sehr gute Wiederverkaufsaussichten
  • nur kurze Basisgarantie (1 Jahr)

Fazit

Qualität, Komfort, Fahrwerk und Sicherheit des Toledo haben uneingeschränkt VW-Niveau. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Der TDI-Motor ist laut, aber agil und sparsam. Negativ: unpraktische Kofferraum-Form und geringe Zuladung.

Technische Daten
Seat Toledo 1.9 TDI
Grundpreis20.185 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4439 x 1742 x 1436 mm
KofferraumvolumenVDA500 L
Hubraum / Motor1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung81 kW / 110 PS (235 Nm)
Höchstgeschwindigkeit193 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,2 s
Verbrauch5,0 L/100 km
Testverbrauch6,8 L/100 km
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